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Zocker-Report Geschlossene Fonds machen „glücklich“

03.03.2006 ·  Hoffnungen sind es, die auch im Februar im breiten Markt einige Werte auf schwindelerregende Höhen trieben. Vor allem das Geschäft mit geschlossenen Fonds scheint es den Spekulanten angetan zu haben.

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Konservative Anleger schwören immer wieder auf Immobilien. Aktien sind ihnen viel zu riskant. Und irgendwie scheint das auf die Spekulanten am Rande des Aktienmarktes abgefärbt zu haben. Jedenfalls standen im Februar Immobilien-Aktien im breiten Markt hoch im Kurs.

179 Prozent legten die Stammaktien der Deinböck Immobilien zu und auf immerhin 140 Prozent brachten es die Vorzüge. Zu den großen Gewinnern zählte auch das Papier der Deutschen Immobilien-Holding (DIH) mit einem Plus von 85 Prozent.

Daimler-Chrysler und die DIH

Nichts liegt näher, als den Kursanstieg mit der aktuellen Diskussion um die Zulassung von REITs in Deutschland in Verbindung zu bringen. Tatsächlich war dies auch einer der Gründe, weswegen im Januar der Kurs der Sibra Beteiligungs-AG anstieg, eines mehrheitlich zur Immobiliengesellschaft IVG gehörenden Mantels. Angeblich wolle die IVG nach Zulassung die Sibra zu einem REIT umwandeln.

Doch die aktuellen Spekulationen sehen anders aus. Viel Wind gab es bei der DIH vor allem durch den Erwerb der Daimler-Chrysler Services Structured Finance (DCSSF), die jetzt Deutsche Fonds Holding heißt und künftig hauptsächlich geschlossene Deutschland-Immobilienfonds initiieren wird.

Für die Rechner unter den Spekulanten bedeutet das, daß die DIH, ehemals Steucon Grundbesitz- und Beteiligungs-AG, vormals Norddeutsche Woll- und Kammgarn Industrie, klar unterbewertet sein muß. Schließlich hat die DCSSF seit 1993 Beteiligungsprojekte mit einem eingeworbenen Eigenkapital von 3,3 Milliarden Euro und einem Gesamtinvestitionsvolumen von 11,7 Milliarden Euro aufgelegt.

Mehr Fragen als Antworten

Da werden schnell Analogieschlüsse zum Marktführer MPC gezogen. Weniger interessiert die Frage, warum Daimler-Chrysler, die zuletzt vor allem im Services-Bereich Geld verdienten, gerade jetzt verkauft. Auch die trüberen Zukunftsaussichten für geschlossen Immobilienfonds, insbesondere mit Anlageschwerpunkt Deutschland, die MPC erst vor kurzem bestätigt hat, finden kaum Beachtung.

Unklar ist auch, ob es in den diversen Fondsprojekten der DCSSF nicht etwa Wertberichtigungsbedarf gibt, wie es gerade erst die Anleger offener Immobilienfonds wieder leidvoll erfahren mußten. Zwar scheint die Marktkapitalisierung der DIH von 44,25 Millionen Euro auch dann dem Wert der DCSSF nicht zu entsprechen. Aber wie ein Unternehmen, das zuletzt 7,72 Millionen Euro an Eigenkapital auswies, dann die DCSSF kaufen konnte, bleibt auch offen.

Die DIH trennt sich derzeit von Bestandsimmobilien und bestandshaltenden Beteiligungen aus ihrer Zeit als überregional tätiger Immobiliengesellschaft. Indes war sie da nicht sonderlich erfolgreich. Zumindest wollte die DIH mit der vor einem Jahr erfolgten Umbenennung laut Vorstand Werner Uhde, „die Schatten, die sich durch das Insolvenzverfahren über der Steucon gebildet hätten, hinter sich lassen“. Durch das Verfahren sei der Name negativ besetzt.

Kurstreiber Schweigen

Dennoch das Geschäft mit geschlossenen Fonds scheint ein Reizwort zu sein, was sich nicht zuletzt darin zeigen mag, daß sowohl die Aktie des Windpark-Projektierers Energiekontor im Februar 131 Prozent zulegte (Spekulationen treiben Aktie von Energiekontor) als auch die der im Emissionshaus EECH aufgehenden Biltrain um 84,7 Prozent (Mantel-Spekulation treibt Biltrain-Aktie in die Höhe).

Insgesamt erscheint ein Engagement bei der DIH also ein Spiel mit hohem Risiko zu sein - noch mehr bei der Deinböck. Wen schon stört, daß sich auf der Website der DIH wichtige Bereiche „in Überarbeitung“ befinden, der wird bei Deinböck erst recht unglücklich. Hier ist die gesamte Präsenz in Überarbeitung.

2004 gab es eine Hauptversammlung, auf der das Grundkapital herabgesetzt wurde. Laut Vorstand stand damals „alles zum Verkauf“. Die Gesellschaft hatte schwere Liquiditätsengpässe. Es gab Rechtsstreitigkeiten mit atypischen Gesellschaftern und am Ende wurden Vorstand und Aufsichtrat nicht entlastet. Aber wie heißt es so schön in einem Diskussionsforum: „Warum sollte ein Unternehmen eine neue Homepage einstellen, wenn es nicht ganz klar etwas zu vermelden hat?“ Ja, warum eigentlich?

Das Schweigen im Walde herrscht auch bei der Düsseldorfer Beteiligungen Dübag, die es im Februar auf ein Plus von 83 Prozent brachte. In der Vergangenheit jedenfalls machte das Unternehmen auf unrühmliche Weise Furore. So wurden auf der Hauptversammlung 2001 Aktionäre nicht eingelassen, weil das Unternehmen trotz Abmahnungen durch die Depotbanken keine Eintrittskarten übersandt hatte.

Von erfüllten und trügerischen Hoffnungen

Selbst der nicht als konservativ bekannte „Nebenwerte Insider“ urteilte zuletzt vor einem Jahr „Undurchsichtiges Firmengeflecht, früher regelrechter 'Beteiligungs-Verschiebe-Bahnhof', in Wirklichkeit kein echtes operatives Geschäft vorhanden. Seit Monaten weder via Internet noch Telefon erreichbar.“ Das gilt bis heute für die Website, die als „frei“ geführt wird.

Offenbar hoffen auch hier einige Anleger auf Wiederbelebung. Das brachte auch einige andere Aktien auf Vordermann. Manchmal war es nur eine trügerische Hoffnung, wie bei Sachsenring (plus 96 Prozent, Aufschwung der Sachsenring-Aktie ohne Basis), manchmal auch mit mehr Berechtigung (plus 93,5 Prozent, Albis haucht Intertainment-Aktie Leben ein), manchmal mit Hoffnungen, die sich erfüllten (plus 75,7 Prozent, Kuriose Kurskapriolen bei Leica Camera-Aktien).

Wie oft solche Hoffnungen trügerisch sind, zeigt dagegen die Verliererliste des Monats, auf der sich einige Gewinner früherer Monate finden: die Valarte Group verlor 98,9 Prozent (September plus 123 Prozent, Turn-Arounds ziehen Kurse nach oben), die Gontard & Metallbank 64,6 Prozent (August plus 134 Prozent, Aktie der Gontard & Metallbank steigt nach Bericht über Reaktivierung) und die Mauser-Waldeck 58,33 Prozent (August plus 100 Prozent, Oktober plus 208 Prozent und November 58 Prozent, Konkurs-Aktien hoch im Kurs). Wie gewonnen, so zerronnen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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