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Wall Street Noch Raum für steigende Kurse

20.05.2009 ·  Immer mehr Kleinanleger kommen an die Börse zurück. An Wall Street ist noch nicht entschieden, ob der Anfang März entstandene Aufschwung nur eine Zwischenerholung oder der Beginn einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung ist. Die Aufwärtsdynamik lässt Analysten zufolge jedoch nach.

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An der Wall Street ist noch immer nicht entschieden, ob der Anfang März entstandene Aufschwung nur eine Zwischenerholung im Rahmen einer sich fortsetzenden Baisse ist oder aber der Beginn einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung. Doch es wird nach Ansicht technisch orientierter Analysten nicht mehr lange dauern, bis das Urteil fällt. Erste Anzeichen deuten nach Meinung zahlreicher Techniker darauf hin, dass die Entscheidung zunächst zugunsten der Baissiers fallen wird. Die Einschränkung „zunächst“ gilt für den Fall, dass nun eine größere Korrektur eintreten sollte, der nach wenigen Wochen ein neuer, deutlicher Aufschwung folgen würde.

Zu den eher allgemeinen Argumenten zählt, dass sich der amerikanische Aktienmarkt unter mittelfristigen Aspekten in einer „überkauften“ Lage befindet. Daneben werden immer wieder ungünstige jahreszeitliche Einflüsse angeführt. Konkreter werden die Techniker, wenn sie von zunehmenden negativen Divergenzen oder Nichtbestätigungen sprechen. Sie entstehen, wenn sich Indizes oder technische Indikatoren gegenläufig entwickeln und Risse in der Struktur einer größeren Bewegung erkennen lassen.

Gegen die Masse stemmen

Jeffrey Saut, ein auch technisch argumentierender Stratege von Raymond James, bleibt auf mittlere Sicht grundsätzlich optimistisch. Er hebt jedoch hervor, dass die aufstrebende Dynamik des vor etwa zehn Wochen entstandenen Aufschwungs bereits am 17. April gebrochen wurde. Von diesem Zeitpunkt an hätten Gewinne nur noch in Ausnahmefällen erzielt werden können, auch wenn die meisten Indizes danach weiter gestiegen seien.

Saut hält es für bemerkenswert, dass die Technologiewerte zuletzt deutlich nach unten korrigiert haben und dass die Schwäche der Indizes nun stärker von diesen Titeln geprägt worden sei als von den Aktien des Finanzbereichs, die zuvor der Klotz am Bein des gesamten Marktes gewesen seien.

Walter Murphy, ein unabhängiger Techniker, der bis vor kurzem bei Banc of America Securities-Merrill Lynch (BAS-ML) vor allem für die „Elliott-Wave-Theory“ zuständig war, hält es für möglich, dass der beste Aufschwung seit dem Ende der Hausse im Jahr 2007 vorüber ist. Zwar sind die Würfel in dieser Frage seiner Meinung nach noch nicht gefallen, doch gibt ihm ein Artikel, der am vergangenen Samstag in der „New York Times“ erschienen ist, zu denken. Darin sei dargelegt worden, dass Kleinanleger nun wieder direkt oder über Investmentfonds in Aktien drängten. Murphy wertet dieses als Signal im Sinne der „gegensätzlichen Meinung“ (contrary opinion) - und damit als Aufforderung, sich gegen die Masse zu stemmen und mit sinkenden Kursen zu rechnen.

Entscheidender Widerstand beim S&P 500

Daneben weist der Techniker darauf hin, dass in der vergangenen Woche nur noch zwei der Branchen, die im Index Standard & Poor's 500 (S&P 500) enthalten sind, Gewinne zu verzeichnen vermochten. Er wertet dies als deutlichen Hinweis darauf, dass die aufstrebende Dynamik erschöpft sein könnte. Dennoch hält er es für möglich, dass sich der Aufschwung noch bis in den Juni hineinschleppt. Dabei dürften sich seiner Meinung nach jedoch die negativen Divergenzen sowohl qualitativ als auch quantitativ mehren. Als besonders kritisch bezeichnet er den Bereich von 944 Punkten beim S&P 500. Dort scheine ein entscheidender Widerstand zu liegen. Aktuell liegt dieser Index bei rund 910 Punkten.

Viele Techniker befassen sich auch mit der Lage an den Märkten für amerikanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 und von 30 Jahren. Was sich hier ereignet, könnte Aussagen zur weiteren konjunkturellen Entwicklung und damit auch zu den fundamentalen Bedingungen für den Aktienmarkt zulassen, heißt es. Saut glaubt bei den dreißigjährigen Titeln einen massiven, steigende langfristige Zinsen ankündigenden Kursgipfel zu erkennen.

Zudem hätten die Kurse dieser Papiere ihren gleitenden Durchschnitt von 200 Tagen unterschritten. Murphy urteilt ähnlich. Er spricht sogar von der Möglichkeit, dass hier ein historischer Kursgipfel entstehen könnte. Die Umstände, unter denen hier die nächste Erholung verlaufen werde, dürfte zuverlässigere Schlüsse zulassen, meint der Techniker und merkt an, Ähnliches gelte für zehnjährige Staatsanleihen.

Mary Ann Bartes, die Cheftechnikerin von BAS-ML, stellt anhand amtlicher Daten fest, dass große Spekulanten am Terminmarkt für dreißigjährige Anleihen massiv auf der Baisse-Seite liegen. Ähnlich verhalte es sich bei zehnjährigen Titeln. In beiden Fällen besteht ihrer Ansicht nach ein beträchtliches technisches Potential für steigende Kurse beziehungsweise sinkende Zinsen. Bartels erwartet, dass die Rendite zehnjähriger Papiere in den nächsten Monaten in den Bereich von 1,5 bis 2 Prozent sinken wird.

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