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Zertifikate und ETFs

Wasserwirtschaft Den Durst auf Rendite löschen

Für manche gilt das Nass als der wichtigste Rohstoff der Zukunft. Die Nachfrage ist gigantisch, und die Wasserwirtschaft wächst. Auch Anleger können von diesem Trend profitieren.

© dpa Vergrößern Wasserversorgung am Bodensee, der größten Süßwasserquelle Europas

Im Deutschen Bundestag gibt es derzeit einen Streit, ob ein Vorhaben der Europäischen Kommission zu einer Privatisierung der Wasserversorgung durch die Hintertür führt. Für die Grünen ist die Sache klar: Das darf nicht sein. Wasser sei kein gewöhnliches Gut und der Zugang dazu ein Menschenrecht, schreiben sie in einem Antrag. Vielleicht wird auch aus diesen Gründen der anorganische Rohstoff, im Gegensatz zu Öl oder Weizen, nicht an der Börse gehandelt. Anleger können aber trotzdem vom weltweiten Durst nach Wasser profitieren.

Denn Wasser wird knapp, und die Nachfrage danach steigt stetig. Die Vereinten Nationen erwarten, dass die Welt im Jahr 2025 bis zu 40 Prozent mehr Wasser verbrauchen wird als heute. Zu der riesigen Nachfrage nach dem Rohstoff an sich, gesellt sich der Nachholbedarf an Investitionen aufgrund der oft veralteten Infrastruktur.

In westlichen Staaten wurden seit vielen Jahren keine größeren Investitionen der öffentlichen Hand in die Wasser-Infrastruktur mehr getätigt. Die Deutsche Bank schätzt den jährlichen weltweiten Investitionsbedarf auf 400 bis 500 Milliarden Dollar. Allerdings sind staatliche Investitionen in den vergangenen Jahren nur langsam in Gang gekommen, die Regierungen zögern Unternehmen wie Wasserversorger zu privatisieren.

Wasserintensiver, westlicher Lebensstil

„Mit 6 Prozent wächst der Wassermarkt dennoch schneller als westliche Industrieländer und manches Schwellenland“, sagt Hans Peter Portner, Fondsmanager bei der Schweizer Privatbank Pictet. Angesichts der Verknappung der Ressource, der wachsenden Weltbevölkerung und des hohen Investitionsbedarfs dürfte Wasser wirtschaftlich weiter an Bedeutung gewinnen.

Außerdem hat sich der Lebensstandard von Menschen in Schwellenländern deutlich verbessert, was meist den Einsatz von mehr Wasser mit sich bringt. Sie orientieren sich zunehmend am wasserintensiven, westlichen Lebensstil. Weiterhin entfallen aber etwa 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft, beispielsweise für den Anbau von Mais. Neue Technologien wie „Fracking“, bei dem Schiefergas aus dem Boden gewonnen wird, benötigen ebenfalls viel Wasser.

Die Branche steht also vor einer großen Herausforderung. Eigentlich gelten Investitionen in Rohstoffe als vergleichsweise risikoreich, da sich deren Preise zuletzt eher volatil verhielten. Die Wasserbranche sei jedoch eine eher defensive Branche, weil sie nicht vom Wirtschaftszyklus, sondern von Trends wie der Urbanisierung getrieben werde, schreiben Analysten. Außerdem hätten Wasserunternehmen meist regelmäßige Einnahmen, zahlten hohe Dividenden aus, und die Aktienkurse schwankten weniger stark, sagt Portner.

Risikoarmes Geschäftsmodell

Die relativ stetig wachsende Nachfrage nach dem Nass verspricht also ein gutes Geschäft für Unternehmen, die in der Wasserwirtschaft tätig sind. „Vor allem für Hersteller von Wassertechnologien besteht in den nächsten Jahrzehnten enormes Absatzpotential“, schreibt DB Research. Die Nachfrage nach effizienter Bewässerungstechnik, Meerwasserentsalzungs-und Kläranlagen, technischen Ausrüstungen (Pumpen, Kompressoren, Armaturen) oder Filteranlagen dürfte stark zulegen, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Doch in welchem Segment, des nach Rohöl und Elektrizität drittgrößten Wirtschaftssektor der Welt, finden Anleger die besten Chancen? Investitionsmöglichkeiten lassen sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette finden. Morgan Stanley favorisiert Aktien von Unternehmen, die sich mit Trinkwasser, der Verteilung, der Entsalzung und mit der Bewässerung in der Landwirtschaft beschäftigen.

Für Fondsmanager Portner sind Unternehmen interessant, die sich um Abwasseraufbereitung kümmern, weil die Margen dort relativ hoch seien und das Thema nicht so „politisch geladen“ sei. In seinem Fonds, dessen Vermögen nur noch bei 1,3 Milliarden Euro liegt, gibt es einen defensiven Teil, die Wasserversorger, deren Geschäftsmodell risikoarm und wenig zyklisch ist. Der zweite Teil des Portfolios investiert in wachstumsstarke Wasserausrüster, also in eher zyklische Industriewerte.

40 bis 60 Wassertitel im Portfolio

Die Auswahl an Unternehmen ist groß, und fast alle Branchen bieten Chancen. Doch wie sollten Anleger in Wasser investieren? Aktien kaufen oder Fonds, einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) oder Zertifikate? Davon raten - aus gutem Grund - aktive Fondsmanager wie Portner ab: „Stock Picking bei Wasser-Aktien ist riskant“, meint dieser. Auch ETF seien wenig überzeugend: „Sie bilden relativ statische Wasserindizes ab, in denen sich nur wenige Wasseraktien befinden“, behauptet er. In seinem Portfolio befänden sich 40 bis 60 Wassertitel.

Der World Water Index, der die Wertentwicklung von 20 Wasserunternehmen abbildet, entwickelte sich in den vergangenen drei Jahren besser als der globale Aktienmarkt. So konnte man etwa mit dem brasilianischen Wasserversorger CIA Saneamento Basico viel Geld verdienen. Die Aktie stieg innerhalb eines Jahres um fast 50 Prozent.

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Auch die Aktie des Schweizer Unternehmens Pentair, das Wasserfilter und andere wassernahe Leistungen anbietet, erreichte in einem Jahr ein Plus von mehr als 36 Prozent. Mit dem japanischen Dienstleistungsunternehmen Kurita Water hätte man jedoch keine Freude gehabt, innerhalb eines Jahrs fiel die Aktie um 12,5 Prozent.

Wem einzelne Aktien zu risikoreich erscheinen, kann sich für Fonds oder Zertifikate entscheiden. Viele Zertifikate lehnen sich bei der Zusammenstellung der Werte am World Water Index an. Zum Beispiel der Pictet Water Fund oder der Swisscanto Equity Fund Water, die in den vergangenen Jahren auch besser als der Aktienindex MSCI World abschnitten. Und wer kein Geld für einen Fondsmanager bezahlen möchte, kann in ETF wie dem Lyxor ETF World Water investieren, der auch den World Water Index nachbildet (maxw.).

Quelle: F.A.Z.

 
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