Home
http://www.faz.net/-gv6-7h00v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Zu wenig Devisen Schwellenländer mit Leistungsbilanzdefizit gefordert

Die Türkei und Indien müssen Energie importieren. Der Ölpreis ist durch die Eskalation in Syrien gestiegen. Das vergrößert ihr Defizit in der Leistungsbilanz, das mit Auslandskapital geschlossen werden muss.

© dpa Für Touristen in Thailand wird es billiger: Wechselstube in Bangkok.

Seit Amerikas Notenbank Mitte Mai eine baldige Drosselung der Anleihekäufe in Aussicht stellte, testen die Anleger die Schwellenländer auf ihre Verwundbarkeit. Aufstrebende Länder wie die Türkei und Indien wachsen seit Jahren schneller als die Industrieländer, importieren mehr, als sie exportieren, und müssen diese Leistungsbilanzdefizite mit ausländischem Kapital finanzieren. Das war lange kein Problem, auch weil von den Zentralbanken in Amerika, Japan, England und der Schweiz Geld geschaffen wurde, das über Umwege auch in Schwellenländer wanderte. Nach Daten von JP Morgan flossen allein zwischen Ende Dezember und Mitte Mai 45 Milliarden Dollar in deren Anleihen.

Infografik / Verluste mit Aktien aus Schwellenländern © F.A.Z. Vergrößern

Hanno Mußler Folgen:

Doch nun hat die Aussicht auf eine etwas weniger expansive Geldpolitik in Amerika die Kapitalflüsse umgekehrt. JP Morgan berichtet über Abflüsse aus den Anleihemärkten der Schwellenländer von 26 Milliarden Dollar zwischen Mitte Mai und Mitte August. Aus Indien etwa haben seit Anfang Juli ausländische Anleger Aktien für 3,5 Milliarden Dollar und Anleihen für 4,5 Milliarden Dollar abgestoßen. Landeswährungen wie die indonesische Rupiah oder der brasilianische Real haben um mehr als 10 Prozent zu Dollar und Euro abgewertet. Damit steigt die Schuldenlast der in Fremdwährung aufgenommenen Staatskredite.

Wachstumsimpuls durch Währungsabwertung

Für Anleger in Schwellenländern könnten sich aber auch Chancen ergeben. Zumindest diejenigen Länder, die weniger abhängig sind von ausländischem Kapital, erhalten durch Währungsabwertung einen Wachstumsimpuls. Denn die Exportchancen der Unternehmen verbessern sich. Ihre höheren Gewinnaussichten dürften sich in höheren Aktienkursen niederschlagen. Allerdings haben alle in unserer Grafik abgebildeten Länder mit Ausnahme von Russland ein Leistungsbilanzdefizit. Im Fall von Südafrika aber hat sich das Defizit nun schon zwei Monate hintereinander verringert. Der Exportindustrie halfen die sich stabilisierenden Edelmetallpreise. Analysten erklären sich damit die positive Entwicklung des südafrikanischen Aktienmarktes in den vergangenen drei Monaten, die allerdings in Euro rechnenden Anlegern dennoch Verluste eingebracht hat.

Auch in Brasilien hat sich der Aktienindex Bovespa seit Anfang Juli um 12 Prozent erholt, seit Mitte Mai sind die Verluste, verstärkt durch die Abwertung der Währung, wie bei allen anderen Ländern deutlich. Brasilien profitiert als Energieproduzent von den gestiegenen Ölpreisen durch die Eskalation in Syrien. Im Fall von Indien und Türkei ist es genau umgekehrt: Beide Länder sind hochgradig abhängig von Energieimporten, ihr Leistungsbilanzdefizit ist überwiegend auf fehlende heimische Energie zurückzuführen und weitet sich mit steigendem Ölpreis tendenziell aus. Damit sind diese Länder zunehmend auf ausländisches Kapital angewiesen. Seit Anfang Mai setzten nach Daten des Bankhauses Metzler die indonesische Notenbank 13,6, die türkische 12,7 und die indische 5,5 Prozent ihrer Devisenreserven ein, um die heimische Währung zu stützen. Letztlich aber dürfte ihnen nur bleiben, die Leitzinsen zu erhöhen, um weiterhin ausländisches Kapital anzuziehen.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Niedriger Ölpreis Die Scheichs sind nicht mehr (so) reich

Saudi-Arabien sieht schweren Zeiten entgegen: Der niedrige Ölpreis zwingt die Regierung zum Sparen. Doch soziale Wohltaten kann das Königshaus aus innenpolitischen Gründen nicht kürzen. Mehr Von Rainer Hermann

02.09.2015, 16:34 Uhr | Wirtschaft
45 Milliarden Dollar Kosten Ägypten plant eine neue Hauptstadt

Östlich von Kairo soll eine neue ägyptische Hauptstadt entstehen. Es wird mit Kosten in Höhe von 45 Milliarden Dollar gerechnet. Mehr

14.03.2015, 13:49 Uhr | Gesellschaft
Schlechte Zeichen Trügerische Ruhe an den Börsen Chinas

Am Mittwoch stand der chinesische Leitindex CSI 300 zwar deutlich im Plus, doch die Zeichen der Erholung trügen. Die Regierung ist vor allem daran interessiert, dass die Märkte einen stabilen Eindruck machen - und schreckt dafür laut informierten Kreisen auch nicht vor Stützungskäufen zurück. Mehr Von Martin Hock

02.09.2015, 16:57 Uhr | Finanzen
Touristen in Thailand Chinesische Touristen in Thailand: Zahlreich, aber unbeliebt

Die Tourismusbranche ist ein wichtiger Zweig der thailändischen Wirtschaft und beschert ihr alljährlich Milliarden-Einnahmen. Vor allem Chinesen strömen ins Land und ziehen zunehmend den Ärger der Einheimischen auf sich, weil sie sich nicht an die örtlichen Gepflogenheiten halten. Jetzt hat die thailändische Tourismusbehörde eine Anleitung herausgegeben, die ausländischen Touristen helfen soll. Mehr

09.07.2015, 17:22 Uhr | Gesellschaft
Geldpolitik Alarm wegen schwacher Weltwirtschaft

Der Währungsfonds drängt zu einer lockeren Geldpolitik. EZB-Chef Draghi deutet noch mehr Anleihekäufe an. Aber es gibt auch Warner. Die Deutschen müssen wegen der Niedrigzinsen später in Rente gehen. Mehr Von Winand von Petersdorff, Philip Plickert und Hanno Mußler

03.09.2015, 17:54 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 28.08.2013, 17:07 Uhr


Aktienmärkte
Name Kurs Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Nikkei --  --
  Hang Seng --  --
  F.A.Z.-Euro-Index --  --
  EuroStoxx 50 --  --
  S&P 500 --  --
  Nasdaq 100 --  --
  M-Dax --  --
  Tec-Dax --  --
  S-Dax --  --
  Dax Future --  --
Wertpapiersuche