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Technische Analyse : Der Dax wird weiter steigen

  • -Aktualisiert am

Am 24.4. überwand der Dax seine rund zwei Jahre alte Bestmarke. Bild: dpa

Der Aufwärtstrend des wichtigsten Index für den deutschen Aktienmarkt ist intakt. Eine bessere Bestätigung als neue Allzeithochs gibt es kaum.

          Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen in der Presse in den vergangenen Jahren Beiträge, die sich mit der Daseinsberechtigung der technischen Analyse befassen. Wie kaum anders zu erwarten, kommen die meisten zu dem Ergebnis, dass technische Analyse nicht funktioniert oder nicht funktionieren kann. Frei nach dem Motto: Was nicht sein kann, darf auch nicht sein.

          Früher erwachte beim Lesen solcher Artikel stets der Missionar in mir. Ich wollte die Welt unbedingt mit Hingabe und großem Eifer von der Vorteilhaftigkeit der technischen Analyse und von der Nichtigkeit der Argumente ihrer Gegner überzeugen. Ob ich dabei immer der ideale Gesprächspartner war, sei dahingestellt. Heute sehe ich die Dinge mit weit mehr Gelassenheit.

          Ein Grund dafür dürfte mit Sicherheit sein, dass ich mir nicht sicher bin, ob die technische Analyse noch funktionieren würde, wenn es gar zu viele mit ihr halten würden. Ein anderer, dass ich mich nicht mehr mit den Informationseffizienzhypothesen der Neoklassik, dem Standardwelterklärungsmodell der Betriebswirtschaftslehre (BWL) zu meiner Studiumszeit, herumschlagen muss. Mit deren Hilfe hatte man mir einst lang und breit erklärt, dass das, was ich nun seit 25 Jahren, wie ich denke, zumindest mit einem gewissen Erfolg mache, gar nicht funktionieren kann. Mittlerweile ist eben auch in der BWL die Erkenntnis angekommen, dass das Weltwirtschaftswunderland der Neoklassik ohne Raum und Zeit ebenso eine Chimäre ist wie der Homo oeconomicus.

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          Aber so ganz sein lassen kann ich es heute dann doch noch immer nicht. Beispielsweise wird häufig behauptet, die technische Analyse funktioniere allein deswegen, weil sie eine „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ (self fulfilling prophecy) sei. Das Verkündete geschähe also allein deshalb, weil sehr viele der Verkündung folgen. In großer Klarheit: Das ist ein echter „Schmarrn“. Bestenfalls ist die Anhängerschar der Fundamentalanalyse groß genug, um diese Idee halbwegs sinnvoll begründen zu können.

          Was bringt die technische Analyse?

          Eine besonders originelle Argumentation las ich erstmals vor wenigen Monaten: Weil nur wenige technische Analysten ihren Beruf wirklich erfolgreich ausüben würden, könne diese Methode nicht viel taugen. Völlig unabhängig von der Frage, ob diese Behauptung den Tatsachen entspricht: Ohne sie beim Namen nennen zu wollen, fallen mir einige Berufsgruppen ein, denen man mit dieser Begründung ihre Arbeitserlaubnis entziehen könnte.

          Immer wieder gern wird auch angeführt, dass die von der technischen Analyse beobachteten Kursmuster wahlweise beliebig oder zufällig sind und die Schlussfolgerungen deshalb auch so sein müssen. Schließlich gäbe es angesichts Millionen verfügbarer Charts immer irgendwo in der Vergangenheit eine Entsprechung zur aktuellen Situation. Für mich ist diese Argumentation zwar falsch, weil sie ganz entscheidende Momente völlig außer Acht lässt.

          Aber statt sie mit akademisch durchgestylten Sätzen zu widerlegen, möchte ich pragmatisch darauf eingehen: Ich halte es viel lieber mit der technischen Analyse, mit einer Methode also, die funktioniert, der aber in den Augen vieler – nicht den meinen – die Begründung fehlt. Gute, aber wenig begründete Prognosen helfen weiter; gut begründete schlechte bestimmt nicht.

          Schließlich durfte ich einst lesen, dass, wie wir ja nun alle wissen, Gott nun einmal würfelt, und deshalb sollten eben auch die Muster an den Finanzmärkten zufälliger Natur sein. Nach einem tiefen Durchschnaufen: Mit der Quantenphysik haben sich weit schlauere Köpfe befasst als wir, und auch sie kamen, wie wir heute wissen, nicht immer zum richtigen Ergebnis. Aber wenn ich schon dabei bin: In der Quantenphysik ist alles wahrscheinlich und nichts sicher. Womit wir wieder bei der technischen Analyse wären: Auch bei ihr dreht sich absolut alles um Wahrscheinlichkeiten – und sonst nichts.

          Bild: F.A.Z.

          Damit zum abgebildeten Chart des deutschen Aktienindex Dax: Er sieht gut aus! Unser wichtigster Aktienindex hat sich unmittelbar nach der Frankreich-Wahl neue historische Bestmarken über denen aus dem Jahr 2015 bei 12.390 Punkten zugelegt und damit auch mein nächstes Dax-Ziel erreicht. Tausende von vergleichbaren Beispielen in der Vergangenheit lassen nur einen Schluss zu: Eine bessere Bestätigung des mittel- und langfristigen Aufwärtstrends als neue Allzeithochs gibt es kaum.

          Alle, die bereit waren, den Dax auf bislang unbekannten Höhen zu kaufen, haben sich dies im Regelfall sehr gut überlegt. Sie zählen im Kostolanyschen Sinne zu den starken Händen, die nicht beim ersten Gegenwind wieder eine Rolle rückwärts machen werden. Ein Anstieg des Dax um 5 bis 7 Prozent sollte auch deshalb, vielleicht nicht unbedingt unmittelbar, aber bis zum Jahresende, allemal drin sein. Wahrscheinlich.

          Quelle: F.A.Z.

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