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Zocker-Report Vermeintliche, voraussichtliche und vermutliche Neuanfänge

01.12.2006 ·  Ein neuer Anfang ist auch immer für den Neuanfang so manches darbenden Aktienkurses gut. Das gilt vor allem bei insolventen Unternehmen und solchen, die ihr operatives Geschäft abgegeben haben. Das zeigt zumindest der Monat November.

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Es ist immer schön, wenn sich die Verhältnisse an den Börsen normalisieren. Der Dax steigt wieder, genauso wie der Dow Jones und der Nikkei. Alles in Butter, scheint man sich zu denken - auch jenseits der ausgetretenen Index-Pfade, wo die wenig liquiden Aktien notieren.

Dabei läuft, wie der User „Aktienmaria“ es beschreibt, ein immer gleiches Spiel ab: „Erst Kurs hochziehen, dann Falschmeldungen in Umlauf bringen, und die durch die Falschmeldungen erzeugte Nachfrage zum Abverkauf nutzen.“ Das wird auch bei Farmatic Bioenergy vermutet. Die Aktie des einstigen Klär- und Biogasanlagenbauers, der im März 2004 Insolvenz anmelden mußte, legte im November satte 160 Prozent auf zuletzt 19 Cent zu - anscheinend weil ein offenbar wenig seriöses Übernahmeangebot per E-Mail im Umlauf ist.

Zweifelhafte Übernahmeangebote für Farmatic

Allein die Art und Weise der Verbreitung sollte zu denken geben. Denn da es sich nicht um Namensaktien handelt, sind die Aktionäre eigentlich nur über die Depotbanken ausfindig zu machen. Rundschreiben per E-Mail kommen zumeist als Spam zustande oder über Internet-Foren, in denen sich so manch einer als Aktionär geoutet hat. Farmatic Bioenergy gibt es übrigens noch. Indes als Farmatic Anlagenbau GmbH, so daß eine Wiederbelebung wohl eher dem Reich der Fabeln und Phantasien zuzuschreiben ist.

Anders stellt sich die Situation bei der November AG dar, die nach eigenem Bekunden zuletzt Produkte und Technologien in den Zukunftsbranchen Bio- und Nanotechnologie entwickelte und erst Ende September Insolvenzantrag stellte. Von Anfang an hatte das Unternehmen stets Verluste verzeichnet. Diese wurden zwar mit der Zeit geringer, doch zuletzt halfen weder hastig eingeleitete Sanierungsprogramme noch Vorstandswechsel.

Als dann ein Darlehen an die Tochterfirma Responsif wertberichtigt werden mußte, weil das Erfinderkonsortium dieser die Lizenz entzog, war November überschuldet. Doch schon wenige Tage nach dem Konkursantrag äußerte sich der neue Vorstandschef Reinhard Schüren zuversichtlich, daß November gerettet werden könne. Er betonte, daß zwei Töchterunternehmen Identif und Directif Produkte kurz vor der Markteinführung hätten.

November: ein guter Monat

Neue Hoffnung gibt manchen leidgeprüften Aktionären auch der Wechsel im Aufsichtsrat, mit dessen Besetzung doch einige Anleger sehr unzufrieden waren. So wird behauptet, daß der ehemalige Vorstandsvorsitzende Wolf Bertling für den Lizenzentzug verantwortlich gewesen sein soll. Bertling schied seinerzeit mit sofortiger Wirkung und ohne Dankesworte des Unternehmens aus, was gern als Hinweis auf Konflikte gesehen wird.

Es ist derzeit schwer zu überblicken, ob und inwieweit November gerettet werden kann. Hinzu kommt, daß das Potential der Tochterfirmen umstritten ist. Auch Finanzvorstand Astrid Dickert äußerte sich Anfang des Monats wenig zufrieden mit dem Auftragsbestand der Identif. Deren mangelnde Vertriebserfolge wurden seinerzeit auch als Grund für die schlechten Halbjahreszahlen des Unternehmens genannt.

„Follow the Merckle“

Bewertet ist November nach einem Kursanstieg von 160 Prozent im so passenden Monat derzeit mit 13,6 Millionen Euro und damit dem 2,4fachen des Neun-Monats-Umsatzes. Angesichts der schlechten Ertrags- und Finanzlage erscheint dies mehr als genug. Denn Wunder werden auch bei einer Fortführung der Gesellschaft nicht zu erwarten sein, so daß sich gewiß noch eine Einstiegsgelegenheit auf sicherer Basis ergeben dürfte.

Am sicherlich interessantesten ist das Leben, das plötzlich in die Aktien der ehemaligen Pharmagroßhändler Otto Stumpf, F. Reichelt und Hageda gekommen ist. Das operative Geschäft der in den neunziger Jahren angeschlagenen, teilweise mehr als ein Jahrhundert alten Traditionsbetriebe bildete seinerzeit die Grundlage für die Gründung der Phönix Pharmahandel durch die schwäbische Unternehmerfamilie Merckle. Anlaß des Kursanstiegs und der Spekulationen ist ein Durchbruch bei der Verschuldungssituation von Otto Stumpf und die schon früher erfolgte Zusammenlegung der Verwaltungen nach Hamburg. Und natürlich der Name Merckle, der seit der Übernahme der Heidelberger Zement immer für eine Spekulation gut zu sein scheint (siehe auch Aktie der Otto Stumpf AG zeigt Lebenszeichen und Gruschwitz Textilwerke: Eine Merckle-Story).

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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