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Wall Street Starker Auftakt für Bilanzsaison

08.10.2009 ·  Alcoa hat die Bilanzsaison in Amerika eröffnet - und zum ersten Mal nach neun Monaten wieder einen Gewinn ausgewiesen. Nach den jüngsten Kursgewinnen müssen nun auch andere Konzerne ihre Prognosen übertreffen.

Von Norbert Kuls, New York
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Die vierteljährliche Bilanzsaison an der Wall Street hat mit einer überraschend positiven Nachricht begonnen. Der amerikanische Aluminiumhersteller Alcoa hat am Mittwoch nach Börsenschluss für das dritte Quartal aufgrund von Kostenkürzungen und leichten Anzeichen einer Nachfragebelebung erstmals seit neun Monaten wieder einen Gewinn ausgewiesen - obwohl Analysten mit einem neuerlichen Verlust gerechnet hatten. Der Aktienkurs des vom Deutschen Klaus Kleinfeld geführten Unternehmens reagierte darauf im frühen Handel am Donnerstag mit kräftigen Kursaufschlägen. Auch die großen Barometer für den amerikanischen Aktienmarkt, der Dow Jones Industrial Average und der S&P 500, legten zu.

Alcoa markiert den inoffiziellen Auftakt der Bilanzsaison an der Wall Street, weil der Konzern traditionell das erste Mitglied des Dow-Jones-Index ist, das Ergebnisse vorlegt. Ob sich der positive Auftakt als Trend in den kommenden Wochen fortsetzen kann, ist die an der Wall Street derzeit am heißesten diskutierte Frage. Der Grund: Die Aktienkurse sind seit den Tiefständen im März in Erwartung einer Erholung von Konjunktur und Unternehmensgewinnen bereits um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Die Erwartungen für die Quartalszahlen, die die Aktienkurse vorwegnehmen, sind also hoch. Die Resultate der Unternehmen für das vergangene sowie die neuen Prognosen für das aktuelle Quartal werden nach Ansicht von Analysten das weitere Schicksal der jüngsten Hausse bestimmen. „Das dritte Quartal wird sehr aufschlussreich sein. Wir müssen sehen, ob wir den Kurs halten und weiter nach Plan vorgehen“, sagte Howard Silverblatt, Analyst beim Informationsdienst Standard & Poor's.

Gewinnrückgang von 24 Prozent erwartet

Unternehmensgewinne stehen im Zentrum des Interesses an der Börse, weil sie langfristig die wichtigste Triebfeder für Aktienkurse sind. Aktien verbriefen Anteile an Unternehmen. Auch für deutsche Anleger ist die amerikanische Bilanzsaison relevant, weil die Börsen an der Wall Street häufig den weltweiten Trend bestimmen. In der kommenden Woche werden sechs weitere Komponenten des Dow Jones sowie 25 der im S&P 500 abgebildeten Standardwerte ihre Ergebnisse vorlegen. Der Höhepunkt der Bilanzsaison folgt in den Wochen ab 19. Oktober.

Insgesamt rechnen Analysten für das dritte Quartal derzeit noch mit einem durchschnittlichen Rückgang der operativen Gewinne um 24,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters wäre dies schon das neunte Quartal in Folge mit einem rückläufigen Trend. Die Prognosen sind gegenüber dem Anfang des Quartals sogar etwas zurückgegangen, weil Analysten Gewinnschätzungen für Finanzdienstleister, Industriekonzerne und Energieunternehmen zurückgenommen hatten. Gewinnwachstum erwarten die Auguren im dritten Quartal nur für Finanzinstitute und konjunkturabhängige Konsumtitel, zu denen etwa Autohersteller und Hausbauunternehmen gehören. Dies ist aber zum Teil die Folge einfacher Vergleiche mit den extrem schwachen Ergebnissen des Vorjahresquartals. Damals hatte die Finanzkrise mit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers und der staatlichen Rettungsaktion für den Versicherer American International Group (AIG) ihren Höhepunkt erreicht. Besonders AIG verzerrt das Bild, weil sich dessen aktuelles Ergebnis im Vergleich zu den dramatischen Milliardenverlusten im Vorjahr wieder erholt hat. Ohne Berücksichtigung von AIG käme der restliche amerikanische Finanzsektor auf einen Gewinnrückgang von 29 Prozent.

Niedriger Dollar-Kurs treibt Gewinne

Dennoch hoffen die Analysten an der Wall Street auf eine nachhaltige Wende ab dem aktuellen vierten Quartal. „Die geschätzten Wachstumsraten für die Gewinne im S&P 500 vom vierten Quartal 2009 an bis zum dritten Quartal 2010 belaufen sich auf 193 Prozent, 35 Prozent, 19 Prozent und 31 Prozent“, schreiben die Analysten von Thomson Reuters.

Aber selbst diese Wachstumsraten dürften nicht ausreichen, um steigende Aktienkurse zu rechtfertigen. Nach Ansicht von Jeff Kleintop, der beim Wertpapierhaus LPL Financial die Anlagestrategie verantwortet, müssen Unternehmen deutlich besser abschneiden als bisher erwartet. „Es muss einen neuen Rekord beim Übertreffen der Prognosen geben“, sagte Kleintop. Im zweiten Quartal war das fast drei Viertel der Unternehmen gelungen.

Börsianer werden nicht nur auf die Gewinne, sondern auch auf die Umsatzzahlen der Aktiengesellschaften achten. „Bisher haben überwiegend Kostenkürzungen für die Verbesserungen bei den Gewinnen gesorgt und Umsatzwachstum wird der Schlüssel für die Reaktion des Aktienmarktes sein“, meint Robert Kavcic, Ökonom beim Wertpapierhaus BMO Nesbitt Burns. Die Umsatzentwicklung ist ein wichtiger Indikator für die Ausgaben von Firmenkunden und Privatverbrauchern.

Die Ergebnisse der großen amerikanischen Unternehmen dürften nach Ansicht von Kavcic auch vom relativ niedrigen Dollar-Kurs profitieren. Der Gewinn und der Umsatz international tätiger Konzerne fallen dabei höher aus, weil sie die im Ausland erwirtschafteten Erträge in amerikanischen Dollar ausweisen. Gleichzeitig haben die Konzerne Vorteile im Wettbewerb mit Konkurrenten, die nicht im Dollar-Raum produzieren.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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