02.08.2010 · Die hoch zyklische schwedische Börse arbeitet am Montag am Ausbruch auf neue Jahreshochs. Optimisten halten das für den Start zu weiteren Kursgewinnen. Skeptiker fürchten, dass dies die letzten Kursgewinne vor der nächsten Flaute sein könnten.
Allgemeiner Konjunkturoptimismus treibt zumindest in Europa allerhand Blüten und Schlagzeilen. Sie verleiten immer mehr Anleger dazu, sich trotzt aller Wachstums- und latenter Kredit- und Einsparungsbedenken die Aktien europäischer Unternehmen ins Depot zu legen.
Die optimistischen Konjunkturerwartungen lassen sich unter anderem an der Entwicklung der schwedischen Börse ablesen. Sie gilt als einer der konjunktursensibelsten Märkte Europas.
Die schwedische Börse ist eine der zyklischsten Europas
Mit Kurszuwächsen von mehr als zwölf Prozent in lokaler Währung und mehr als 23 Prozent in der europäischen Währung seit Jahresbeginn zählt der OMX 30 Index zu den besten Indizes des Kontinents seit Jahresbeginn.
Charttechnisch bildete er in den vergangenen Monaten der europäischen Schuldenkrise so etwas wie ein aufsteigendes Dreieck aus zunächst gleich bleibenden Obergrenzen und steigenden Untergrenzen aus. Diese Chartformation deutet in der Regel nicht nur auf die Stärke eines Marktes oder eines Wertpapiers hin, sondern auch auf den wahrscheinlichen Ausbruch nach oben. Genau daran arbeitet der Index am Montag. Er startete mit Kursgewinnen in den Handel, stieg im Tagesverlauf immer weiter an und erreichte am Mittag mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 1070 Zähler ein neues Jahreshoch.
An der Spitze der Tageskursgewinner liegen die Aktien der des Maschinen- und Anlagebauunternehmens Alfa Laval, gefolgt von den Bankwerten SEB, Nordea und Svenska, von den Papieren von Nokia, Modern Times, Volvo, Scania, Teliasonera und des Kupferbergbau- und -verarbeitungsunternehmens Boliden mit Kurszuwächsen zwischen 2,5 und 3,75 Prozent. Auf Sicht des bisherigen Jahres verzeichneten die Papiere von Volvo, Scania, Modern Times, Ericsson, Tele2, Getinge, Atlas Copco, Alfa Laval und Hennes & Mauritz die stärksten Kursgewinne zwischen 17 und 50 Prozent.
Dabei handelt es sich mehrheitlich um Unternehmen, die hoch zyklisch und stark abhängig sind von der Entwicklung der Weltkonjunktur. Sie profitierten in den vergangenen Monaten von Basiseffekten, Kostensenkungen, massiven keynesianischen und geldpolitischen Stimuli und im wichtigen Exportgeschäft nicht zuletzt von der zwischenzeitlichen Abwertung der schwedischen Krone. Diese Kombination von Faktoren führte zur Belebung des operativen Geschäfts und insgesamt zu beachtlichen Umsatz- und Gewinnsteigerungen.
Letzte Kursgewinne auf dem Höhepunkt der zyklischen „Hochstimmung“?
Gerade in den vergangenen Tagen legten einige dieser Unternehmen ihre Quartalszahlen vor und übertrafen dabei - natürlich - die Erwartungen. Kein Wunder also, dass der optimistische Teil der Anleger euphorisch auf „schönmalerische“ Unternehmens-, Agentur- und Medienmeldungen solcher Art reagiert und sich mit Aktien der entsprechenden Unternehmen eindeckt. Manche stellen sich jedoch die Frage, wie lange und wie weit diese Euphorie wird tragen können. Sie verweisen auf viele vorlaufende Konjunkturindikatoren, die auf eine abnehmende wirtschaftliche Dynamik hindeuten.
Auslaufende Ausgabenprogramme und folgende Nachfragelücken könnten zusammen mit deutlich aufgestockten Lagern dazu führen, dass sich die in Europa und den Schwellenländern scheinbar so robust aussehende Wirtschaftsentwicklung rasch eintrübt, während die amerikanische Wirtschaft sich nie richtig von ihrer strukturellen Malaise erholt hat. Dort müssen Konsumenten, Unternehmen und auch öffentliche Einheiten ihre Nachfrage aufgrund der starken Verschuldung einschränken.
Trotzdem können die Finanzmärkte in ihrer aktuellen Stimmung noch einmal neue Jahreshochs markieren, bevor sich die wirtschaftliche Realität der zweiten Jahreshälfte zeigen wird. Allerdings zeigt alleine schon die Bewertung der im OMX-30 enthaltenen Aktien, dass die Kurse schon viel Positives vorweg genommen haben. Denn das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis liegt auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr bei knapp 17. Günstig sind sie also nicht mehr. Vor allem auch wenn man berücksichtigt, dass sich die schwedische Krone von der massiven Abwertung erholt hat. Damit fallen künftig Wettbewerbsvorteile und Umrechnungsgewinne für schwedische Unternehmen weg.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |