29.09.2006 · Man sollte ja eigentlich meinen, daß Information die Basis des Anlageerfolgs ist. Falsch, es geht auch ohne. Und notfalls kann man noch seine eigenen Nachrichten machen. Kurzum: alle Wege führen nach oben - oder auch nicht.
Man sollte ja eigentlich meinen, daß ein Anleger möglichst viel über das Unternehmen wissen möchte, in das er investiert. Besonderes schön ist es, wenn man etwas weiß, was andere nicht wissen. Genauer gesagt: Wenn man etwas weiß, was andere erst später wissen. Denn wenn keiner etwas weiß, dann kauft keiner. Und wenn keiner kauft, sitzt man auf einer Aktie, die ja rechnerisch viel wert sein mag, die aber keiner haben will. Sollte man meinen.
Ist aber nicht immer so. Denn bei so mancher Aktie im breiten Markt sind die verfügbaren Informationen doch sehr dünn gesät - und das ist noch manchmal beschönigend ausgedrückt. Die Abwesenheit frei zugänglicher Unternehmensinformationen hielt im September so manche Aktie nicht vom Steigen ab.
Ein Hyp(e)io ohne Käufer und Nachrichten
Das betraf die Aktie der Verion Filaments (Warum steigt die Aktie von Verion Filaments?), aber noch viel mehr die der Hypio.com. Von 8,50 Euro ging es auf 14 Euro nach oben - allerdings sozusagen unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Denn gehandelt wurden lediglich am 13. September 257 Stück.
Das Unternehmen gibt sich gleichfalls zurückhaltend. Auf der Website erfährt man zwar ein paar Dinge, doch auch, daß man auf nicht allzuviel Auskünfte hoffen sollte. Aufgrund „regulatorischer Bedingungen“ könne man keine Investor Relations betreiben.
Hypio.com versteht sich als Beteiligungsgesellschaft, die ihren Fokus auf deutsche Neben- und Spezialwerte sowie Sondersituationen am deutschen Aktienmarkt wie Übernahmen, Unternehmensverträge, Squeeze-Out und die Aktivierung von Mantelgesellschaften richtet. Besonders im letzteren Geschäft scheint man Expertise zu haben. Vorstandschef ist niemand anders als der Börsenmantelspezialist Philipp Moffat.
Biete 40.000 Euro, zahle 5,6 Millionen
Über das Portfolio erfährt man allerdings nichts. „Nach unserer Ansicht sind Portfoliokennziffern bei marktengen Aktien kaum aussagekräftig, da deren Wert sich nur bei einem konkreten Verkauf bemessen läßt. Demzufolge enthalten wir uns hierzu jeder Berichterstattung vor der Schließung einer Position“, heißt es lapidar. Eine enge Verbindung gibt es zur MyResearch AG, die unter der gleichen Adresse firmiert und die verschiedene börsennahe Internet-Portale und Newsletter betreibt.
Auch zu den Unternehmenszahlen sind die Auskünfte eher knapp bemessen. Man habe seit Gründung (im Jahr 2000) positive Ergebnisse erzielt, auch in den sehr schwachen Börsenjahren 2001 und 2002. 2005 habe der Jahresüberschuß 33.338,05 Euro betragen, so daß sich der Bilanzgewinn auf 38.548,98 Euro summiert habe.
Das ist jetzt nicht gerade soviel, daß sich die Bewertung des Unternehmens mit einer Marktkapitalisierung von 5,6 Millionen Euro rechtfertigen würde. Aber vielleicht weiß ja einer mehr. Seit 16 Tagen hat sich der Kurs allerdings keinen Zentimeter bewegt.
Vom Börsengang fast nahtlos in die Insolvenz
Das kann man vom Aktienkurs der Aidos Software zumindest nicht behaupten. Dieser vollführt seit Donnerstag Bocksprünge zwischen 4,5 und 8,8 Cent, was ein Monatsplus von über 100 Prozent bedeutet. Aber wer will das Papier eigentlich haben?
Die in Meißen ansässige Firma machte eine Zeitlang von sich durch Kooperationen reden, die ihr Produkt KAI-Box zum Erfolgsschlager machen sollten. Dabei handelte es sich um ein Computerprogramm, das Texte und Informationen wie ein Mensch lesen, verstehen und inhaltlich verknüpfen können sollte. Der Prototyp wurde im vergangenen Jahr auf der Cebit präsentiert.
Analysten schätzten das Marktvolumen für derartige intelligente Knowledge-Management-Lösungen allein in Deutschland auf annähernd 700 Millionen Euro, schrieb seinerzeit die Berliner Morgenpost. „Unsere Zielgruppe sind die Top 500 Unternehmen und der gehobene Mittelstand“, warf sich Aidos-Chef Heinz-Peter Utz in die Brust. Als erste Nutzer präsentierte er unter anderen das Fraunhofer-Institut und die Bundesagentur für Arbeit. Daß auch Nachrichtendienste weltweit und Landeskriminalämter Interesse an dem Programm geäußert hätten, wollte er nicht bestätigen.
Die hochkarätigen Nutzer nutzten nicht viel. Kurz nach der Notierungsaufnahme im März und Kaufempfehlungen durch die Börsenbriefe „Global Investors“ und den „Pennystock-Report“ teilte Aidos am 3. Mai lapidar mit, Insolvenz angemeldet zu haben.
Wir freuen uns auf Bintec
Dann doch lieber Bintec. Da hat sich zwar seit dem im Juli erfolgten Antrag auf Anhebung des Insolvenzverfahrens nicht viel getan (Zocker-Report: Skandale, Licht und Bier), aber immerhin ist der Kurs in diesem Monat um 96 Prozent gestiegen.
Wie sagte doch der französische Börsenphilosoph Jerobeam Anfang des 20. Jahrhunderts: „Der Kleine glimmt nicht mehr, der Kleine ist begraben. Er schläft auf dem Kirchhof der feuchten Füße, der die große Totenstadt der Aktiengesellschaften ist. Aber da die Hoffnung göttlichen Ursprungs und folglich unsterblich ist, glimmt der Kleine noch wieder auf.“
Ansonsten aber war der September ein Monat der Überraschungen. Die größte davon: Unter den Highflyern befinden sich erstaunlich wenig Konkurswerte, sondern sogar Unternehmen mit richtigem Umsatz.
Auch die Aktien von Marbert zeigten sich stark. Indes waren die Ergebnisse des Unternehmens eher schreckenerregend. (Marbert-Aktie trotzt der Schwerkraft der Ergebnisse) Warum die Aktie trotzdem um 72 Prozent stieg? Wer weiß das schon so genau?
Schwarze Zahlen für Maxdata?
Und noch ein Unternehmen, das in den vergangenen Jahren bei den Anlegern nicht so recht für Freude sorgte, verwöhnte seine Anteilseigner mit satten Kursgewinnen. 73 Prozent legte die Aktie der Maxdata zu.
Während der Computerhersteller im ersten Halbjahr noch einen Verlust von 30 Millionen Euro hinnehmen mußte, rechnet das Unternehmen für die zweite Jahreshälfte mit einem leichten Plus. Das ändert zwar am Jahresverlust von prognostizierten 25 Millionen Euro wenig, aber es ist ja ein Anfang. Beitragen sollen zu schwarzen Zahlen im kommenden Jahr bereits im Frühjahr geplante Umstrukturierungen.
Schon am Sonntag verlieren mit 125 Mitarbeitern am Stammsitz in Marl und 105 in der Zweigstelle Würselen immerhin rund ein Fünftel der bisher Beschäftigten ihre Arbeitsstelle. Zudem will Maxdata das Produktportfolio deutlich verkleinern und setzt auf neue Business PCs mit Intels vPro-Technologie mit Dual-Core-Prozessoren.
Nichts geht über ein Gerücht
Der guten Stimmung war auch nicht abträglich, daß Geschäftsführer Marcus Adä, der erst zum 1. Januar zu Maxdata gekommen war, um das Unternehmen wieder auf Vordermann bringen wollte, zum 1. November zu Ingram Micro wechselt. Sein Wechsel habe nichts damit zu tun, daß er nicht an den Aufschwung bei Maxdata glaube, beeilte er sich dem Branchendienst Computerpartner Online zu versichern.
Das liegt daran, daß sich seit Mitte August hartnäckig das Gerücht hält, Karstadt-Quelle wolle Maxdata übernehmen. Begründet wird dies damit, daß Maxdata-Gründer und Großaktionär Holger Lampatz seit kurzem im Aufsichtsrat des Handelskonzerns sitzt. Lampatz mache sich nun für den Einstieg stark.
Nun sind schon die seltsamsten und sinnlosesten Übernahmen geschehen und nicht einmal hat sich ein Unternehmen an einer Übernahme verhoben. Aber ob sich Karstadt-Quelle wirklich einen Gefallen mit einer solchen Übernahme täte?
Es geht auch mit guten Zahlen
Da stimmt es doch am Ende versöhnlich, daß eine ganz andere Aktie voranstürmt, nämlich die der Hansen Sicherheitstechnik, die im Geschäft mit explosionsgeschützten Elektroanlagen für den Bergbau tätig ist. Nachdem das Unternehmen Anfang des Monats einen überraschend guten Jahresabschluß vorlegte (Aktie von Hansen Sicherheitstechnik preiswert, aber riskant), legte die Aktie insgesamt 96 Prozent zu.
Mittlerweile hat das Papier jedoch Bewertungen mit KGVs von zwölf für das laufende und 10,7 für das kommende Jahr erreicht. Angesichts der Volatilität des Geschäfts des kleinen Spezialisten scheint das auch genug.
Mehr Phantasie bitte
Fionn Huber (fionn)
- 30.09.2006, 13:19 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |