30.07.2010 · Nach deutlichen Kursverlusten von knapp 22 Prozent in diesem Jahr gilt die Aktie des Internetunternehmens als unterbewertet. Die Anleger warten ab, weil die Konkurrenz für Google in dessen Kerngeschäft härter zu werden scheint.
Von Norbert Kuls, New YorkEs gab Zeiten, in denen Google einer der größten Lieblinge der Wall Street war. Seit dem Börsengang im Jahr 2004 bis zum Höhepunkt der Börsenhausse 2007 kannte der Aktienkurs des Internetunternehmens fast nur eine Richtung – nach oben. Auch die allgemeine Erholung nach dem Krisenjahr 2008 machte die Aktie von Google mit. In diesem Jahr ist der einstige Börsenstar bei den Anlegern aber in Ungnade gefallen. Seit Anfang des Jahres hat der Aktienkurs um knapp 22 Prozent nachgegeben.
Mit einem Kursniveau von 484 Dollar ist der Titel weit von den Spitzenwerten aus dem Jahr 2007 entfernt, als Google einmal zu 741 Dollar gehandelt wurde. In diesem Jahr hat sich der Kurs zudem deutlich schlechter entwickelt als der S&P-500-Index. Auch im Vergleich zur eigenen Branche sieht Google schlecht aus. Der mit Technologieaktien gespickte Aktienindex Nasdaq Composite notiert gegenüber Jahresanfang knapp behauptet.
Bewertung ist für einen Wachstumswert niedrig
Noch nicht mal eine längere Geschichte im oft kursbewegenden amerikanischen Fachmagazin „Barron’s“, die nahelegte, dass die Aktien von Google unterbewertet sind, sorgte für Kursphantasie. Google wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 auf Basis des für 2011 erwarteten Gewinns bewertet. Das ist für einen klassischen Wachstumswert niedrig. Anleger warten ab, weil die Konkurrenz für Google in dessen Kerngeschäft, Anzeigen im Internet, härter zu werden scheint. Zudem verändert sich der Markt für dieses Geschäft. Anleger stellen offenbar in Frage, ob Google die richtigen Antworten darauf hat.
Der Konzern macht weiterhin den größten Teil seines Umsatzes mit Anzeigen, die passend zu den Resultaten seiner Suchmaschine gestellt werden. Google ist in diesem Bereich führend, und Marktforscher rechnen damit, dass Online-Werbung in den kommenden Jahren mit prozentual zweistelligen Raten wachsen wird. Google gilt als der Erfinder der Online-Suche, und mittlerweile entfallen zwei Drittel aller Suchanfragen auf Google. Konkurrenten wie die Suchmaschine Bing des Softwareherstellers Microsoft sind noch keine ernsthafte Konkurrenz. „Googles riesiges Suchaufkommen und die hocheffektiven Suchresultate, für die Google bezahlt wird, werden Google weiterhin zum wichtigsten Motor für Vermarkter machen“, sagt David Hallerman, Analyst bei der Marktforschungsgesellschaft eMarketer. Knapp zwei Fünftel der amerikanischen Internetnutzer besuchen die Internetseite von Google mindestens dreimal am Tag. Das ist ein Spitzenwert für die Branche. Dennoch sorgen sich Analysten, dass Google zu stark von diesem Geschäftsfeld abhängig ist, weil dessen Wachstumsraten mittlerweile nachlassen. „Das Suchgeschäft hat sich verlangsamt und Google hat mehr Konkurrenz, aber das Geschäft außerhalb der Suchsparte reicht noch nicht aus, um die Tachonadel zu bewegen“, meint Analyst Sandeep Aggarwal vom Wertpapierhaus Caris & Company.
Gehen dem Management die Ideen aus?
Google versucht, seine Geschäftsfelder auszuweiten. Das Mobilfunkgeschäft, in dem der aktuelle Börsenliebling Apple mit seinem Multimediahandy iPhone ein Star ist, gehört zu den wichtigsten Initiativen. Google liefert die Software Android für Apple-Konkurrenten wie Motorola und will damit das Geschäft mit Werbung im mobil genutzten Internet ausbauen. Diese Vorstöße in neue Märkte werden von Anlegern derzeit aber als Eingeständnis interpretiert, dass die Suchsparte von Google zu stagnieren droht. Ein weiterer Kritikpunkt: Populäre Produkte wie Android, das E-Mail-System Gmail und der Internetbrowser Chrome werden kostenlos angeboten, weil Google ausschließlich auf Werbeeinnahmen setzt.
Google verfügt derzeit auch über Barmittel von 30 Milliarden Dollar. Das gilt an der Börse jedoch nicht als Zeichen von Stärke, obwohl das Geld für weitere Akquisitionen wie die jüngste Übernahme des auf Fluginformationen spezialisierten Softwareanbieters ITA genutzt werden kann. Investoren sehen es vielmehr als Beleg, dass die Gründer und Manager keine Ideen mehr haben. Analysten haben jüngst ihre Kursziele für Google zurückgenommen. Im Durchschnitt rechnen die Auguren derzeit mit einem Kurspotential bis 629 Dollar. Damit hätte die Aktie von Google aber immer noch 30 Prozent Luft nach oben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.395,46 | +1,14% |
| FAZ-INDEX | 1.392,02 | +1,11% |
| TecDAX | 761,54 | +0,74% |
| MDAX | 10.367,70 | +1,03% |
| SDAX | 4.843,95 | +0,58% |
| REX | 435,43 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.165,46 | +0,82% |
| F.A.Z. EURO | 69,97 | +0,81% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.657,08 | +0,89% |
| EUR/USD | 1,2563 | +0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 107,73 $ | +0,44% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
| Bund Future | 144,15 € | −0,11% |