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Wall Street Zu viele “Regenschirm“-Aktien

18.03.2009 ·  An der Wall Street kosten inzwischen sehr viele Aktien weniger als ein Regenschirm. Ein Problem ist das deshalb, weil viele institutionelle Anleger keine Aktien unter fünf Dollar kaufen dürfen.

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In den vergangenen Handelstagen hat an der Wall Street eine Kurserholung einsetzt. Der S&P-500-Index hat in nur vier Handelstagen fast zwölf Prozent gut gemacht. Aus Anlegersicht ist das zwar sehr erfreulich, doch bildlich gesprochen ist das bislang nur so etwas wie der Tropfen auf den heißen Stein.

Die Kursverluste, die der Bärenmarkt zuvor verursacht hat, sind dadurch jedenfalls noch lange nicht wieder wettgemacht. Wie tief die Spuren sind, die die tobenden Bären in den vergangenen 17 Monaten am amerikanischen Aktienmarkt hinterlassen haben, lässt sich an den Kurstabellen einfach ablesen.

16 Prozent der Aktien im S&P-1500-Index notieren unter fünf Dollar

Noch nie waren die Notierungen so vieler Aktien auf so niedrigem Niveau. So kosteten kurz vor der jüngsten Kurserholung alleine im S&P-1500-Index, der sich aus dem S&P-500-Index, dem S&P MidCap 400 Index und dem S&P SmallCap 600 Index zusammensetzt, 246 Titel weniger als fünf Dollar. Sam Stovall, Chefstratege von Wie Standard & Poor´s formuliert das so: Viele Aktien sind für weniger Geld zu haben als ein Regenschirm in New York kostet, wenn sich ein Platzregen ereignet.

Was der Preis für einen Regenschirm mit dem Aktienmarkt zu tun hat, erschließt sich zwar nicht sofort. Aber Stovall bringt mit zwei Hinweisen Licht in das Dunkel. Von Bedeutung ist diese Analogie, weil es laut Stovall vielen Finanzinstitutionen nicht erlaubt ist, Aktien zu kaufen, deren Kurs unter fünf Dollar liegt. Folglich sind viele institutionelle Anleger gezwungen, sich von solchen Titeln zu trennen, wenn sie diese magische Kursschwelle unterschreiten. Damit verstärkt diese Regel den Kursdruck zusätzlich.

Zudem dürfen sich die betreffenden Anleger erst wieder engagieren, wenn die Marke wieder überschritten wurde, unabhängig davon, ob die Unternehmen nun günstig bewertet sind oder nicht. Damit fallen diese Adressen als Schnäppchenjäger aus. Die Kurse der betroffenen tun sich damit verhältnismäßig schwer, sich wieder zu erholen. Obendrein ist es laut Stovall,l Anlageberatern oftmals nicht erlaubt, Kaufempfehlungen für Aktien mit Kursen von unter fünf Dollar auszusprechen.

Vor allem Finanzwerte und Telekomtitel

Es dürfte wenig überraschen, dass derzeit besonders viele Aktien mit Notierungen unter fünf Dollar aus den Branchen mit den größten fundamentalen Problemen kommen. So notierten im S&P-500-Index 25 Prozent der Finanzwerte unter der kritischen Schwelle. Im S&P-MidCap-400-Index liegen 33 Prozent der Telekomwerte unter 5 Dollar.

Interessantes bringt der Blick auf den Nebenwerteindex S&P-SmallCap-600 zu Tage. Hier notierten mit 26 Prozent deutlich mehr Aktien unter fünf Dollar, was erneut bestätigt, dass im Bärenmarkt Nebenwerte noch stärker unter die Räder gerieten als Standardtitel.

Noch gravierender könnte das Problem werden, wenn es in nächster Zeit noch mehr Schwergewichte treffen sollte. Jüngst notierten schon 16 Prozent der Aktien im S&P-1500 Index-unter fünf Dollar. Sie haben im S&P 500 aber nur ein Gewicht von 1,7 Prozent, im S&P-MidCap-400 von 3,3 Prozent und im SmallCap-600 von 7,7 Prozent.

Weil es sich um marktgewichtete Indizes handelt, hat sich das Phänomen bisher vergleichsweise wenig bemerkbar gemacht. Das könnte sich ändern, wenn sich nach und nach auch mehr Schwergewichte der kritischen Marke nähern sollten.

Natürlich heißt es aufgepasst, wenn Aktien um dieses Niveau notieren. Zum einen besteht die Gefahr, dass der Titel noch einmal richtig abrutscht, wenn er die Marke von 5 Dollar unterschreitet. Zum anderen ergeben sich für Privatanleger aber auch Chancen, wenn ein Titel deutlich unter seinen fairen Wert fällt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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