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Bankmanager im Gespräch : Zu viele Banken in Europa

Xavier Musca studierte an der Elitehochschule Ena und arbeitete als Generalsekretär des Elysée-Palasts unter dem damaligen Präsident Sarkozy. Bild: AFP

„Die EZB hat recht: Es gibt zu viele Banken in Europa“, sagt der französische Bankmanager Xavier Musca. Er sieht jedoch Hindernisse für Fusionen und Übernahmen.

          Xavier Musca erinnert der europäische Bankenmarkt an Frankreich vor ein paar Jahrzehnten, als es dort ähnlich viele Banken gab wie heute in Deutschland. In mehreren Konzentrationswellen hat sich die Zahl der französischen Banken erheblich reduziert; heute wird die Branche von wenigen großen Häusern dominiert.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          „Die Europäische Zentralbank hat recht“, findet Musca. „Es gibt zu viele Banken in Europa.“ Nach Ansicht des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der französischen Großbank Crédit Agricole werden in Ländern mit einer heute noch zersplitterten Bankbranche wie Deutschland ähnliche Prozesse ablaufen. „Das Bankgeschäft ist wesentlich durch Fixkosten geprägt, und das begünstigt eine Konzentration“, sagt Musca in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

          Gleichzeitig räumt Musca allerdings ein, dass die gegenwärtig geringe Rentabilität vieler Banken in Europa Zusammenschlüsse erschwere. Eine zumindest kurzfristige Belastung sei mit der digitalen Revolution verbunden: „Die Ertragslage der Banken wird kurzfristig auch durch die hohen Ausgaben für Informationstechnologie belastet. Viele Banken müssen viel in die IT investieren, aber die Erträge werden erst in ein paar Jahren sichtbar.“ Zudem dauerten Fusions- und Übernahmeprozesse häufig lang, und die zahlreichen Regulierungen erschwerten Zusammenschlüsse ebenso wie ungelöste Altlasten; darunter zahlreiche faule Kredite in den italienischen Banken.

          Aus Sicht des Franzosen sind Zusammenschlüsse dann einfacher zu bewerkstelligen, wenn es den Banken gutgeht. Sei ein Zusammenschluss aber mit unangenehmen Kostensparmaßnahmen wie Filialschließungen verbunden, werde es komplizierter.

          Die Banken und die Geldpolitik

          Der Franzose hat eine höchst erfolgreiche Karriere in der Verwaltung hinter sich, ehe er in die Crédit Agricole eintrat. Er hat Elitehochschulen wie die Ena absolviert, einflussreiche Positionen im Finanzministerium wahrgenommen und später als Generalsekretär des Elysée-Palasts unter dem früheren Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy Einblick in die wichtigsten Staatsgeschäfte gewonnen.

          Auch mit der Geldpolitik kam der heute 56 Jahre alte Musca immer wieder in Berührung, und derzeit beschäftigen ihn nicht zuletzt die Folgen der Geldpolitik für die Finanzbranche. Zunächst warnt er vor einer Anmaßung von Wissen, die auch in Geldhäusern immer wieder zu beobachten ist. „Die Banken haben nicht zu entscheiden, was eine gute Geldpolitik ist“, konstatiert der Franzose nüchtern. „Ich kann auch nicht erkennen, ob der Saldo aller geldpolitischen Maßnahmen positiv oder negativ ist.“

          Daraus folgt aus seiner Sicht aber nicht, dass die Banken vor der EZB in Ehrfurcht erstarren sollten: „Wir können der EZB aber sagen: Es ist eure Aufgabe, den Zusammenhang zwischen der Geldpolitik und den Banken zu sehen. Und eure Zinspolitik fängt an, uns weh zu tun.“ Den Währungshütern bescheinigt Musca einen Lernprozess. „Die EZB ist von Deflationsangst getrieben worden. Die Kosten einer sehr lockeren Geldpolitik für die Banken waren anfangs nicht das Kernthema der EZB“, sagt der Banker, der auf die schweren wirtschaftlichen Lasten der Euro-Krise besonders für die südeuropäischen Volkswirtschaften verweist.

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