10.02.2009 · Microsoft erzielt regelmäßig hohe Mittelzuflüsse und verfügt über eine gut gefüllte Kasse. Analysten sehen in der Aktie daher eine vergleichsweise sichere Anlage. Zu derzeitigen Kursen sei das Chance-Risiko-Profil der Weltmarke jedenfalls sehr gut.
Von Gene MarcialNachdem professionelle Investoren zunehmend von einer bevorstehenden Bodenbildung des Aktienmarktes sprechen, richten sich die Blicke verstärkt auf Substanz- und Technologieaktien, die in den vergangenen zwei Jahren kräftig Federn lassen mussten. Nach Meinung von Experten dürften sie aber ganz vorn dabei sein, sobald der Markt zu einer Trendwende ansetzt. Substanzaktien seien mit Blick auf mehrere Bewertungskennzahlen (darunter das Kurs-Gewinn-Verhältnis) attraktiver geworden, meint John Linehan, Fondsmanager des sechs Milliarden Dollar schweren Value Stock Fund von T. Rowe Price.
Anleger könnten bereits mit dem Erwerb einer einzigen Position - der Microsoft-Aktie - von der bevorstehenden Aufwärtsbewegung der Substanz- und Technologiewerte profitieren. Nach Ansicht von Linehan sei der weltgrößte Softwarekonzern mit einer Marktkapitalisierung von 158 Milliarden Dollar aber nicht nur ein unterbewerteter Technologietitel, sondern auch ein sicherer und lukrativer Substanzwert.
Aktienkurs binnen eines Jahres halbiert
Zugegeben, die Microsoft-Aktie hat eine enttäuschende Kursentwicklung hinter sich. Von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 32,10 Dollar am 24. April 2008 sackte sie bis zum 23. Januar 2009 auf 16,75 Dollar ab. Bis zum 6. Februar konnte das Papier jedoch auf 19 Dollar zulegen, und das, obwohl Microsoft im Januar enttäuschende Zahlen für sein am 31. Dezember 2008 beendetes zweites Geschäftsquartal bekanntgab. Das Unternehmen meldete einen Gewinn von 47 Cent je Aktie und einen Umsatz von 16,6 Milliarden Dollar, während Analysten im Schnitt mit einem Gewinn von 49 Cent je Anteilsschein und Umsatzerlösen in Höhe von 17 Milliarden Dollar gerechnet hatten.
Von den 34 Wall-Street-Analysten, die die Microsoft-Aktie abdecken, spricht jedoch keiner eine Verkaufsempfehlung aus. Im Gegenteil: Eine Mehrheit von 22 Analysten empfiehlt das Papier zum Kauf, während 12 zum Halten raten. Linehan zufolge sei die Microsoft-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 9,5 auf Basis der für 2009 geschätzten Gewinne deutlich unterbewertet. Nach seiner Meinung wäre in einem „normalen“ Aktienmarkt ein KGV von 13 bis 14 gerechtfertigt. Für das laufende Jahr prognostiziert er einen Gewinn von rund 1,85 Dollar je Aktie, während er für 2010 mit 2,25 Dollar rechnet.
Linehan sieht in Microsoft unter anderem aufgrund seiner starken Unternehmensbilanz eine attraktive Substanzaktie. Der Softwarekonzern generiere jeden Monat einen freien Mittelzufluss von etwa einer Milliarde Dollar und verfügte im Juni 2008 über liquide Mittel von 24 Milliarden Dollar und das nach Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufen in zweistelliger Milliardenhöhe.
Ziemlich sichere Dividendenrendite
Dies lasse nach Linehan auf eine ziemlich sichere Dividendenrendite von 3 Prozent schließen. Daneben nimmt Microsoft Kostensenkungen vor, zu denen auch der Abbau von 5000 der 91.000 Arbeitsplätze zählt. Nach Einschätzung von Linehan dürfte Microsoft mit seinen Produktneuheiten, unter anderem mit dem neuen Betriebssystem Windows 7, die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich ziehen. Nach den Plänen von Microsoft soll Windows 7 im nächsten Jahr auf den Markt kommen, gefolgt von einer verbesserten Version des Office-Programmpakets. Darüber hinaus stößt die Softwareschmiede auf neues Terrain vor, etwa beim „Cloud Computing“. Hierbei betreibt Microsoft seine Produkte auf eigenen Rechenzentren, worauf die Kunden ohne den Erwerb zusätzlicher Software über das Internet zugreifen können.
Gerüchten zufolge soll Microsoft auch die Einführung eines eigenen Smartphones planen. Damit würde das Unternehmen in direkte Konkurrenz zum iPhone von Apple und zum Blackberry von Research In Motion treten. Sollte dieses neue Gerät zum Verkaufsschlager werden, dann würde die Microsoft-Aktie zumindest kurzfristig nach oben schießen.
Konjunktureintrübung bereits über Gebühr eingepreist
Kevin Buttigieg, Analyst beim Vermögensverwalter Stanford Group, verweist darauf, dass die Aktie von Microsoft in den vergangenen vier Jahren mit einem durchschnittlichen KGV von 19 gehandelt wurde, wobei das Hoch bei 23 und das Tief bei 15 lag. Die Konjunktureintrübung wirke sich zwar negativ auf die Geschäftstätigkeit des Konzerns aus, was im Kurs der Aktie jedoch bereits über Gebühr eingepreist sei, so Buttigieg. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf und formuliert ein 12-Monats-Kursziel von 24 Dollar. Aktuell kostet die Aktie knapp 20 Dollar.
Nach Ansicht von S&P-Analyst Jim Yin konzentriere sich Microsoft auf die Schaffung einer „nahtlosen Benutzererfahrung über mehrere Geräte hinweg - von PCs über PDAs bis zum Home Entertainment“. Er ergänzt, dass Microsoft weiterhin eine beherrschende Stellung auf dem Markt für Desktop-Betriebssysteme einnehme. Vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Weltwirtschaft gibt sich Yin mit einer Halten-Empfehlung jedoch zurückhaltend.
Attraktives Chance-Risiko-Verhältnis
James Ragen, Analyst beim Wertpapierhaus Crowell Weedon, betrachtet Microsoft aufgrund seiner Finanzkraft und der aktuell günstigen Aktienbewertung als attraktive Kaufgelegenheit. Die solide Finanzsituation komme dem Unternehmens während der Konjunkturabschwächung und der Finanzkrise zugute. Ragen spricht eine Kaufempfehlung aus und setzt ein 12-Monats-Kursziel von 30 Dollar. „Microsofts Bilanz- und Cashflow-Stärke ist ein großer Wettbewerbsvorteil“, konstatiert Ragen. „Wir sind uns zwar bewusst, dass die Microsoft-Aktie auf kurze Sicht nur begrenzte Kurstreiber aufzuweisen scheint, sehen auf dem derzeitigen Niveau jedoch eine attraktive Austauschbeziehung zwischen Chancen und Risiken“, so Ragen. Microsoft sei ein „Überlebender“ und ein finanziell sicheres Investment. Nach seiner Ansicht sei Microsoft in der Lage, den Softwaresektor auch weiterhin zu dominieren. Die Aktie scheint ein beträchtliches Kurssteigerungspotenzial zu bieten.
Dan Natoli, Geschäftsführer des unabhängigen Analysehauses Matrix sieht in Microsofts „starker Entwicklung“ in Verbindung mit dem äußerst niedrigen Risikoprofil „ein insgesamt sehr hohes risikoadjustiertes Wertschöpfungspotenzial“. Bei den meisten institutionellen Investoren und in den Portfolios zahlreicher Kleinanleger zählte die Microsoft-Aktie einst zu den Kerninvestments. In jüngster Zeit haben sich mehrere Großinvestoren von dem Papier getrennt, darunter der Capital World Growth and Income Fund der Kapitalanlagegesellschaft American Funds, der am 31. Dezember 2008 16,9 Millionen Anteile auf den Markt warf. Dem Ausstieg einiger professioneller Investoren stand jedoch der Einstieg anderer institutioneller Anleger gegenüber, unter ihnen die Fondsgesellschaften Franklin Resources und Vanguard Group, die am 31. Dezember 2008 108,9 Millionen oder. 2,4 Millionen Aktien kauften.
Weltmarke als Unternehmenswert
Die Weltmarke Microsoft stellt nach wie vor einen erheblichen Vermögenswert für die weiterhin historisch günstig bewertete Aktie dar. Für Anleger auf der Suche nach Investmentchancen könnte sich ein näherer Blick auf den Softwaregiganten vielleicht auszahlen.
Vorsicht!
norbert doerre (ndoerre)
- 10.02.2009, 14:26 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |