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Veröffentlicht: 26.01.2017, 14:48 Uhr

Brüsseler Börse Was Trump für den belgischen Aktienmarkt bedeutet

Brüssel verfolgt Trumps Äußerungen und Absichten mit Argusaugen. Manche Konzerne exportieren viel nach Amerika. Für Belebung sorgt die Abschaffung der Spekulationssteuer.

von , Brüssel
© Bloomberg Die staatliche Bank Belfius könnte an die Börse gehen.

Auch in Brüssel verfolgen die Anleger dieser Tage mit Argusaugen, welche Rückschlüsse die Äußerungen und Absichten des am Freitag vereidigten neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump zulassen. Sie sind dabei offensichtlich hin- und hergerissen zwischen den protektionistischen Drohgebärden und der Aussicht auf eine weiter anziehende amerikanische Konjunktur. Hoffnungen machen sich nicht nur die Manager alteingesessener Bel-20-Unternehmen wie der westflämische, international führende Drahthersteller Bekaert. Er erzielt rund ein Sechstel seines Jahresumsatzes von knapp 4 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten.

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Auch die an der Brüsseler Börse überdurchschnittlich vertretenen Unternehmen der Finanzbranche, von der KBC-Gruppe über den Versicherungsanbieter Ageas bis zur Finanzholding GBL, dürften mit besonderer Aufmerksamkeit die geldpolitische Entwicklung jenseits des Atlantiks beobachten und auf weiter steigende langfristige Zinsen hoffen. Zuletzt entwickelten sich die Kurse von Finanztiteln in Brüssel vielversprechend.

Zur allgemeinen Überraschung ist inzwischen auch ein Börsengang der staatlichen Bank Belfius möglich; sie ist ein rentables Überbleibsel des belgisch-französischen Krisenkonzerns Dexia, der derzeit abgewickelt wird. Der Vorstandsvorsitzende Marc Raisière hatte noch vor Jahresfrist einen Börsengang ausgeschlossen. Jetzt denkt er, wie auch Finanzminister Johan Van Overtveldt, laut darüber nach. Eine Option ist, nach dem Vorbild der staatlichen Großbank ABN Amro zunächst nur einen Teil der Aktien an die Börse zu bringen. Außerdem scheint Belfius auch eine Übernahme der mehrheitlich staatlich kontrollierten belgischen Bank- und Versicherungsgruppe Ethias in Erwägung zu ziehen. Auch andere in Brüssel börsennotierte Unternehmen verfolgen die Entwicklung jenseits des Atlantiks aufmerksam.

Bel-Index knapp 10 Prozent höher als vor Jahresfrist

Der auf dem internationalen Biermarkt führende und mit Hauptsitz im flämischen Löwen ansässige Koloss AB Inbev, der sich im vergangenen Jahr den britisch-amerikanischen Branchenzweiten SAB Miller für knapp 94 Milliarden Euro einverleibt hat, erzielt gut ein Drittel seiner Umsätze in den Vereinigten Staaten. Durch die Übernahme von SAB Miller ist das Übergewicht von AB Inbev an der Brüsseler Börse weiter gestiegen. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 200 Milliarden Euro führt der Brauer das Feld der börsennotierten Unternehmen mit großem Vorsprung vor dem belgisch-niederländischen Einzelhandelskonzern Ahold Delhaize (rund 25,5 Milliarden Euro) und der KBC-Gruppe (rund 24,5 Milliarden Euro) an.

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Bei Ahold Delhaize, 2016 aus der mehrheitlichen Übernahme des traditionsreichen belgischen Anbieters Delhaize durch den niederländischen Branchenprimus Ahold hervorgegangen, entfallen sogar zwei Drittel der Umsätze auf den amerikanischen Markt. Die Vorlage guter Geschäftsergebnisse honorierten die Anleger am vergangenen Donnerstag mit einem Kurssprung von fast 6 Prozent.

Da die meisten Bel-20-Unternehmen erst im Februar und März ihre Quartalszahlen vorlegen werden, ist derzeit noch unklar, wie sich die Geschäfte zuletzt entwickelt haben. Mit einem Kursstand von zuletzt mehr als 4500 Punkten notierte der Bel-Index knapp 10 Prozent höher als vor Jahresfrist.

Brüsseler Börsenjahr steht in einer Hinsicht unter gutem Stern

Mit besonderem Interesse dürften viele Anleger die Entwicklung der Brüsseler D’Ieteren-Gruppe verfolgen, die zuletzt den Jahresumsatz auf mehr als 6 Milliarden Euro gesteigert und die Geschäftsfelder weiter diversifiziert hat. Über ihr Tochterunternehmen Belron kontrolliert die in Belgien vor allem als Importeur und Vertriebspartner von Fahrzeugen des VW-Konzerns bekannte Gesellschaft den international führenden Anbieter und Reparateur von Autoglasscheiben, Carglass. 2016 sicherte sich D‘Ieteren für rund 500 Millionen Euro die Kontrolle des italienischen Notizbuchherstellers Moleskine. Der Preis liegt rund 85 Millionen Euro höher als der Erlös, den D’Ieteren 2011 beim Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung an dem Automobilvermieter Avis Europe erzielte.

In einer Hinsicht steht das Brüsseler Börsenjahr 2017 unter einem guten Stern. Nach einem Jahr ist die umstrittene Spekulationssteuer wieder abgeschafft worden. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen hatten zuletzt darunter zu leiden. Die Regelung legte bei einem Wiederverkauf von Aktien durch Privatanleger binnen sechs Monaten einen Steuersatz von 33 Prozent auf die erzielten Kursgewinne fest. Da die Abschaffung der Steuer schon im Herbst verkündet und damals klargestellt wurde, dass sie nicht rückwirkend bei Aktienverkäufen erhoben werden sollte, waren zuletzt die Anteile kleiner und mittelgroßer Unternehmen an der Börse wieder gefragter.

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