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Wall Street Welche Sektoren läuten den Aufschwung ein?

15.05.2009 ·  Das gespannte Warten auf die ersten Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs wird an der Wall Street zu einer regelrechten Obsession. Fachleute verraten, welche Branchengruppen die Führung übernehmen könnten.

Von Ben Steverman
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Das gespannte Warten auf die ersten Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs wird an der Wall Street zu einer regelrechten Obsession. Anleger, die eine Erholung korrekt vorhersagen, könnten ein Vermögen machen, während diejenigen, die zu früh oder zu spät agieren, wohl den Kürzeren ziehen.

Wirtschaftsdaten bieten eine Möglichkeit, einen Blick in die Zukunft zu erhaschen. So zeigten neue Berichte vom 13. Mai, dass im April die Unternehmensvorräte um 1 Prozent und die Einzelhandelsumsätze um 0,4 Prozent geschrumpft waren. Diese enttäuschenden Daten, die der „aufkeimenden Erholung“ zuwiderlaufen, die in anderen kürzlich veröffentlichten Berichten erkennbar war, trugen dazu bei, die maßgeblichen Aktienindizes am 13. Mai wieder auf Talfahrt zu schicken.

Eine andere Möglichkeit besteht jedoch darin, den Aktienmarkt selbst unter die Lupe zu nehmen und diejenigen Branchen und Sektoren zu beobachten, die gute wegweisende Wirtschaftsindikatoren sind. BusinessWeek fragte Anlageprofis, welche Teile des Marktes als zuverlässige Wetterfahnen der Konjunktur gewertet werden können. Diese Frage wird dadurch erschwert, dass man Fehlstarts befürchtet, und dass viele vermuten, eine so ernste Rezession werde nicht in gleicher Weise enden wie frühere, typischere Konjunkturrückgänge.


1. Energie und Rohstoffe

„Die Rohstoffwerte dürften sich als erste erholen“, meint Bruce Bittles, Chef-Investmentstratege bei R.W. Baird. Eine wieder erstarkende Wirtschaft hat einen höheren Rohstoff- und Energiebedarf. Einige dieser Werte haben sich bereits erholt. Der Energiesektor von Standard & Poor's hat 2009 im Ganzen betrachtet 7 Prozent eingebüßt, doch kürzlich konnten die Öl- und Gasbranchen einen Jahresanstieg von 19 Prozent verbuchen. Die Rohstoffwerte haben in der vergangenen Woche 16,5 Prozent zugelegt.

Allerdings sind die Rohstoffmärkte nicht unfehlbar. So erreichten die Ölpreise im vergangenen Jahr nur wenige Monate, bevor die Weltwirtschaft in die Rezession schlitterte, ein Rekordhoch. Gary Wolfer, Chefökonom bei Univest Wealth Management, bezeichnet den Rebound bei den Rohstoff- und Energiewerten als „Fehlstart“. In Bereichen wie Erdgas etwa führt Wolfer die Erholung nicht auf einen Wirtschaftsaufschwung zurück, sondern darauf, dass „sich die Produktion endlich an die Nachfrage anpasst.“

2. Transportaktien

Immer dann, wenn sich die Wirtschaft aufwärmt, bekommen die Spediteure in den Vereinigten Staaten viel zu tun. Die Transportvolumina waren Ende 2008 eingebrochen, als die Wirtschaft zum Stillstand kam. Laut Longbow Research gibt eine am 11. Mai veröffentlichte Umfrage von LKW-Fahrern Anlass zur Hoffnung. Im März sagten 64 Prozent der LKW-Fahrer eine negative Nachfrageentwicklung voraus, im April war ihr Anteil auf 39 Prozent gefallen.

Für einen ungetrübten Optimismus könnte es jedoch zu früh sein, meint Longbow-Analyst Lee Klaskow. Der Wandel könnte durch saisonale Entwicklungen oder Verlagerungen von Marktanteilen bedingt sein, oder auch durch einen „konjunkturellen Aufwärtstrend“, schrieb er, und fügte hinzu, „Letzteres bezweifeln wir stark.“

Keith Hembre, Chefökonom von First American Funds, warnt davor, dass Speditionen in Wirklichkeit ein hinterher hinkender Indikator sein könnten. Die Wirtschaft könnte sich erholen, während die Transportvolumina auf niedrigem Niveau verharren, da die Unternehmen eher ihre alten Bestände veräußern als neue Vorräte zu bestellen.

3. Technologie

Michele Gambera, Chefökonom bei Ibbotson Associates, einer Tochtergesellschaft von Morningstar, sagt, er verfolge exportorientierte Unternehmen ganz genau. Ein wichtiger Faktor für die amerikanische Wirtschaft sei der Zustand der Weltwirtschaft, und Exporteure könnten frühzeitige Rückschlüsse auf die Aktivität im Ausland erlauben.
Technologieunternehmen produzieren „ein globales Produkt“, merkt Hembre an. So wurden im vergangenen Quartal 48 Prozent der Umsätze des Softwaregiganten Oracle außerhalb des amerikanischen Kontinents erzielt.

Die Ausgaben für Technologie, insbesondere für PCs, sind ebenfalls ein gutes Maß für die Ausgabebereitschaft der Verbraucher, meint Michael Yoshikami, Präsiden von YCMNET Advisors. Eine Führungskraft von Intel ließ am 12. Mai verlauten, dass die Chip-Aufträge in diesem Quartal „etwas besser als erwartet“ ausfielen. Der S&P-Sektorindex Technologie hat in den vergangen 13 Wochen 20 Prozent zugelegt.

4. Einzelhandel

Der amerikanische Verbraucher zeichnet für mehr als drei Viertel der US-Wirtschaft verantwortlich. Daher spielt die Aktivität im Einzelhandel eine bedeutende Rolle. Und das beste Maß dafür, wie die Verbraucher in die Zukunft sehen, dürfte ihre Lust auf teure Produkte sein. „Wenn die Leute ein besseres Gefühl bezüglich der Wirtschaftslage haben, tätigen sie größere Einkäufe“, glaubt Gambera.

Folglich waren die Daten der Einzelhandelsumsätze vom April besorgniserregend. In der Möbelbranche fielen die Umsätze im Vorjahresvergleich um 14,2 Prozent, während die Autoverkäufe um 20,7 Prozent einbrachen und die Ausgaben in Kaufhäusern um 6,1 Prozent zurückgingen.

Es könnte „in diesem Sommer zu einem rapiden Anstieg der Verbraucheraktivität kommen“, meint Bittles. Allerdings könne es sich hierbei um einen temporären Anstieg handeln, der von niedrigeren Steuern, staatlichen Stimuli und sinkenden Energiepreisen getragen wird.

Langfristig bestehen Zweifel, dass die Verbraucher tatsächlich Triebkräfte eines Aufschwungs sein können. Einer der vielen Gründe, die die Ökonomen anführen: Arbeitslosigkeit und Verbraucherschulden sind einfach zu hoch.

„Es wäre unrealistisch, eine starke Erholung der Verbraucherausgaben zu erwarten“, sagt Yoshikami. Wahrscheinlicher sei es, dass sich die Ausgaben innerhalb der Einzelhandelsbranche verlagern, etwa von Luxusläden zu Discountern.

Wer nach klaren, eindeutigen wirtschaftlichen Signalen aus den maßgeblichen Aktienmarktsektoren sucht, könnte enttäuscht sein. Die Märkte erwecken oftmals Hoffnungen, die bald darauf wieder zerschlagen werden. Dennoch bieten Unternehmen und Branchen zuweilen wertvolle Anhaltspunkte für die Richtung, die die Wirtschaft einschlägt, wenn man weiß, wie diese zu interpretieren sind.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: Business Week Online
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