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Börsenwoche : Das Warten auf neue Zinssignale aus Amerika

  • Aktualisiert am

Amerikas Notenbankchefin Janet Yellen hat zuletzt eine Zinserhöhung signalisiert - nur wann? Bild: Reuters

In der neuen Börsenwoche dürften die Anleger erst einmal die Füße still halten. Nach dem Ende der Bilanzsaison rücken immer mehr Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten in den Fokus.

          Die Diskussion um den Zeitpunkt der erwarteten Zinserhöhung in Amerika wird die deutschen Aktienanleger diese Woche beschäftigen. In der alten Woche legte der deutsche Leitindex angetrieben durch steigende Ölpreise und Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung in den Vereinigten Staaten noch um knapp vier Prozent auf 10.280 Punkte zu. Amerikas Notenbankchefin Janet Yellen hatte am Freitag nach Börsenschluss in Europa unter anderem gesagt, eine Zinserhöhung sei "in den kommenden Monaten angemessen". James Bullard, der Chef Federal Reserve von St. Louis betonte, "mein Eindruck ist, dass die globalen Märkte gut auf eine mögliche Zinsanhebung vorbereitet sind. "

          Neben der Fed-Politik richten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf die die Daten zum Geschäftsklima in der Euro-Zone  und die Verbraucherpreise für Deutschland. Die Märkte in London und in Amerika bleiben dagegen am Montag feiertagsbedingt geschlossen An der Wall Street hatten sich die Indizes am Freitag nach Börsenschluss in Deutschland kaum bewegt. Der Dow Jones beendete die Sitzung 0,3 Prozent und der Nasdaq 0,7 Prozent höher. Der S&P 500 gewann 0,4 Prozent. In Tokio stieg der Nikkei-Index am Montag um 1,1 Prozent auf 17.015 Punkte. Der Shanghai Composite blieb fast unverändert bei 2822 Zählern.

          Da der viel beachtete Arbeitsmarktbericht aber erst für Freitag auf dem Zettel steht, wird sich am deutschen Aktienmarkt nach Ansicht von Experten bis dahin kaum etwas tun. „Der Dax wird mehr oder weniger auf der Stelle treten", ist sich Aktienstratege Tobias Bässe von der NordLB sicher. „Der  Fokus liegt ganz klar auf der Geldpolitik und den Wirtschaftsdaten in Amerika“. Vom amerikanischen Arbeitsmarktbericht erhoffen sich Investoren Hinweise darauf, ob die Notenbank Fed die Zinsen bei ihrer Sitzung am 15. Juni anheben wird. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem Stellenaufbau von 170.000. „Der Mai-Bericht dürfte trotz des geringeren Stellenzuwachses das positive Bild des Arbeitsmarktes bestätigen", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

          Auch die Konsumausgaben (Dienstag) und den Fed Konjunkturbericht „Beige Book" (Mittwoch) werden Investoren auf mögliche Auswirkungen auf die Geldpolitik Amerikas abklopfen. Immer mehr Börsianer rechnen mit einer weiteren Anhebung der Leitzinsen in den Vereinigten Staaten im Juni oder Juli. Äußerungen von zahlreichen Fed-Vertretern gaben den Spekulationen in den vergangenen Tagen neue Nahrung. Den deutschen Aktienmarkt dürfte eine Anhebung der amerikanischen Zinsen in Schwung bringen. „Eine Normalisierung des Zinsniveaus führt dazu, dass der Euro tendenziell unter Druck gerät, was wiederum den exportorientierten Firmen zu Gute kommt", sagt Analyst Bässe.

          Keine großen Neuigkeiten erwarten Anleger bei der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Am Leitzins oder dem Volumen des Wertpapier-Ankaufprogramms werden die Währungshüter Experten zufolge kaum rütteln. Sie erhofften sich aber Aussagen über den Start-Zeitpunkt für den Ankauf von Unternehmensanleihen. Interessant seien auch die Wachstums- und Inflationsprognosen. Eine Indikation für Letzteres könnten die europäischen Verbraucherpreise am Dienstag liefern.

          Immer mehr in den Fokus rücken die Sorgen vor einem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union. "Die Unsicherheit über den Brexit bleibt ein Prognosenrisiko", sagt Anlagestratege Christian Kahler von der DZ Bank. Die Briten stimmen am 23. Juni über den Verbleib ihres Landes in der EU ab. Umfragen zufolge läuft es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen beiden Lagern hinaus.

          Bei den Unternehmen richten sich alle Augen auf Volkswagen. Der skandalerschütterte Autobauer liefert am Dienstag seine Ergebnisse für das erste Quartal. Börsianer werden vor allem auf die Höhe der Rückstellungen im Zusammenhang mit der Affäre um manipulierte Abgastests schauen. Eine offene Frage sei auch, ob die Wolfsburger ihre Fahrzeuge mit hohen Rabatten verkaufen müssen und dadurch die Gewinnmarge leidet. Aktuelle Zahlen zu Neuzulassungen im Mai aus Amerika (Mittwoch) und Deutschland  (Donnerstag) geben Hinweise darauf, ob VW weitere Marktanteile verloren hat.

          Quelle: casc/dpa-AFX

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