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Aktienmarkt : Warum Trump die Aktienkurse beflügelt

Im Moment hat der Bulle das Sagen: Die Aktienkurse steigen kräftig Bild: Picture-Alliance

Präsident Trump hat etwas Unglaubliches an der Börse geschafft: Die Finanzmärkte sind aus ihrer Lethargie erwacht. Für den aktienscheuen deutschen Sparer ist die Lage wesentlich unerfreulicher.

          Donald Trump ist ein Held. Zumindest unter Börsianern. Er hat es vermocht, die Finanzmärkte aus ihrer Lethargie zu befreien. Ohne ihn wäre das Jahr 2016 trübe zu Ende gegangen und nicht mit einem Kursfeuerwerk. Das Jahr 2017 hätte sich sicherlich auch nicht so gut angelassen. Der Dow Jones eilt von Rekord zu Rekord, und der Dax hat seit der Trump-Wahl immerhin um 12 Prozent zugelegt.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          An der Börse werden Erwartungen gehandelt. Und diese hat der neue Präsident mit drei Stichworten beflügelt. Das erste heißt Infrastrukturinvestitionen. Auch wenn solche staatlichen Konjunkturprogramme von einigen Wirtschaftsfachleuten kritisch gesehen werden. Die Börsen freuen sich über Aufträge für Unternehmen, die Umsatz und Gewinn steigern. Und so schmerzlich es für manchen ist: Da wird an der Börse noch nicht einmal zwischen einem Mauerbau und einem Krankenhaus unterschieden.

          Das zweite Stichwort sind Steuersenkungen. Am Donnerstag ließ Trump in seiner unnachahmlichen Art wissen, etwas Phänomenales in Sachen Steuern stehe bevor. Was das genau heißt, ist noch unklar. Dem Dow Jones reichte es für ein neues Rekordhoch. Die Hoffnung insbesondere der großen börsennotierten Unternehmen auf eine spürbare steuerliche Entlastung ist groß.

          Versprechen der Deregulierung

          Das dritte Stichwort ist Deregulierung. Der Einfluss der Wall Street in der Regierung Trump ist spürbar. Strengere Regeln für Banken und Finanzmärkte nach der Finanzkrise werden wohl zurückgenommen, viel deutet darauf hin, dass die Bankbranche einige Erleichterungen erfahren wird. Auch hierzulande schaut manch ein Banker neidvoll über den Atlantik, wenn dort die Befugnisse von Verbraucherschutzbehörden für Finanzprodukte deutlich beschnitten werden sollen. Bankaktien sind die größten Gewinner seit seiner Wahl.

          Unter das Stichwort Deregulierung könnten auch Umweltschutzauflagen gefasst werden, die Trump deutlich reduzieren oder ganz abschaffen will. Manch Ölkonzern kann sein Glück kaum fassen, nun Pipelines endlich weiterbauen oder in ganz neue Gebiete vorstoßen zu können.

          Was aber bedeutet das für deutsche Anleger und hiesige Unternehmen? Die Androhung von Strafzöllen hat jedenfalls keinen großen Eindruck gemacht. Längst haben die meisten Konzerne auch große Produktionsstätten in dem wichtigen amerikanischen Markt und sind dort oft schon lange große Arbeitgeber und Steuerzahler. Dies wird irgendwann auch Präsident Trump anerkennen.

          Viele ökonomische Daten sind hervorragend

          Die deutschen Unternehmen dürften daher weiter gute Geschäfte auch in den Vereinigten Staaten machen, die für rund zehn Prozent der hiesigen Exporte stehen. Das ist nicht wenig, aber eben auch nicht alles. Der viel wichtigere deutsche Exportmarkt ist der Euroraum, und hier belebt sich die Wirtschaft zusehends, selbst in Italien. Auch aus China kommen wieder positivere wirtschaftliche Signale als noch vor einem Jahr. Selbst Großbritannien, das mancher nach dem Brexit-Votum auf dem Weg in den wirtschaftlichen Notstand gesehen hat, liefert so gute Wirtschaftsdaten wie seit sechs Jahren nicht mehr.

          Die Trump-Hausse nährt sich also längst nicht nur von den Hoffnungen auf einen wirtschafts- und börsenfreundlichen Präsidenten, sondern auch von einer Vielzahl hervorragender ökonomischer Daten. Die Aktienmärkte dürften davon weiter profitieren. Sie sind keine Fahnenstange, die irgendwo zu Ende ist. Neue Rekorde sind ein steter Begleiter schon seit dem 19. Jahrhundert.

          Für den aktienscheuen deutschen Sparer ist die Lage wesentlich unerfreulicher. Die Belebung der Wirtschaft geht mit steigenden Rohstoffpreisen einher und hat der Inflation mit fast 2 Prozent zu mehrjährigen Höchstständen verholfen. Wer sein Geld aber zu 0,1 Prozent auf einem Sparbuch oder Tagesgeldkonto liegen hat oder gar schon Negativzinsen zahlt, dessen Vermögen verliert real kräftig an Wert. Hoffnung auf Besserung ist kaum gegeben.

          Alles ist besser, als nichts zu tun

          Die Europäische Zentralbank sendet noch keine Signale, an der Zinsfront bald etwas zu verbessern. Noch immer schießt sie den Staaten, Märkten und Banken jeden Monat 80 Milliarden Euro zu. Von April an sollen weitere 540 Milliarden Euro in neun Raten bis Jahresende folgen. Bis die Einlagenzinsen für Banken wieder positiv sind und dann irgendwann einmal auf dem Tagesgeldkonto vielleicht wieder 1 oder 2 Prozent Zinsen üblich sind, ist es noch ein sehr weiter Weg.

          Auf den Sankt-Nimmerleins-Tag wollen aber immer weniger Anleger warten. Aktien werden zwar weiter gemieden, aber Mischfonds, die neben Aktien auch Anleihen enthalten, erfreuen sich seit Jahren immer neuer Absatzrekorde. Das ist ein guter Einstieg, sofern Fonds sorgfältig ausgewählt werden und auf ihre Kosten geachtet wird. Auch offene Immobilienfonds sind gefragt, bieten sie doch sehr stabile Renditen. Die Bäume wachsen hier mit kaum mehr als 2 Prozent Rendite im Jahr aber nicht in den Himmel. Das jedoch ist allemal besser, als nichts zu tun und die Hausse mit ihrem Börsenhelden Trump nur staunend zu betrachten.

          Quelle: F.A.Z.

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