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Geldanlage : Was taugen Börsenregeln?

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Taugen Börsenregeln für Anleger? Bild: Bearbeitung F.A.S. / Getty

„Sell in May and go away“ – solche Börsenregeln gibt es viele. Ein paar davon stimmen sogar.

          Entstanden sind sie aus Erfahrung und jahrhundertelanger Beobachtung der Natur – die Rede ist von Bauernregeln, die uns beispielsweise verraten sollen, wie das Wetter wird. Eine ähnliche Geschichte und Funktion haben Börsenweisheiten: Aus langer Erfahrung entstanden, sollen sie dem Anleger Halt geben und Anhaltspunkte dafür, was in einer bestimmten Situation zu tun ist. Doch können Börsenregeln das überhaupt leisten? Was ist von bekannten Weisheiten wie „Sell in May and go away“ oder „Greife niemals in ein fallendes Messer“ zu halten? Sind sie ein hilfreicher Erfahrungsschatz für Anleger oder eher Geldirrtümer?

          Wer eine Antwort auf diese Frage sucht, muss zwischen verschiedenen Kategorien von Börsenregeln unterscheiden. Die erste Kategorie zielt auf die Idee, Börsentrends zu nutzen: Greife nie in ein fallendes Messer oder the trend is your friend; Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen oder die Hausse nährt die Hausse – hinter all diesen Sprüchen steht die Idee, dass Börsenkurse zumindest eine Zeitlang einem klar erkennbaren Trend folgen und dass man diesen Trend erkennen und entsprechend ausnutzen kann. Vereinfacht gesagt:

          Wenn die Kurse einmal fallen, dann fallen sie auch weiter, und wenn sie steigen, dann steigen sie auch weiter. Mit diesem Wissen, so die Idee, lässt sich dann Geld verdienen. Nur funktioniert das in der Praxis auch? Die Antwort auf diese Frage ist in der Wissenschaft heißumkämpft: Die Theorie der effizienten Finanzmärkte sagt, dass Aktienkurse nicht prognostizierbar sind, weil die Investoren alle Entwicklungen und Erwartungen stets in die Kurse einpreisen – deswegen könne man keinen Trend vorhersagen und damit Geld verdienen.

          Der Nobelpreisträger Robert Shiller allerdings beobachtete, dass die Kursschwankungen an den Aktienmärkten, gemessen an dieser Vorstellung rationaler Märkte, zu hoch sind. Diese zu hohen Schwankungen bedeuten seiner Ansicht nach, dass die Aktienkurse, gemessen an ihrem fundamentalen Wert, zeitweise zu hoch oder zu niedrig sind – was wiederum bedeuten würdet, dass diese Über- oder Unterbewertungen mittel- bis langfristig korrigiert werden müssen. Stimmt das, so kann man Aktienkurse langfristig bis zu einem gewissen Grad prognostizieren, also einen Trend ermitteln und seine Strategie daran ausrichten.

          Die sogenannten Kalendereffekte

          Aus der Tatsache, dass es Phasen gibt, in denen Aktien unter- oder überbewertet sind, lässt sich also ableiten, dass es Trends gibt, aber leider nicht, wann sie beginnen und wann sie enden. Man kann sich also nie sicher sein, ob man zu früh oder zu spät ein- oder aussteigt, weswegen die Regel vom fallenden Messer zwar richtig sein mag, aber insgesamt wenig hilfreich ist. Wie sagt eine andere Börsenregel: An der Börse wird weder zum Einstieg noch zum Ausstieg geklingelt. Diese Regel stimmt definitiv und relativiert die Nützlichkeit aller Trend-Börsenregeln. Sie mögen grundsätzlich richtig sein, sind aber derart unkonkret, dass sie den Anleger hilflos zurücklassen.

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