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Zertifikate Das Beste aus Alpha und Beta

15.05.2007 ·  Viele Alpha-Zertifikate haben in den vergangenen Wochen enttäuscht. In der Hausse sind Anleger mit Beta, der Marktrendite, schließlich besser bedient. Jetzt kommt Merrill Lynch mit einer interessanten Kombination von Alpha und Beta.

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In den vergangenen Monaten gab es ganz klar ein Trendthema auf dem Zertifikatemarkt: Alpha-Produkte. Mit diesen Papieren wetten Anleger zum Beispiel darauf, dass sich ein Index besser entwickelt als ein anderer. Ein solches Investment gilt als „marktneutral“, weil die Rendite nicht von der Richtung an den Aktienmärkten abhängt, sondern nur von der Entwicklung zweier Kurse.

Für Anleger, die keine steigenden Aktienkurse erwarten, können solche Lösungen attraktiv sein, versprechen sie doch einen Gewinn in jeder Marktphase. Doch viele dürften inzwischen von ihren Alpha-Zertifikaten enttäuscht sein: Zum einen laufen die Aktienkurse unbeirrt nach oben - den Anlegern wäre derzeit wohl die Marktrendite „Beta“ lieber. Zum anderen wurde in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich, dass vermeintlich sichere Alpha-Wetten nicht immer aufgehen müssen (siehe auch: Anleger dürfen von „Alpha“ nicht zu viel erwarten).

Outperformance in der Vergangenheit hilft nicht

Ein schönes Beispiel dafür ist der Europe-1-Index von Merrill Lynch. Dieser Index bildet das Aktienresearch der Investmentbank ab. Seit Auflage hat der Index zum Beispiel den Dax deutlich geschlagen, obwohl bei der Berechnung des Europe-1 im Gegensatz zum Dax auf eine Berücksichtung der Dividenden verzichtet wird.

Doch die Outperformance der Vergangenheit hilft in der Gegenwart nicht viel. Das zeigt sich etwa am Kurs des Alpha-Express-Zertifikates auf den Europe-1, das im Juli vergangenen Jahres aufgelegt wurde und inzwischen bei nur noch gut 80 Prozent notiert. Anleger erwartet ein attraktiver Kupon von mindestens sieben Prozent im Jahr - aber nur, wenn der Europe-1 den Dax schlägt (Isin DE000A0JW906).

„Derzeit ist der Dax kaum zu schlagen“

Jürgen Bulling, Direktor für strukturierte Produkte bei Merrill Lynch in London, erklärt gegenüber FAZ.NET das aktuell schlechte Abschneiden des Europe-1-Index: „Derzeit ist der Dax kaum zu schlagen. Aber warten Sie mal ab. Die Erfahrung zeigt, dass der Dax sehr volatil ist. In einer Korrekturphase kann er ganz schnell zum schwächsten Index werden.“ Der Europe-1-Index habe immer mal wieder Phasen, in denen er hinter dem Dax zurückbleibe. „Langfristig zeigt er aber eine deutliche Outperformance“, sagt Bulling.

Für die Inhaber der Alpha-Zertifikate auf den Europe-1 bleibt zu hoffen, dass der Index seine Stärke bald wieder ausspielen wird. Doch Merrill Lynch hat ohnehin längst reagiert und die Alpha-Idee weiterentwickelt.

Interessante Kombination von Alpha und Beta

Derzeit sind Zertifikate in Zeichnung, die eine interessante Kombination von Alpha und Beta versprechen: Beim Alpha-Beta-Gewinner-Zertifikat (Isin DE000ML0BUN9) tritt der Dow Jones Stoxx Select Dividend 30 Index gegen den Dax an. Am Ende der vierjährigen Laufzeit bekommt der Anleger Alpha oder Beta zurück - je nachdem, welcher Wert für ihn besser ist.

Alpha entspricht dabei der Outperformance des Select Dividend gegenüber dem Dax. Beta steht für die Wertentwicklung des Select Dividend, der die Kursentwicklung von 30 dividendenstarken europäischen Unternehmen spiegelt. Analog konstruiert ist das DivDax-Gewinner-Zertifikat (Isin DE000ML0BZ88). Die Laufzeit bei diesem Produkt erstreckt sich allerdings über viereinhalb Jahre, außerdem treten hier die 15 dividendenstärksten deutschen Standardwerte gegen den Dax an.

Kein Kapitalschutz

Am Laufzeitende vergleicht Merrill Lynch, ob der Wertzuwachs des jeweiligen Dividenden-Index größer ist oder die Outperformance des Index im Vergleich zum Dax. Verlieren kann der Anleger nur, wenn der Trend am Aktienmarkt nach unten zeigt und sich gleichzeitig die Kurse der dividendenstarken Werte schlechter entwickeln als der breite Markt.

Das darf als einigermaßen unwahrscheinlich gelten. Schließlich halten sich dividendenstarke Titel in fallenden Märkten in der Regel besser als andere Aktien. Die Chancen sollten also gut stehen, dass die entsprechenden Indizes auch in künftigen Baissephasen Alpha erwirtschaften.

Trotzdem: Die Zertifikate bieten keinen Kapitalschutz. Das hat aber auch sein Gutes. Kursgewinne sind - zumindest der aktuellen Rechtslage zufolge - nach der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei.

Dividendenstrategie ohne Dividenden

Die Zertifikate sollen den Wunsch vieler Privatanleger erfüllen, die sich in steigenden Märkten Beta wünschen und in fallenden Märkten nach einem stabilen Alpha sehnen. „Der Anleger ist weitgehend marktneutral investiert, ohne auf das Potential des Aktienmarktes zu verzichten“, sagt Bulling.

Die Rückrechnung zeigt, dass diese Strategie in der Vergangenheit aufgegangen wäre: Beim DivDax-Gewinner-Zertifikat ergibt sich eine durchschnittliche Rendite von 7,1 Prozent im Jahr, beim Alpha-Beta-Gewinner-Zertifikat beträgt sie sogar 14,4 Prozent (siehe Grafiken).

Finanziert wird der Mechanismus hinter den Zertifikaten mit den Dividenden, auf die die Anleger verzichten. Sie müssen sich im Klaren darüber sein, dass sie an einer Dividendenstrategie ohne Dividenden teilnehmen, denn Select Dividend sowie DivDax treten jeweils als Kursindex gegen den Dax-Performance-Index an. Dafür fallen für die Zertifikate keine Managementgebühren an.

DivDax: Höheres Beta, geringeres Alpha

„In Hausse-Phasen läuft der DivDax ohne Dividende weitgehend parallel zum Dax“, hat Bulling beobachtet. „In der Baisse dagegen hält sich der DivDax besser. Die Dividende wirkt dann als Kursstütze.“ Der Stoxx Select Dividend hinke als Kursindex dem Dax in einem Bullenmarkt zwar hinterher, dafür falle die Outperformance im Bärenmarkt aber auch höher aus.

So erklärt Bulling auch den Unterschied zwischen beiden Zertifikaten: „Die Korrelation des Dax zum DivDax und Dax ist natürlich höher als die zum Stoxx Select Dividend. Beim DivDax-Gewinner-Zertifikat kann der Anleger darum mit einem höheren Beta rechnen, muss aber auch ein geringeres Alpha in Kauf nehmen.“

Kurs entspricht nicht unbedingt dem Auszahlungsprofil

Die Zeichnungsfrist für das Alpha-Beta-Gewinner-Zertifikat läuft noch bis 11. Juni, der Ausgabeaufschlag beträgt bis zu 2,5 Prozent. Das DivDax-Gewinner-Zertifikat können Anleger vom 18. Mai bis 29. Juni zeichnen, der Ausgabeaufschlag beläuft sich auf höchstens zwei Prozent.

Wer zunächst nur den Kurs der Zertifikate beobachten will, kann später im Frankfurter und Stuttgarter Freiverkehr zugreifen. Erfahrungsgemäß geben schließlich einige komplex konstruierte Zertifikate nach der Emission erst einmal nach und ermöglichen so einen Einstieg zu niedrigeren Kursen (siehe auch Zertifikate als Zerobond mit kleinem Extra und Bei manchem Zertifikat lohnt der spätere Einstieg).

Anleger dürfen ohnehin nicht damit rechnen, dass der Kurs während der Laufzeit dem Auszahlungsprofil entspricht. Darum eignen sich die Zertifikate nur für Investoren, die in den kommenden Jahren nicht auf das investierte Geld angewiesen sind. Außerdem wird spannend sein zu beobachten, wie die Konkurrenz auf die jüngste Innovation von Merrill Lynch reagiert. Gut möglich, dass sie schnell mit ähnlich konstruierten Produkten nachzieht, wie das in der Vergangenheit häufig der Fall war. Das bietet dem Anleger mehr Auswahl - und die Möglichkeit zum Vergleich der Konditionen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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25.05.2012 17:45 Uhr
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Dax 6.339,94 +0,38%
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25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
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