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Veröffentlicht: 16.02.2017, 13:17 Uhr

Verkauf einer Traditionsmarke Warum Opel nicht einfach wieder unabhängig wird

Der Opel-Verkauf bewegt die Gemüter. Auch auf Facebook wird über das Geschehen rund um die Marke mit dem Blitz diskutiert. Unter anderem warum Opel nicht einfach wieder unabhängig wird.

von Christoph Scherbaum und
© GM Glorreiche Opelzeit im Jahr 1966: Der Ein Millionste Kadett lief vom Band im heute geschlossenen Werk Bochum.

Der amerikanische Autokonzern General Motors (GM) will sich von seiner deutschen Tochtergesellschaft Opel trennen. Ein möglicher Käufer könnte der französische Konzern PSA Peugeot-Citroën sein – für viele Opel-Fans kaum vorstellbar. Für sie ist die Marke mit dem Blitz Kult, ein großes Stück deutsche Automobilkultur. Man denke nur an die Oberklasse-Wagen der Sechziger und Siebziger Jahre wie den Kapitän, Admiral und Diplomat oder das Sportwagen-Modell Manta und den unvergessenen Kadett. Doch von alten Zeiten kann keiner leben. Erst recht kein Automobilkonzern.

Martin Hock Folgen:

Opel hätte in den vergangenen Jahrzehnten vieles anders machen müssen, um das heutige Szenario zu verhindern. Die Wende wurde verpasst, wenngleich die jüngsten Zahlen gar nicht einmal so schlecht ausgefallen sind. Das Unternehmens-Motto „7 in 17“ sollte in diesem Jahr den Autokäufern sieben neue oder zumindest neugestaltete Modelle aufzeigen. Diese Modelloffensive steht jetzt in Frage. Die Verkaufsgespräche zwischen General Motors und PSA stehen im Vordergrund.

Warum wird Opel eigentlich nicht einfach wieder ein selbstständiges Unternehmen „Made in Germany“? Immerhin ist die Zahl der verkauften Autos in Europa um 4 Prozent auf 1,16 Millionen Fahrzeuge in 2016 gestiegen – der höchste Absatz seit fünf Jahren. Und Opel-Modelle wie Corsa, Astra oder der SUV Mokka sind bei Neuzulassungen in Deutschland nach wie vor sehr beliebt.

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Opel hätte am Standort Rüsselsheim ein Entwicklungszentrum, das bereits im Kompaktwagensegment erfolgreich zugange ist – genau in jenem Segment, in dem Opel gut positioniert ist. Das allein reicht aber nicht aus, Opel wieder als eigenständiges Unternehmen zu positionieren. Opel müsste sehr hohe Stückzahlen an verkauften Autos vorweisen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die Marke mit dem „Blitz“ müsste Milliardeninvestitionen in modernste Umwelttechnik tätigen, um auf den Stand von Daimler, BMW & Co zu kommen. Bisher war dieses alles im Gemengelage des großen GM-Konzerns gewesen.

Das größte Argument gegen eine selbständige Automarke Opel ist in der Unternehmensstruktur selbst zu finden. Die Adam Opel AG gehört als Tochtergesellschaft zu GM, und das seit nunmehr 87 Jahren. Das heißt, die Manager von Opel sind Angestellte von GM. Will GM sich nun von der Adam Opel AG trennen, muss jemand anders Eigentümer werden. Kurzum es bedarf eines Käufers.

Die einzige Möglichkeit für die Selbständigkeit der Adam Opel AG wäre ein sogenanntes Management-Buy-out. Das heißt, die bisherigen Opel-Manager, Angestellte von GM, müssten von ihrem bisherigen Arbeitgeber das gesamte Kapital oder zumindest die Mehrheit erwerben. Es käme grundsätzlich auch die Belegschaft als Käufer infrage, das wäre dann ein sogenannter Employee-Buy-out.

In jedem Fall müssten die Käufer wohl nicht nur den Kaufpreis aufbringen, sondern auch eine Investitionsfinanzierung, womöglich auch eine Rekapitalisierung. Denn die Adam Opel AG weist in ihrem Geschäftsbericht von 2015 immer noch eine Eigenkapitallücke von 1,44 Milliarden oder 16,6 Prozent aus.

Dazu müssten Manager und/oder Beschäftigte Geldgeber finden, in der Regel Finanzinvestoren, die dann Miteigentümer würden. Möglich wäre ein späterer Börsengang, wobei dies in Deutschland ein schwieriges Thema ist. Theoretisch könnte sich auch der Staat daran beteiligen, aber dies entspricht aus gutem Grund nicht den Grundsätzen deutscher Wirtschaftspolitik.

Die Frage ist aber auch, ob der Kreis der krisenerprobten Opel-Manager gewillt wäre, das Risiko einzugehen, eine Automarke mit ihren Investitionen in Forschung und Entwicklung allein zu schultern, die aber jahrzehntelang genau in diesen wichtigen Bereichen am Tropf des Mutterkonzerns hing. Der Traum einer unabhängigen Automarke mit dem traditionellen Blitz dürfte daher einer bleiben.

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