08.01.2008 · Trotz miserablem Start ins neue Jahr dürften Zinssenkungen der Fed und ansehnliche Unternehmensgewinne 2008 für Rückenwind am Aktienmarkt sorgen.
Von Sam StovallIn unseren Augen hatte der amerikanische Aktienmarkt im zurückliegenden Jahr wahrlich Grund genug, um in den Baissemodus zu wechseln: Öl verteuerte sich um satte 60 Prozent, während der durchschnittliche Eigenheimpreis erstmals seit der Weltwirtschaftskrise zurückging (der S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex sank um 6,1 Prozent) und zur Eintrübung des Verbrauchervertrauens führte.
Im Gefolge sinkender Eigenheimpreise, steigender Ausfälle bei zweitklassigen Krediten und Milliardenabschreibungen aufgrund von Investitionen in problematische Kreditderivate, die zu der noch immer schwelenden Kreditklemme führten, sank das Gewinnwachstum der im Aktienindex S&P-500 vertretenen Unternehmen von 16 Prozent im Jahr 2006 auf annähernd minus ein Prozent im vergangenen Jahr. Zur Jahresmitte waren S&P-Aktienanalysten noch von einem Anstieg von mehr als sieben Prozent auf Jahresbasis ausgegangen.
Solides Gewinnwachstum
Doch ungeachtet dieser potentiell verheerenden Faktoren konnte der S&P-500 im Jahr 2007 um 3,5 Prozent zulegen, während der Dow Jones Industrial Average um 6,4 Prozent anstieg und der Nasdaq Composite um 8,7 Prozent nach oben kletterte. Nach Ansicht von S&P Equity Strategy sind diese Zugewinne unter anderem auf die Erwartungen bezüglich Beschäftigung, Inflation, Unternehmensgewinne, Zinssätze und Ölpreise zurückzuführen.
Der für die Vereinigten Staaten am 4. Januar gemeldete Beschäftigungszuwachs im Dezember fiel mit 18.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft deutlich geringer aus als erwartet, dafür wurden die Zahlen für November nach oben revidiert, und auch der durch einen starken Stellenabbau in der Baubranche verursachte Anstieg der Arbeitslosigkeit auf fünf Prozent kam überraschend.
Doch trotz dieser Entwicklungen geht S&P Economics nicht davon aus, dass der drastische Rückgang der Eigenheimpreise eine tiefe Verbraucherrezession auslösen wird, wie dies Mitte der siebziger und Anfang der achtziger Jahre der Fall war. Nach unseren Prognosen dürfte das Wachstum der Beschäftigung besser ausfallen als von vielen erwartet. Für 2008 rechnet S&P Economics mit einem Anstieg der Beschäftigtenzahl auf durchschnittlich 139,2 Millionen (gegenüber 138 Millionen im Jahr 2007), während 2009 ein Niveau von 140,1 Millionen erreicht wird.
Kein nachhaltiges Inflationsproblem
Zudem sehen wir keinen graduellen Anstieg der Inflation, der die Fed von weiteren Zinssenkungen abhalten würde. Nach unseren Schätzungen wird die Gesamtinflation und die Kernrate (ohne volatile Lebensmittel- und Energiepreise) im laufenden Jahr um 2,1 Prozent zulegen, wobei der auf Jahressicht höchste Zuwachs im ersten Quartal erfolgen wird. Nach unserer Überzeugung konzentriert sich die Fed auf das Abwenden einer Rezession, weshalb sie kurzfristig eine leicht erhöhte Preissteigerungsrate in Kauf nehmen wird.
Die Erwartungen bezüglich des Gewinnwachstums unterstützen nach unserer Ansicht weiterhin den Ausblick für Anleger. Trotz der im Wochenrhythmus nach unten korrigierten Gewinnschätzungen für das Jahr 2007 prognostizieren S&P-Aktienanalysten für 2008 einen Zuwachs der Gewinne pro Aktie für die im S&P-500 vertretenen Unternehmen von 15,7 Prozent im Jahresvergleich. Die Konsensschätzungen an der Wall Street sind nach Angaben von Thompson First Call ähnlich gelagert.
Günstiger Basiseffekt
Die größten Zugewinne sieht S&P in den Sektoren Telekommunikationsdienstleistungen (35 Prozent), dauerhafte Konsumgüter (23 Prozent) und Informationstechnologie (23 Prozent), während die Sektoren Energie (7 Prozent), Grundstoffe (7 Prozent) und Industrie (10 Prozent) die geringsten Gewinnzuwächse pro Aktie erzielen dürften.
Gründe für diese kräftigen Gewinnsteigerungen angesichts einer möglichen Rezession sind die als Vergleichsgrundlage herangezogenen mageren Vorjahreszahlen und die letztlich eintretenden positiven Effekte niedrigerer Zinsen auf das amerikanische Wirtschaftswachstum. Darüber hinaus rechnen wir damit, dass das internationale Wachstum weiter über jenem der Vereinigten Staaten liegen wird.
Ölpreis auf dem Höhepunkt?
Da Prognosen von einem langsameren Wirtschaftswachstum ausgehen und ein unkontrollierter Anstieg der Inflation unwahrscheinlich scheint, dürfte die Fed nach unserer Ansicht ihre Zinssenkungspolitik fortsetzen und den als Schlüsselzins geltenden Satz für Tagesgeld bis zum Sommer auf 3,5 Prozent verringern. Wir rechnen ferner damit, dass die Europäische Zentralbank und die Bank of England dem amerikanischen Beispiel folgen und gegen Jahresmitte Zinssenkungen vornehmen werden.
Der Ölpreis ist in unseren Augen der Unsicherheitsfaktor. Zum ungläubigen Entsetzen vieler ist der Preis für die in den Vereinigten Staaten wichtigste Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) von durchschnittlich 26 Dollar pro Barrel im Jahr 2002 auf unlängst über 100 Dollar gestiegen.
Angesichts dieser Entwicklungen ist man natürlich geneigt, für die absehbare Zukunft weiterhin hohe Ölpreise zu prophezeien. Wir halten dagegen. Für 2008 rechnet S&P Energy Group mit einem Durchschnittspreis für WTI von etwa 76 Dollar.
Die Kollegen vom S&P Investment Policy Committee äußerten kürzlich sogar die Überzeugung, dass sich die Ölpreise in der Nähe ihres Zenits befinden könnten; begründet wurde dies mit der beginnenden Inbetriebnahme großer Öl- und Gasprojekte, dem üblichen saisonalen Rückgang globaler Ölnachfrage im zweiten und dritten Quartal, der prognostizierten Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten und den Auswirkungen hoher Ölpreise auf die Nachfrage.
Anstieg der Indizes nach neuerlichem Test der Tiefs
Damit ist allerdings nicht gesagt, dass in den kommenden Monaten eitel Sonnenschein herrschen wird. Im Gegenteil. Nachdem der S&P-500 am 27. Februar 2007 erstmals seit fast vier Jahren an einem Tag um mehr als zwei Prozent absackte, kam es bislang zu zehn weiteren Kursrückgängen um mindestens zwei Prozent an einem Tag, und nach unserer Einschätzung scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht zu sein. Vor dem Hintergrund der 40prozentigen Wahrscheinlichkeit einer Rezession dürften die maßgeblichen amerikanischen Aktienindizes nach unserer Ansicht zunächst erneut ihre letztjährigen August- und Novembertiefs testen, bevor sie im späteren Jahresverlauf nach oben steigen.
Nach Ansicht des S&P-Chefstrategen Mark Arbeter liegen die kritischen Niveaus des S&P-500 und des Dow Jones unter anderem bei 1.407 beziehungsweise 12.743 Punkten.
Trotz des wenig ermutigenden Starts ins neue Jahr wird der S&P-500 nach unserer Einschätzung gegen Ende 2008 viele Anleger mit einem respektablen Zuwachs von rund zwölf Prozent überrascht haben und in der Nähe des vom Investment Policy Committee formulierten Jahresendziels von 1.650 Zählern schließen.
Also: ?? - !!
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 08.01.2008, 17:22 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |