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Aktienmarkt : Warum die Frankreich-Wahl ganz Europa beflügelt

Französische Flagge vor dem Eiffelturm Bild: dpa

Die Finanzmärkte reagieren erleichtert auf den Wahlerfolg des europafreundlichen Kandidaten Emmanuel Macron. Wie nachhaltig ist die gute Stimmung?

          Stefan Kreuzkamp war die Begeisterung regelrecht anzuhören: „Vive la France, es lebe Europa! Und europäische Aktien!“, jubelte der Chefanlagestratege der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank am Montag in seinem Kommentar zur Wahl in Paris – und war damit in guter Gesellschaft. Dass der europafreundliche Kandidat und ehemalige Investmentbanker Emmanuel Macron nach dem ersten Wahlgang gute Chancen hat, in der Stichwahl am 7. Mai zum Präsidenten gekürt zu werden, versetzte die Märkte am Montag regelrecht in Euphorie.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Dax überstieg nach zahlreichen erfolgreichen Anläufen in den vergangenen Wochen seine fast genau zwei Jahre alte Bestmarke von 12.390 Punkten und beendet den Handel 3,4 Prozent höher bei einem Stand von 12.455 Zählern. Der französische Börsenindex CAC-40 legte 4,1 Prozent und erreichte zwischenzeitlich den höchsten Stand seit neun Jahren.

          CAC 40

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          Besonders die Bankaktien gewannen, nachdem sie in den vergangenen Tagen unter dem Szenario eines Wahlsieges extremer Kandidaten schwer gelitten hatten. In Frankreich verzeichnete die Société Générale zeitweise Kursgewinne von gut 9 Prozent, bei Crédit Agricole und bei BNP Paribas waren es jeweils mehr als 8 Prozent. Der Versicherungskonzern Axa legte gut 6 Prozent hinzu. Auch in Deutschland waren vor allem Banktitel gefragt: Die Aktien der Commerzbank legten zeitweise um mehr als 9 Prozent zu, die Deutsche Bank konnte 7,2 Prozent gutmachen.

          COMMERZBANK

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          Die Investoren hatten sich vor der Wahl Sorgen gemacht, dass ein Wahlsieg von Marine Le Pen die Europäische Währungsunion bedrohen könnte und die französischen Banken in Mitleidenschaft ziehen würde. Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon, der eine neue Reichensteuer und ebenfalls den Euroausstieg vorschlug, jagte den Anlegern zusätzlich Angst ein. Diese hat sich nun stark verringert: Le Pen lag im ersten Wahlgang nur auf dem zweiten Platz hinter Macron und blieb damit deutlich hinter früheren Erwartungen zurück.

          Das Ergebnis beflügelte auch den Euro. Die Gemeinschaftswährung sprang zeitweise bis auf 1,0911 Dollar und damit auf das höchste Niveau seit Anfang November. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs noch auf 1,0698 Dollar festgesetzt.

          EUR/USD

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          Auch an den Anleihemärkten war der Wahlausgang von Paris das bestimmende Thema. Zuletzt hatten Befürchtungen eines Durchzugs der Extremen die Risikoaufschläge für französische Papiere in die Höhe schnellen lassen. Am Montag fiel die Rendite für die zehnjährige Anleihe nun auf 0,77 Prozent – den niedrigsten Stand seit Januar.

          Da sich Anleger zudem von den als sicherer Hafen geltenden deutschen Bundesanleihen trennten, stieg deren Rendite wieder an: so verringerte sich der Renditeabstand zwischen französischer und deutscher Anleihe auf 45 Basispunkte, nachdem er in den vergangenen Tagen rund 70 Punkte erreicht hatte. Auch die Staatsanleihen einiger südeuropäischer Staaten profitierten von der politischen Entspannung in der EU.

          Doch ist die Hochstimmung an den Börsen gerechtfertigt? Unwägbarkeiten gibt es noch zur Genüge. Schließlich könnte Marine Le Pen auch im zweiten Wahlgang in zwei Wochen noch Präsidentin werden, und zählt man die Zustimmung für den Linksaußen Mélenchon noch hinzu, haben rund 40 Prozent der Franzosen gegen Europa gewählt. Selbst wenn Macron gewinnt, ist noch ungewiss, wie viel seines Wahlprogramms er ohne eine Partei im Rücken umsetzen kann.

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