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Veröffentlicht: 27.04.2014, 15:29 Uhr

Dubiose Telefonverkäufer „Ich werde sie nicht enttäuschen“

Telefonverkäufer drehen Anlegern dubiose Aktien an. Die Spur führt von Nevada durch Südamerika in die Schweiz und von dort in den Balkan.

von
© dpa

Es war das Jahr 2000 - der Anfang vom Ende des Neuen Marktes hatte gerade begonnen. Auch an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq fielen die Aktienkurse. Am Endes des Jahres sollte es ein Minus von 50 Prozent sein. Das war auch ein Thema für die Filmindustrie. Ein noch unbekannter Vin Diesel übernahm die zweite Hauptrolle in „Boiler Room“, auf Deutsch: „Risiko - Der schnellste Weg zum Reichtum“. Hauptdarsteller Giovanni Ribisi verkauft in dem Streifen Aktien dubioser Unternehmen via Telefon an unwissende Privatleute, die damit abgezockt werden.

Martin Hock Folgen:

Alles nur Kino? Nein. Es ist einige Wochen her, dass sich ein „Dr. Andreas Burg“ von der Firma „Goldberg“ bei mir meldete. Er habe eine wunderbare Aktie für mich. Jetzt könne er mir noch nicht sagen, um welche es sich handle. Aber bald werde er mich anrufen und mir die Wertpapierkennnummer mitteilen. Aber er werde mich nicht enttäuschen: „Sie, Herr Doktor, können sich auf mich verlassen.“

Wenige Wochen später folgt ein weitere Anruf. Wieder kommen dieselben Formeln: „Sie, Herr Doktor, können sich auf mich verlassen.“ Und: „Ich werde Sie nicht enttäuschen.“ Gleichzeitig versucht Herr Burg, dem ich seinen Namen mittlerweile aufgrund des Akzents nicht so recht abnehmen mag, mir Informationen zu entlocken: Mache ich meine Bankgeschäfte selbst? Habe ich ein Online-Depot?

Mache ich meine Bankgeschäfte selbst?

Gut zwei Wochen später erfahre ich die Wertpapierkennnummer. Es handelt sich um die Gilax Corp. Mehr verrät mir Herr Burg nicht, der sich auch mal als Dr. Burg vorstellt. Nur das Wichtigste: Jetzt sei ein guter Zeitpunkt einzusteigen. In zwei, drei Monaten werde der Kurs „gut steigen“. Er sei seit 20 Jahren an der Börse, und er profitiere erst, wenn die Kunden „gut rausgekommen sind“. Er erhalte dann 4 Prozent Provision.

Was ist eigentlich Gilax? Der beredte „Dr. Burg“ wird schweigsam. Den Namen musste ich selbst nachschlagen. Gilax ist im amerikanischen Freiverkehr, am sogenannten Bulletin Board notiert, einem wenig regulierten Börsensegment, wo sich viele Start-ups und noch mehr Briefkastenfirmen finden. Die für Januar versprochene Zulassung zum Handel in Berlin steht noch aus. 2011 ist Gilax als Händler von Eisenbahnschwellen gegründet worden. Im Oktober hat die Seidenschnur Verwaltungs AG in der Schweiz 77 Prozent der Anteile zum Preis von 150 000 Dollar gekauft. Damals war das Unternehmen also keine 200 000 Dollar wert. Heute wird es mit 10 Millionen Dollar bewertet. Was ist seitdem geschehen?

Nun, kurz nach dem Verkauf stellten die neuen Herren die Gilax Corp. als Bergbaugesellschaft neu auf. Doch zwischen Gründung und Ende Januar dieses Jahres gab es keinen Umsatz und 120 087 Dollar Verlust. Da kann nicht viel geschehen sein. Zum 31. Januar betrugen die Barmittel 276 Dollar, was auch die gesamten bilanzierten Vermögenswerte waren. So ist es übrigens seit Oktober 2013.

Den Internet-Seiten entnehme ich, dass Gilax Ende Januar mit „einem der bedeutendsten Bergbauunternehmen in Mexiko“ eine unverbindliche Absichtserklärung für die Ausbeutung einer Mine unterzeichnet hat und Anfang Februar eine weitere Absichtserklärung für eine Mine in Bolivien. Die Absichtserklärung für Mexiko ist laut Quartalsbericht am 31. März ausgelaufen. Für Bolivien läuft sie Anfang Mai aus. Alles Übrige, was auf den Internetseiten angekündigt wird, sind Pläne und Versprechungen.

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