15.04.2009 · An der Wall Street ist nun große Vorsicht geboten. Nach Ansicht von Analysten sind die nächsten Wochen entscheidend für die Richtung des Marktes. Erschöpft sich der jüngste Aufschwung bald wieder oder ist eine Trendwende in Sicht?
Von Arnd HildebrandAn der Wall Street ist nun große Vorsicht geboten. Der fünf Wochen alte Aufschwung scheint sich rasch seinem Ende zuzuneigen und einer Korrektur zu weichen. Noch immer sprechen wohl die meisten technisch orientierten Analysten von einer Zwischenerholung im Rahmen einer sich fortsetzenden Baisse. Doch zunehmend wird in Anlehnung an das Geschehen in den Jahren 1937 und 1938 auch die Frage diskutiert, ob nicht bereits eine Tendenzwende nach oben hin eingetreten sein könnte. Die jetzt wohl nahende Korrektur und ihre technischen Begleitumstände dürften wesentliche Aufschlüsse über die weitere Entwicklung geben.
Hugh Hendry, einer der Gründer von Eclectica Asset Management, einer britischen Kapitalverwaltungsgesellschaft, die auch einen Hedge-Fonds verwaltet, zeigt sich pessimistisch. Er ist zwar von seiner Herkunft fundamentalistisch orientiert, aber bei seinen Handlungen stark technisch orientiert. Er sieht den amerikanischen Aktienmarkt in einer sehr langen Baisse gefangen. Schon vor Jahren hat Hendry einen Fall des Standard & Poor's 500 Index (S&P 500) auf letztlich fast 300 Punkte vorausgesagt. Gegenwärtig macht er einen wieder erwachten Optimismus und damit neu entfachte Risikobereitschaft unter den Anlegern aus. Dies erinnert ihn an die Reaktion der Märkte auf die Rettung von Bear Stearns im März 2008, und er fragt sich, ob deren Verhalten auf das kürzlich veranstaltete Treffen der zwanzig wirtschaftlich bedeutendsten Länder (G20) nicht von ähnlicher, flüchtiger Euphorie geprägt sein könnte. Hendry erwartet, dass die Aktienmärkte schon bald wieder auf Talfahrt gehen.
Keine Tendenzwende
Walter Murphy, bis vor kurzem bei Merrill Lynch, nun selbständig und auf die Elliott-Wave-Theorie spezialisiert, stellt fest, dass der Anfang März entstandene Aufschwung zwar noch immer intakt ist, aber unter kurzfristigen Aspekten Ermüdungserscheinungen zeigt. Indikatoren, die Aufschluss über die Kräfteverhältnisse gäben, seien zudem „überkauft“. Auch Stimmungsindikatoren wie das Umsatzverhältnis zwischen Verkaufs- und Kaufoptionen an der Chicago Board Options Exchange (CBOE) böten sich eher „überkauft“ dar als nicht. Nicht zuletzt weist der technische Analyst darauf hin, dass der S&P 500 inzwischen eine fünf Wochen lange Aufwärtsbewegung hinter sich hat. Seit dem Gipfel des Jahres 2000 habe es nur drei Phasen gegeben, in denen Aufschwünge noch länger gedauert hätten.
Unter mittelfristigen Aspekten sieht Murphy aber durchaus noch Potential für einen weiterreichenden Anstieg. Mittelfristige Trendindikatoren zeigten an, dass die Tendenz bis Ende Mai/Anfang Juni freundlich bleiben könnte. Auch Stimmungsindikatoren stützten diese Beurteilung. Aus allem schließt der technische Analyst, dass in unmittelbarer Zukunft auftretende Rückschläge nur als Unterbrechung des Anfang März entstandenen Aufschwungs und nicht als Tendenzwende anzusehen wären. Er diskutiert auch die seiner Ansicht nicht völlig von der Hand zu weisende Möglichkeit, dass die gesamte, im Sommer des Jahres 2007 entstandene Baisse mit diesem Aufschwung bereits beendet sein könnte. Diese Einschätzung würde bestätigt, wenn es dem S&P 500 gelingen sollte, die Marke von 945 Punkten zu überschreiten.
Steigende Aktienkurse und hohe Umsätze
Unter Aspekten der Elliott-Wave-Theorie sei noch alles offen, doch es dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen, ob von einer Tendenzwende nach oben hin oder nur von einer ausgedehnten Zwischenerholung im Rahmen einer fortbestehenden Baisse zu sprechen sei, sagt Murphy. Mary Ann Bartels, die technische Chefanalystin von Banc of America Securities-Merrill Lynch (BAS-ML), zeigt sich davon überzeugt, dass sich der laufende Aufschwung fortsetzen wird. Sie diskutiert einige technische Indikatoren, die sie zu diesem Schluss bewegen, und hebt vor allem die Umsatztätigkeit hervor.
In der Woche zum 23. März sei eine Kombination von steigenden Aktienkursen und hohen Umsätzen entstanden, wie sie bei bedeutenden Wendepunkten nach oben hin in den Jahren 1975, 1982 und 1987 zu verzeichnen gewesen sei. Beim S&P 500 würde Bartels einem Überschreiten der Marke von 880 Punkten große technische Bedeutung beimessen. Für diesen Fall nennt sie mögliche Ziele von 1055 und 1065 Punkten.
Jeffrey Saut von Raymond rät zu erhöhter Vorsicht. Nach seinen Beobachtungen erschöpft sich der jüngste Aufschwung nun sehr rasch. Zudem sei der Markt stark „überkauft“. Die Qualität des jetzt zu erwartenden Rückschlags dürfte wichtige Aufschlüsse über das weitere Geschehen geben. Für die Entscheidungen über die weitere Tendenz steckt er einen Zeitrahmen von etwa zwei Wochen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |