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Veröffentlicht: 11.02.2016, 10:34 Uhr

Wertpapieranlage Nicht mit dem Aktienkauf warten

Die Kursschwankungen am Aktienmarkt schrecken viele Anleger ab. Immer gibt es Gründe, zu kaufen – aber auch, es nicht zu tun. Untersuchungen zeigen: Wer Aktien lange halten kann, sollte mit dem Investieren gleich loslegen.

von
© Ivan Steiger Aktienhandel – ein sicheres Boot?
 
Was muss ich beim Einstieg in den Aktienhandel beachten?

Viele Deutsche verfügen über hohe Geldbestände auf ihren Bankkonten. Die meisten sind sich bewusst, dass sie angesichts der niedrigen Sparzinsen damit auf Dauer nicht den Geldwert gegen die Inflation aufrechterhalten werden. Die meisten wissen auch, dass Aktien langfristig mit ihren Dividenden und Kurssteigerungen höhere Erträge bringen als Anleihen oder Festgeld. Aber viele haben eine Anlageblockade, warten ständig ab in der Hoffnung, der „richtige“ Einstiegszeitpunkt komme erst noch. Das wäre der Moment, an dem die Aktienkurse auf dem absoluten Tiefpunkt sind. „,Ich brauche mehr Aktien, aber wie komme ich günstig in den Markt?‘, fragten uns vor ein paar Wochen noch viele potentielle Kunden“, erzählt Max Schott vom Stuttgarter Vermögensverwalter Sand & Schott. Jetzt, nachdem der Dax seit April 2015 fast 30 Prozent und seit Jahresanfang allein 17 Prozent verloren hat, seien die Leute mit jedem Tag, an dem der Dax tiefer rausche, immer vorsichtiger geworden. Die Angst, dass es noch weiter abwärtsgehen könnte, ist groß.

Hanno Mußler Folgen:

Dabei sind die 30 Aktien im Dax schon jetzt so günstig bewertet wie selten zuvor. In der Historie des Dax seit 1988 schwankte die wichtigste Kennziffer für eine faire Aktienbewertung, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, zwischen 7,6 und 32,0, wie die Landesbank Baden-Württemberg berechnet hat. Derzeit liegt dieses „Voraus-KGV“, das eben auf Gewinnschätzungen basiert, bei einem Dax um 8900 Punkte bei 11, recht weit entfernt vom mittleren Wert („Median“), der bei 12,3 liegt. Das heißt: Es gab in der Dax-Historie genauso viele Tage mit einem höheren KGV als 12,3, wie es Tage gab, welche eine tiefere Bewertung hatten. Dieser Median von 12,3 legt derzeit einen Dax von 11.000 Punkten nahe. „Abweichungen von diesem fairen Dax-Wert sind normal, aber üblicherweise stellen sich Gegenbewegungen ein, sobald sich der Dax um 17 Prozent nach oben oder unten davon entfernt“, sagt LBBW-Analyst Uwe Streich.

Drei verschiedene Einstiegsstrategien

Mit Unterschreiten von 9100 Punkten sei der Dax aus dem üblichen Schwankungsintervall (plus 17, minus 17 Prozent) ausgebrochen, das er zuvor nur in den Jahren 2000 bis 2003 (auf dem Höhepunkt der ersten Internetblase erst nach oben, dann nach unten) und 2009 in der Finanzkrise verlassen habe. „Die Unterbewertung übersteigt jetzt das normale Maß“, sagt Streich. Offensichtlich bezweifeln die Anleger, dass die Analysten die Gewinne der 30 Dax-Unternehmen richtig schätzen. Sie fürchten eine Rezession in Amerika und dass die Analysten wie so oft zu optimistisch sind. „Auch wir erwarten, dass die Analysten ihre Erwartungen an die Unternehmensgewinne senken müssen. Aber derzeit preist der Markt bei einem Dax von 8900 Punkten eine Gewinnrevision um 25 Prozent bei allen Dax-Unternehmen ein. Das halten wir für übertrieben schwarzgemalt“, sagt Streich.

Aber wie lange wird es dauern, bis mehr Anleger der von der LBBW ausgemachten Fehlbewertung zustimmen (und nicht an stark überhöhte Gewinnschätzung glauben) und auf dieser Erkenntnis in Aktien einsteigen? Und sollte man vor diesem Moment, in dem der Markt dreht, als kluger Anleger schon im Markt sein oder noch zuwarten? Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Anleger den optimalen Einstiegszeitpunkt genau erwischt? Und wie viel macht der Einstiegszeitpunkt überhaupt aus am langfristigen Erfolg eines Anlegers, der seine Aktien mindestens zehn Jahre hält? Vermögensverwalter Schott hat unter dieser Annahme drei verschiedene Einstiegsstrategien am deutschen Aktienmarkt in der Periode von Februar 1977 bis Juli 2015 untersucht, und die Ergebnisse sind durchaus verblüffend. „Das schlechteste Ergebnis erzielt der Anleger, der immer nach einem Rückschlag von 20 Prozent kauft“, sagt Schott. Das ist überraschend.

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