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Wechselkurseffekt Euro-Schwäche begünstigt Auslandsanlagen

11.06.2010 ·  Viele Aktieninvestments außerhalb Europas erbringen durch den schwachen Euro eine höhere Rendite als in der jeweiligen Landeswährung. Die Erträge sind höher, die Verluste geringer. Der Währungseinfluss birgt aber auch Risiken.

Von Kerstin Papon
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Der Euro hat in den vergangenen sechs Monaten gegenüber vielen Währungen deutlich an Wert verloren. Zum amerikanischen Dollar und dem japanischen Yen hat Europas Gemeinschaftswährung seit Jahresbeginn um knapp ein Fünftel abgewertet. Am Freitag kostete ein Euro etwa 1,21 Dollar, zum Jahreswechsel waren es noch gut 1,44 Dollar. Die positive Seite dieses schwächeren Euro: Für Anleger, die ihr Geld in außereuropäischen Ländern investiert haben, zahlt sich dieser Kursrückgang in vielen Fällen aus. Die Erträge sind höher, Verluste fallen geringer aus. Dies gilt für Aktienanlagen in zahlreichen Staaten, wie auch für Investments in Fremdwährungsanleihen.

Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones beispielsweise hat in Dollar in diesem Jahr rund 2 Prozent an Wert verloren. Für einen Anleger aus dem Euro-Raum wird daraus ein Kursgewinn von gut 15 Prozent. Dieser Wechselkurseffekt schlägt auch bei Anlagen in vielen anderen Währungsräumen positiv zu Buche. Denn zum mexikanischen Peso, dem kanadischen Dollar oder dem südafrikanischen Rand hat der Euro gleichfalls stark an Wert eingebüßt.

Die Fondsanteile werden meist in Euro gehandelt

Und wie können Anleger an dieser Entwicklung teilhaben? Der einfachste Weg ist sicherlich der Kauf von Fonds oder Zertifikaten auf ausländische Aktien oder Indizes. Bei eigentlich jeder größeren Fondsgesellschaft gibt es aktiv verwaltete Fonds auf amerikanische Aktien. Auch für Japan ist die Auswahl groß. „Wenn Anleger wollen, dass ihre Investments dem Währungseinfluss unterliegen, müssen diese Fonds ungesichert, dürfen also nicht ,gehedged' sein“, sagt Jan Richter von der Münchener Analysegesellschaft Fondsconsult. Denn nur dann mache sich der Wechselkurseffekt überhaupt bemerkbar. Angaben hierzu finden sich in den jeweiligen Fondsbedingungen.

Die Fondsanteile werden meist in Euro gehandelt. „Bei ihrem Kauf wird der Euro-Betrag automatisch innerhalb des Fonds in Dollar umgerechnet, um umgekehrt, wenn die Anteile wieder verkauft werden“, sagt Richter. Eine kostengünstige Alternative zu aktiven Fonds bieten passive Investments wie die börsengehandelte Indexfonds (ETF) auf Länderindizes. An der Frankfurter Börse reicht die ETF-Palette von Australien bis Vietnam.

Auch mit zahlreichen Zertifikaten könnten Anleger von dem schwächeren Euro profitieren. „Zertifikate auf die großen Indizes der Welt bieten die meisten Banken gegen Währungseinflüsse ungesichert und gesichert an“, sagt Nicolai Tietze, Derivateexperte der Deutschen Bank: „Anleger können also wählen, ob sie ein Währungsrisiko eingehen wollen oder nicht.“ Hier schlagen sich die Kursverluste des Euro ebenfalls nur im Preis der nicht geschützten Varianten positiv nieder. Klassische Indexzertifikate zeichnen die Entwicklung des Börsenbarometers nur nach, andere Wertpapiere wie Bonuszertifikate schützen Anleger zumindest teilweise vor Kursverlusten. Währungsgesicherte Zertifikate tragen in der Regel den Namenszusatz „Quanto“.

Eine andere Möglichkeit, an dem Währungseinfluss teilzuhaben, bieten sicherlich auch direkte Aktienkäufe im Ausland. Doch das ist aufwendig und kann teuer werden. Investoren benötigen dazu beispielsweise ein Konto und ein Depot in den Vereinigten Staaten. Erst bei einem Transfer des Geldes in den Euro-Raum würde sich der Wechselkurseffekt aber tatsächlich bemerkbar machen.

Der Handel ist häufig illiquide

Einige ausländischen Aktien können auch an einer deutschen Börse wie der Berliner gekauft werden. Sie ist auf Auslandswerte spezialisiert. Die Kurse dieser Aktien orientieren sich an den Notierungen im jeweiligen Heimatland, zugleich werden sie hierzulande aber in Euro gehandelt. Deswegen bestimmt auch der Wechselkurs ihren Börsenpreis. Doch der Handel ist häufig illiquide. Zudem ist das Anlagerisiko bei Einzelwerten größer als bei Aktienindizes.

Die alles entscheidende Frage ist jedoch, ob sich die Kursrückgänge des Euro fortsetzen oder nicht. Denn Auslandsanlagen bieten nicht nur Chancen auf Währungsgewinne, wie seit Jahresbeginn für die Anleger des Euro-Raums, sondern auch entsprechende Risiken. Ist der Euro stark und steigt im Vergleich zu anderen Währungen im Wert, dann mindert dies die im Ausland erzielten Erträge entsprechend. Ungesicherte Fonds und Zertifikate wären nur bei einem weiter schwächer tendierenden Euro von Vorteil.

Wollen Anleger dagegen das Währungsrisiko ganz ausschalten, weil sie vielleicht damit rechnen, dass der Euro wieder an Stärke gewinnt, dann wären für sie die gesicherten Fonds- und Zertifikate-Varianten die bessere Wahl. Doch ein solcher Schutz schmälert freilich die Rendite. „Einen Zertifikatekäufer kostet die Absicherung in der Regel bis zu 2 Prozent im Jahr, wobei diese Kosten von mehreren Faktoren wie den Volatilitäten abhängen“, sagt Tietze. Auch bei Fonds sind die Kosten für gesicherte Produkte etwas höher. Nach den Angaben von Richter fallen sie aber beim Rendite-Vergleich der beiden Fondsvarianten kaum ins Gewicht.

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