http://www.faz.net/-gv6-8z4sa

Börse im besten Zustand : Goldene Zeiten für den Dax

Der Bulle vor der Frankfurter Börse symbolisiert steigende Kurse. Bild: Picture-Alliance

Der Dax eilt von Rekord zu Rekord. Die Anleger können sich freuen. Denn wir erleben gerade die beste aller Börsenwelten.

          Am Ende fehlten gerade einmal 49 Punkte. Minimal war der Abstand, der den Dax am vergangenen Dienstag von einer neuen historischen Schwelle trennte – der Marke von 13.000 Punkten. So aber erreichte das bekannteste deutsche Börsenbarometer zwar ein neues Rekordhoch von 12.951 Punkten, verpasste aber den ganz großen Sprung.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch wer sich unter Profi-Anlegern umhört, muss unweigerlich an eine leicht abgegriffene Redewendung denken: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Denn das Gros der Experten ist sich sicher, dass der große Sprung über die Schwelle von 13000 Punkten nur noch eine Frage der Zeit ist – auch wenn sich der Dax bis zum Wochenschluss wieder ein wenig von diesem Ziel entfernte. Natürlich vermag an der Börse niemand zu sagen, ob der nächste Rekord nun schon in der nächsten Woche ansteht oder erst in zwei Monaten. Aber alle sind sich einig, dass bald damit zu rechnen ist.

          Das Jahr 2017 ist bislang ein äußerst seltsames Börsenjahr. Aktienmärkte, das wissen nicht wenige Anleger aus eigener leidvoller Erfahrung, neigen zu Schwankungen – die Kurse steigen und fallen mitunter wie wild, sie sind auf kurze Sicht unberechenbar. In diesem Jahr allerdings sind die Schwankungen so gering wie nie in der jüngeren Dax-Geschichte. Von kleinen Unterbrechungen abgesehen, steigen die Kurse ohne Unterlass von einem Rekordhoch zum nächsten. Fast zehn Prozent hat der Dax seit Januar bereits hinzugewonnen. Auch wenn es im Zusammenhang mit Aktienmärkten merkwürdig klingen mag, weil sie mitunter in kürzester Zeit die Richtung wechseln können: Die Börse befindet sich zurzeit im besten Zustand, den man sich nur wünschen kann. „Goldilocks“-Szenario nennen die Amerikaner einen solchen Zustand in Anlehnung an ein Märchen, in dem ein Mädchen namens Goldilocks den besten Haferbrei seines Lebens isst – „nicht zu heiß, nicht zu kalt, genau richtig“.

          Bild: F.A.Z.

          Umstände, wie sie sich Anleger nicht besser wünschen könnten

          Selbst erfahrene Investoren sind verblüfft darüber, wie gut es zurzeit an den Börsen läuft. Klaus Kaldemorgen, seit Anfang der 1980er Jahre in Diensten der Fondsgesellschaft DWS und einer der bekanntesten deutschen Fondsmanager, sagt: „Ich kann mich in meiner Laufbahn an keine Zeit erinnern, in der die Lage an den Aktienmärkten so freundlich war.“ Ganz ähnlich sieht dies Henning Gebhardt, Chefanleger der Hamburger Privatbank Berenberg und seit Jahrzehnten im Geschäft: „Wir befinden uns in einem perfekten Börsenumfeld, wie ich es in meiner Karriere noch nie erlebt habe.“

          Nun könnte man sagen: Was ist von Profianlegern, die mit dem Verkauf von Fonds ihr Geld verdienen, auch anderes zu erwarten? Doch das Bemerkenswerte an diesen Aussagen ist, dass die Starmanager in der Vergangenheit nie durch übertriebenen Optimismus aufgefallen sind. Insbesondere Kaldemorgen gilt als besonders vorsichtig. Beide Männer sind außerdem lange genug dabei, um die besondere Perfidie der Börse zu kennen: Gerade dann, wenn alles scheinbar wunderbar läuft, können die Kurse plötzlich fallen. Um dieses seltsame Börsenjahr 2017 besser zu verstehen, muss man sich darum beidem widmen – den idealen Bedingungen und dem Unbehagen, das die Rallye bei manchen hervorruft.

          Weitere Themen

          Auch Geld der Queen in Steueroase angelegt Video-Seite öffnen

          „Paradise Papers“ : Auch Geld der Queen in Steueroase angelegt

          Nach den „Panama Papers“ sind neue Datensätze zu Steuerenthüllungen veröffentlicht worden. In den knapp 13 Millionen Dokumenten werden auch das englische Königshaus, hochrangige Politiker und Banken genannt. Sie alle sollen Geld in Steueroasen angelegt haben.

          Topmeldungen

          Der Tatort: Das Briefzentrum Frankfurt. Millionen echte Briefe kommen hier täglich an. Etliche Millionen wurden offenbar nur erfunden.

          F.A.S. exklusiv : Millionen-Betrug mit erfundenen Briefen

          Staatsanwälte sind einem riesigen Betrugsfall in der Deutschen Post auf der Spur. Offenbar sind hunderte Millionen Briefe abgerechnet worden, die nie geschrieben wurden und frei erfunden waren.

          Ernennung neuer Bundesrichter : Wie Trump Amerikas Justizsystem umbaut

          Von seinen Wahlversprechen hat Donald Trump noch nicht allzu viel erreicht. Aber seine Regierung verändert das Land schon tiefgreifend. Ein mächtiger Hebel ist besonders nachhaltig – und wird noch andere Präsidenten beschäftigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.