02.06.2006 · Auch Zocker stehen auf Immobilien, zeigte der Monat Mai. Die Art und Weise ist aber sehr unterschiedlich - und nicht immer sehr einleuchtend.
Immobilien gelten gemeinhin als konservative, wertstabile Anlage und darum als beste Altersvorsorge. Zocker gelten dagegen als Menschen, die auf jede kleine Spekulation aufspringen, Haus und Hof auf Zeitungsenten verwetten und überhaupt als Hasardeure. Simple Weltsichten zwar, aber nicht ohne Wahrheitsgehalt.
Was passiert, wenn Zocker auf Immobilienstories aufspringen, zeigt die - aufgrund der Marktbedingungen nicht sehr üppige - Liste der Kursgewinner des Mai im breiten Markt. An der Spitze finden sich wieder ein paar der üblichen Verdächtigen, allen voran die Aktie des sattsam bekannten, insolventen Büromittelherstellers Mauser-Waldeck mit einem Plus von 244 Prozent auf 27,50 Euro. Eine Marktkapitalisierung von 16 Millionen Euro muß man nach vier Jahren Pleite auch erst einmal zusammenbringen.
Informica.de notiert (vielleicht) unter Buchwert
Wie die Goldmedaille geht auch Silber an den gleichen Kandidaten wie im April: Infomatec bringt es auf 212 Prozent Plus. Bis zu den Kurshöhen von Mauser-Waldeck ist bei 76 Cent noch etwas Luft. Neuigkeiten gibt es keine - wozu auch. Nach inoffiziellen Meldungen (man könnte es auch Gerüchte nennen) war im vergangenen Oktober noch nicht einmal der Insolvenzplan freigegeben.
Auf Platz drei nach einem Monat Pause ist mit einem Plus von 196 Prozent auf 7,80 Euro wieder mal die Informica.de. Und da haben wir die erste Immobilienspekulation. Denn nachdem der Geschäftszweck vor einigen Monaten auf das Immobilien-Geschäft umgestellt wurde dabei von 350.000 auf 3,85 Millionen Euro erhöht. Mit den vorhandenen Mitteln sollen jetzt renditestarke Immobilien angekauft werden.
Indes stellt sich die Informica im Mai anders dar als noch im März. Damals war das Unternehmen noch mit rund neun Millionen Euro bewertet. Die Höhe der liquiden Mittel war unbekannt, die Kapitalerhöhung noch nicht durchgeführt. Seitdem ist der Kurs um 70 Prozent gefallen und bei einer Marktkapitalisierung von 2,9 Millionen Euro notiert die Aktie unter dem vermutlichen Kassenbestand. Genaueres weiß man indes nicht und auch die „renditestarke Immobilien“ wollen erst einmal erworben sein.
RWL: Börsenmantel wird „gehegt und gepflegt“
Eine Immobilienspekulation ist auch die schon die RWL Verwaltungs- und Beteiligungs-AG, die einst noch als Wilkens Bremer Silberwaren 1995 in Insolvenz ging, aber schon seit 2001 RWL heißt. Laut Geschäftsbericht 2004 wies die Gesellschaft noch einen ungedeckten Fehlbetrag von rund 135.000 Euro aufgrund aufgelaufener Verluste aus.
Mehrheitsaktionär ist die Rheinische Grundbesitz AG, einer Holding, deren Töchter Gewerbeimmobilien im Inland und europäischen Ausland entwickeln, aufbauen und verwalten. Diese Immobiliengruppe besteht seit 25 Jahren, ihre unternehmerischen Anfänge reichen bereits über 100 Jahre zurück..
Was die RWL betrifft, so „hege und pflege man den Börsenmantel“, heißt es bei der Rheinischen Grundbesitz. Das nächstliegende Ziel der RWL ist laut Geschäftsbericht „die Aufbringung des notwendigen Gesellschaftskapitals“.Es sei beabsichtigt, diese Maßnahme dann in Gang zu setzen, wenn und sobald dies aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten für vertretbar gehalten wird. Operative Pläne gebe es für die RWL derzeit nicht.
Erste stimmige REIT-Spekulation
Die gibt es dagegen für die Dolerit-Basalt, die sich als Immobiliengesellschaft in Liquidation befindet (Schlechte alte Bekannte) Hier hat die DRB Beteiligungs GmbH & Co. KG, die die Liquidation aufheben und die Gesellschaft als Immobilien-Aktiengesellschaft fortführen will, am 18. Mai das lang erwartete Übernahmeangebot für die im Streubesitz befindlichen Aktien vorgelegt.
Das belief sich zwar nur auf 4,67 Euro, doch der Kurs stieg im Mai um 60 Prozent auf 11,70 Euro. Denn die Dolerit soll künftig Deutsche REIT heißen und nach Zulassung derselben in einen solchen umgewandelt werden. Daher rechnen viele Spekulanten darauf, mit einem künftigen REIT besser zu verdienen als durch das Angebot. Das vermag zwar niemand zu beurteilen, aber einen Versuch ist es ja wohl wert.
Den umgekehrten Weg scheint dagegen die einst nach Geldwäsche-Vorwürfen in der Versenkung verschwundene St. Petersburg Immobilien- und Beteiligungs-AG (SPAG) zu gehen. Seit dem Jahr 2000 ermitteln deutsche Behörden, die vermuten, das Unternehmen diene oder habe als Geldwaschanlage der Russen-Mafia gedient. Größere Geldsummen seien aus Rußland über eine Vielzahl von internationalen Konten geschleust und für Kapitalerhöhungen genutzt worden. Als Immobilieninvestitionen getarnt seien sie nach Rußland zurückgeflossen.
Auflösungstendenzen bei der SPAG
Die Geschäftstätigkeit des Unternehmens wurde durch die Ermittlungen laut Geschäftsbericht stark gelähmt. Es sei zu Notverkäufen gekommen, Projekte hätten nicht angefangen werden können.
Im Geschäftsjahr 2005 verzeichnete das Unternehmen daher einen Verlust von 5,7 Millionen Euro, aufgrund dessen sich das Eigenkapital von 34 auf 28,3 Millionen Euro verminderte. Im Geschäftsbericht teilte das Unternehmen daher mit: „Inwiefern eine weitergehende Aufrechterhaltung des SPAG-Geschäftsbetriebes über das Jahr 2007 hinweg sinnvoll ist, muß aus der Würdigung der Gesamtumstände insbesondere in Bezug auf das laufende Geldwäscheverdachtsermittlungsverfahren entschieden werden.“ 2007 soll noch eine Büroimmobilie verkauft werden.
Es macht aber den Eindruck, daß eine Auflösung der SPAG schon beschlossene Sache ist. Denn Grund für den Sprung des Aktienkurses um 55 Prozent auf 4,65 Euro ist der Plan des Unternehmens, die bedingte Kapitalrücklage an die Aktionäre auszuschütten. Dies wären je Aktie 4,90 Euro. Am meisten würde davon der Großaktionär Baader profitieren, der zuletzt rund 36 Prozent an der SPAG hielt. Gegenüber dem Anlegermagazin Börse Online wollte Nico Baader aber auch einen Verkauf der Beteiligung im Vorfeld nicht ausschließen.
Sonnenschein im Schwarzwald
Aufgelöst hat sich die Wohnbau Schwarzwald dagegen schon lange, sieht man vom Börsenmantel ab. 1999 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, nachdem man sich mit Projekten in den neuen Bundesländern die Zukunft verbaut hatte. Das ehemalige Immobilienunternehmen leidet immer wieder unter Wiederbelebungsspekulationen.
Diesmal scheint wohl die Sonne ein wenig zu heftig im Schwarzwald. Denn, so die Spekulation, der Firmensitz der Wohnbau Schwarzwald werde ja vom Großaktionär Allerthal-Werke mit Freiburg angegeben. Der Firmensitz war aber ursprünglich in Zell am Harmersbach.
Nun könne das ja kein Zufall sein. In Freiburg aber ist die Solarsiedlung GmbH ansässig. Deren kaufmännischer Projektmanager war zumindest der angeblich inzwischen verstorbene Heinz Hug, der wiederum lange Jahre Vorstandsvorsitzender der Wohnbau Schwarzwald war. Fertig ist die Mantelspekulation. Diese Spekulation ist so sehr an den Haaren herbeigezogen, daß einem die Worte fehlen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |