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Wall Street Investmentbanken im Sonderangebot

Schleppende Geschäftsentwicklung und schärfere regulatorische Auflagen: Allein im November wurden bereits zwei Übernahmen von Investmentbanken angekündigt.

© REUTERS Vergrößern Unter neuem Dach: Mitarbeiter von Jefferies an der New Yorker Börse

An der Wall Street gibt es kleine und mittelgroße Investmentbanken im Sonderangebot. Allein im November wurden zwei Übernahmen in diesem Marktsegment angekündigt - die Folge einer allgemein schleppenden Geschäftsentwicklung und schärferer regulatorischer Auflagen. In dieser Woche gab die mittelgroße Investmentbank Jefferies Group ihren Verkauf an die New Yorker Anlagegesellschaft Leucadia National bekannt. Leucadia, die der Gesellschaft des berühmten Investors Warren Buffett ähnelt und daher oft als „Baby-Berkshire“ bezeichnet wird, zahlt 2,8 Milliarden Dollar für die Mehrheit an Jefferies, an der sie bereits eine Minderheitsbeteiligung gehalten hatte. Insgesamt wird Jefferies mit 3,7 Milliarden Dollar bewertet.

Norbert Kuls Folgen:  

Anfang des Monats hatte die in St. Louis beheimatete Investmentbank Stifel Financial die Übernahme des kleineren New Yorker Konkurrenten KBW für 575 Millionen Dollar. Die auch als Keefe, Bruyette & Woods bekannte Wall-Street-Bank ist auf die Beratung bei Fusionen und Übernahmen in der Finanzbranche spezialisiert. Die Zahl der Transaktionen in diesem Marktsegment war in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. „Das Geschäft ist praktisch verdunstet“, kommentierte der unabhängige Analyst Michael Flanagan. Auch andere kleinere Wettbewerber an der Wall Street stehen offenbar zum Verkauf. Stifel soll auch an der Übernahme der kleinen Investmentbank Gleacher & Co. interessiert sein. Das Wertpapierhaus Rochdale ist nach Medienberichten auf der Suche nach einer Kapitalspritze, nachdem ein Händler sich mit Aktien des Computerkonzerns Apple verzockt hatte.

Vertrauensentzug führt zum Kollaps

Jefferies gehörte zusammen mit Stifel bisher zu den Nutznießern der Finanzkrise, die mehrere Investmentbanken in Schieflage gebracht hatte. Jefferies hatte zahlreiche Wertpapierhändler und Investmentbanker von angeschlagenen oder zusammengebrochenen Konkurrenten übernommen. Stifel hat bereits mehrere kleinere Anbieter akquiriert und wettet auf eine Erholung der Branche.

Gerüchte über verlustträchtige Engagements in europäischen Staatsanleihen hatten Jefferies vor einem Jahr allerdings selbst unter Druck gebracht. Die Spekulationen folgten auf den Konkurs des amerikanischen Wertpapierhauses MF Global, das große Wetten in Europa eingegangen war. Dazu kam eine Abstufung der Bonität von Jefferies durch die kleine, aber einflussreiche Ratingagentur Egan-Jones. Jefferies reduzierte daraufhin seine Engagements in Europa und sorgte für größere Transparenz.

Es gelang knapp, dass für das Überleben von Investmentbanken entscheidende Vertrauen von Handelspartnern und Investoren zu halten. Investmentbanken finanzieren sich am Kapitalmarkt. Entziehen Investoren einer Investmentbank Vertrauen und Kredit kommt es - wie im Fall von Lehman Brothers vor vier Jahren - zum Kollaps.

Sammelsurium von Unternehmen

Leucadia, die seit 2008 Anteile an Jefferies halten, bezeichnete die Episode in ihrem jüngsten Jahresbericht als „Begegnung mit dem Tod“. Gläubiger und Investoren von Jefferies fragten sich seither, ob die Bank über ausreichend Kapital verfügte, eine derartige Notlage abermals zu überstehen. Nach der Übernahme durch Leucadia bekommt Jefferies nun neue Finanzierungsquellen. „Es gibt uns noch größere Grundlagen, um unser Unternehmen mit einer robusten Kapitalbasis aufzubauen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Jefferies, Richard Handler. Handler wird nach Abschluss der Transaktion die gesamte Gruppe führen.

Zu dem Konglomerat Leucadia gehört ein Sammelsurium von Unternehmen, das vom großen Fleischproduzenten National Beef Packing über den kleinen Ölproduzenten Keen Energy Services bis zu einem Kasino reicht, dem Hard Rock Hotel & Casino in Biloxi, Mississippi. Zu Leucadia gehören zudem Minderheitsbeteiligungen am kanadischen Bergwerkskonzern Inmet Mining und dessen australischen Konkurrenten Fortescue Metals.

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Quelle: F.A.Z.

 
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