http://www.faz.net/-gv6-8xqid

Aktienindex : Schweizer Börse setzt Schwergewichte auf Diät

Im Regen: Das Gebäude der Schweizer Börse Six Swiss Exchange in Zürich. Bild: Keystone Schweiz/laif

Der Leitindex SMI ist der Dax der Schweiz. Dort soll es künftig eine Obergrenze für den Anteil einzelner Aktien geben. Betroffen sind vor allem Nestlé und Novartis.

          Der Swiss Market Index (SMI) ist der Dax der Schweiz. Anders als sein relativ breit aufgestellter deutscher Bruder trägt der eidgenössische Leitindex aber ein Klumpenrisiko in sich. Der SMI umfasst zwar die 20 liquidesten und größten Titel der Schweiz. Doch dominieren ihn drei Aktien: Der Nahrungsmittelriese Nestlé und die beiden Basler Pharmakonzerne Roche und Novartis machen zusammen knapp 60 Prozent der Gesamtkapitalisierung aus.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Schwankungen in den Kursen dieser Unternehmen haben also einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des SMI. Für Investoren, die ihr Geld indexgetreu oder -nah investieren, um die Risiken zu streuen, ist die Dominanz des Trios ein nicht zu unterschätzender Nachteil.

          Gestützt auf eine Umfrage unter Marktteilnehmern und auf Empfehlung der zuständigen Index-Kommission hat sich der Schweizer Börsenbetreiber Six Swiss Exchange nun zu einer Änderung des Regelwerks innerhalb der SMI-Indexfamilie durchgerungen: Vom 18. September an wird das Gewicht der größten Titel auf 18 Prozent gekappt. Um die jeweiligen Aktienkurse möglichst nicht zu belasten, geht man dabei schrittweise vor:

          Für die Schar der kleineren Aktien ist es eine gute Nachricht

          Das Gewicht von Unternehmen wie Nestlé, das mit einem Börsenwert von mehr als 250 Milliarden Franken aktuell auf einen SMI-Anteil von fast 23 Prozent kommt, soll vierteljährlich um 3 Prozent reduziert werden, bis die neue Obergrenze erreicht ist. Falls zwei Titel gleichzeitig ein Gewicht von jeweils 20 Prozent übersteigen, erfolgt die Kappung freilich auch zwischen den stichtagsbezogenen Indexüberprüfungen.

          Ein Investor oder ein Fonds, der das Börsenbarometer auch in Zukunft eins zu eins abbilden will, muss also die betreffenden Aktien verkaufen. Nach heutigem Stand wären Nestlé und Novartis von der Neuregelung erfasst. Auf deren Kurse hat das geplante Manöver der Schweizer Börse zumindest bisher nicht negativ durchgeschlagen – im Gegenteil: Nestlé und Novartis haben in den vergangenen Tagen an Wert gewonnen.

          Bild: F.A.Z.

          Für die Schar der kleineren Aktien im SMI ist die Neugewichtung tendenziell eine gute Nachricht, weil in der Folge Mittel von den ganz großen zu den mittleren und kleinen Titeln umgeschichtet werden: Unternehmen wie Adecco, Geberit, Givaudin, Julius Bär, Swisscom, Swiss Life oder Swatch könnten als Gewinner aus den Umstellungen hervorgehen, schätzen die Analysten von Kepler Cheuvreux. Die geplante Neuordnung wird im Markt insgesamt gutgeheißen, auch wenn sich manche Akteure noch eine stärkere Deckelung der Blue Chips gewünscht hätten.

          Manche Marktteilnehmer haben sich vor der Entscheidung der Six-Gruppe aber auch dafür ausgesprochen, dass es parallel zum neuen SMI weiterhin einen nicht gekappten Index mit den gleichen Titeln geben solle. Den soll es denn auch tatsächlich geben, allerdings sinnvollerweise unter einem anderen Namen. Dieser wird noch gesucht.

          Die Schweizer Börse hat schon einmal probiert, die Schwergewichte auf Diät zu setzen: mit der Einführung des Swiss-Leader-Index (SLI) im Jahr 2007. Doch der SLI fand nie die erforderliche öffentliche Aufmerksamkeit.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Besser mieten, kaufen, wohnen : So erstklassig sind Deutschlands 1-b-Städte

          Alle wollen nach Berlin, München oder Hamburg? Wer eine Immobilie kaufen will, sollte dort nicht länger suchen. Anderswo lässt es sich komfortabler wohnen – und viel mehr Geld verdienen. FAZ.NET zeigt die attraktivsten Städte abseits der Metropolen.

          Chaos bei den Liberalen : Die unklare Kante der FDP

          Die FDP wird in dieser Wahlperiode Opposition sein. Sagt Christian Lindner. Oder vielleicht, hoffentlich, unter gewissen Umständen doch regieren. Sagen andere in der Partei. Ja, was denn nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.