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Zu wenig Devisen Schwellenländer mit Leistungsbilanzdefizit gefordert

 ·  Die Türkei und Indien müssen Energie importieren. Der Ölpreis ist durch die Eskalation in Syrien gestiegen. Das vergrößert ihr Defizit in der Leistungsbilanz, das mit Auslandskapital geschlossen werden muss.

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Seit Amerikas Notenbank Mitte Mai eine baldige Drosselung der Anleihekäufe in Aussicht stellte, testen die Anleger die Schwellenländer auf ihre Verwundbarkeit. Aufstrebende Länder wie die Türkei und Indien wachsen seit Jahren schneller als die Industrieländer, importieren mehr, als sie exportieren, und müssen diese Leistungsbilanzdefizite mit ausländischem Kapital finanzieren. Das war lange kein Problem, auch weil von den Zentralbanken in Amerika, Japan, England und der Schweiz Geld geschaffen wurde, das über Umwege auch in Schwellenländer wanderte. Nach Daten von JP Morgan flossen allein zwischen Ende Dezember und Mitte Mai 45 Milliarden Dollar in deren Anleihen.

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Doch nun hat die Aussicht auf eine etwas weniger expansive Geldpolitik in Amerika die Kapitalflüsse umgekehrt. JP Morgan berichtet über Abflüsse aus den Anleihemärkten der Schwellenländer von 26 Milliarden Dollar zwischen Mitte Mai und Mitte August. Aus Indien etwa haben seit Anfang Juli ausländische Anleger Aktien für 3,5 Milliarden Dollar und Anleihen für 4,5 Milliarden Dollar abgestoßen. Landeswährungen wie die indonesische Rupiah oder der brasilianische Real haben um mehr als 10 Prozent zu Dollar und Euro abgewertet. Damit steigt die Schuldenlast der in Fremdwährung aufgenommenen Staatskredite.

Wachstumsimpuls durch Währungsabwertung

Für Anleger in Schwellenländern könnten sich aber auch Chancen ergeben. Zumindest diejenigen Länder, die weniger abhängig sind von ausländischem Kapital, erhalten durch Währungsabwertung einen Wachstumsimpuls. Denn die Exportchancen der Unternehmen verbessern sich. Ihre höheren Gewinnaussichten dürften sich in höheren Aktienkursen niederschlagen. Allerdings haben alle in unserer Grafik abgebildeten Länder mit Ausnahme von Russland ein Leistungsbilanzdefizit. Im Fall von Südafrika aber hat sich das Defizit nun schon zwei Monate hintereinander verringert. Der Exportindustrie halfen die sich stabilisierenden Edelmetallpreise. Analysten erklären sich damit die positive Entwicklung des südafrikanischen Aktienmarktes in den vergangenen drei Monaten, die allerdings in Euro rechnenden Anlegern dennoch Verluste eingebracht hat.

Auch in Brasilien hat sich der Aktienindex Bovespa seit Anfang Juli um 12 Prozent erholt, seit Mitte Mai sind die Verluste, verstärkt durch die Abwertung der Währung, wie bei allen anderen Ländern deutlich. Brasilien profitiert als Energieproduzent von den gestiegenen Ölpreisen durch die Eskalation in Syrien. Im Fall von Indien und Türkei ist es genau umgekehrt: Beide Länder sind hochgradig abhängig von Energieimporten, ihr Leistungsbilanzdefizit ist überwiegend auf fehlende heimische Energie zurückzuführen und weitet sich mit steigendem Ölpreis tendenziell aus. Damit sind diese Länder zunehmend auf ausländisches Kapital angewiesen. Seit Anfang Mai setzten nach Daten des Bankhauses Metzler die indonesische Notenbank 13,6, die türkische 12,7 und die indische 5,5 Prozent ihrer Devisenreserven ein, um die heimische Währung zu stützen. Letztlich aber dürfte ihnen nur bleiben, die Leitzinsen zu erhöhen, um weiterhin ausländisches Kapital anzuziehen.

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