31.03.2009 · Die Gewinnerwartungen für die im S&P-500 abgebildeten Unternehmen gehen kontinuierlich zurück. Für das erste Quartal glauben die Analysten nun für kein einziges der zehn Segmente mehr an eine Gewinnsteigerung. Auch langfristig ist keine Erholung zu erwarten.
Von Norbert Kuls, New YorkDie Börsianer an der Wall Street werden nach der kräftigen Kurserholung der großen Aktienindizes in den vergangenen Wochen wieder unsicher. Das signalisiert die Kurskorrektur der vergangenen Börsensitzungen, die vor allem Bankenwerte und konjunktursensible Werte getroffen hatte. Ab Dienstag erholten sich die Börsenkurse im frühen Handel allerdings wieder etwas von den zwischenzeitlichen Rückschlägen.
Neben der Angst vor einer Insolvenz der großen Autohersteller General Motors und Chrysler sorgt die in den kommenden Wochen anstehende Berichtssaison für die Gewinne des ersten Quartals für Unsicherheit. „Die riesige Kurssteigerung war nicht wirklich gerechtfertigt. Es gibt eine Menge negativer Faktoren am Horizont“, sagt Peter Jankovskis, Chefanleger beim Wertpapierhaus Oak Brooks.
Gewinnsteigerung in keinem einzigen Segment
Die Gewinnerwartungen für die im breitgefassten Aktienindex S&P 500 abgebildeten Unternehmen gehen kontinuierlich zurück. Analysten an der Wall Street rechnen für das erste Quartal gegenüber dem Vorjahr jetzt durchschnittlich mit einem Rückgang der operativen Gewinne um 35,6 Prozent. Vor drei Monaten, am Anfang des Quartals, hatten die Auguren noch einen Rückgang von nur 12,5 Prozent prognostiziert, berichtet der Finanzinformationsdienst Thomson Reuters. Schon die Ergebnisse für das vierte Quartal waren mit einem Minus von 67 Prozent viel schlechter ausgefallen als zunächst erwartet.
Für das erste Quartal glauben die Analysten nun für kein einziges der zehn Segmente im S&P 500 mehr an eine Gewinnsteigerung. Das wäre das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, dass von Konsumgüterherstellern bis zu Stromversorgern keine Branche mehr ihre Gewinne steigern könnte.
Auch die an der Wall Street üblichen eigenen Vorhersagen der Unternehmen bieten wenig Anlass zur Hoffnung. Das Verhältnis von negativen zu positiven Vorhersagen hat sich verschlechtert. Auf 91 Warnungen vor schwächeren Gewinnen kamen nur 20 positive Presseerklärungen. Dieses Verhältnis hat sich damit von 4 im vierten Quartal auf jetzt 4,6 erhöht. „Das liegt aber immer noch unter den Extremwerten, die während des Platzens der spekulativen Blase bei den Technologiewerten in den Jahren 2000 und 2001 erreicht wurde“, schränkt Tobias Levkovich ein, der Stratege für den amerikanischen Aktienmarkt bei der Großbank Citigroup.
Gewinnwachstum größtenteils durch Hausbau-Branche
Die schwachen Gewinnerwartungen werden nach Ansicht von Levkovich aber nicht zwingend fallende Aktienkurse bedeuten. „Aktienkurse reagieren auf die Gewinne in Relation zu den Erwartungen“, sagt Levkovich, der langfristig keine starke Erholung der Unternehmensgewinne erwartet. Die aktuellen Aktienkurse preisen nach Ansicht von Levkovich aber ein konjunkturelles Umfeld ein, das der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre ähnelt. „Das deutet darauf hin, dass der Markt von einem minimalen Gewinnwachstum ausgeht, was das Risiko weiterer Kursverluste begrenzt“, meint Levkovich.
Angesichts der Rezession prognostizieren Analysten im S&P 500 den stärksten Wachstumsrückgang bei Segmenten, die besonders stark auf Konjunkturtrends reagierten - zyklische Konsumwerte sowie Grundstoffhersteller. Bei zyklischen Konsumwerten ist die Autobranche mit einem erwarteten Verlust von 8,9 Milliarden Dollar der größte Hemmschuh für das Gewinnwachstum. Die Hausbau-Branche, die im Zentrum der von dem Abschwung im amerikanischen Häusermarkt ausgelösten Finanz- und Wirtschaftskrise steht, dürfte trotz erwarteter Verluste aber immer noch den größten Beitrag zum Gewinnwachstum dieses Segments leisten.
Erste Rückzahlung staatlicher Bankenhilfe
Den vergleichsweise geringsten Gewinnrückgang dürften weniger schwankungsanfällige Gesundheitswerte sowie nicht-zyklische Konsumwerte verbuchen. Die Erholung des Dow Jones und des breiter gefassten Aktienindex S&P 500 von den am 9. März markierten Tiefständen war vor allem von der Hoffnung auf eine Stabilisierung des Geschäfts bei Banken getrieben worden. Es gab einige Banken, die die baldige Rückzahlung staatlicher Hilfen in Aussicht stellten und von einem profitablen Jahresauftakt berichteten.
Aber die Vorstandschefs der Banken J.P. Morgan Chase und der Bank of America sprachen - ohne allzu konkret zu werden - jüngst von einem schwierigen Geschäft im März. Der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner sagte, dass einige Banken wahrscheinlich weitere staatliche Hilfe benötigten. Das Finanzministerium führt derzeit Belastungstests für Banken durch, um deren Kapitalbedarf bei einer anhaltenden Rezession zu bestimmen. Banken brauchen Kapital, um Risiken abzufedern. Diese Stresstests müssen bis Ende April abgeschlossen sein. Auch das sorgt für Unsicherheit an der Börse.
Der Schoss ist fruchbar noch ...
Uwe Weber (uwe_a_weber)
- 01.04.2009, 08:44 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |