05.12.2009 · Vor einem Jahr wollten amerikanische Banker noch Kredite aufnehmen, um ihre monatlichen Kosten zu decken. Jetzt heißt es wieder „Boni satt“ an der Wall Street: Erfahrene Händler können mit fast einer Million Dollar rechnen.
Von Norbert Kuls, New YorkDie Bonussaison an der Wall Street wirft ihre Schatten voraus. In Erwartung hoher Sonderzahlungen beginnen Wertpapierhändler und Investmentbanker bereits vor dem Jahresende viel Geld für extravagante Konsumartikel auszugeben. Die Spanne reicht von Schweizer Armbanduhren für 200.000 Dollar über Bilder im zweistelligem Millionenwert bis hin zu Ferienhäusern in der Karibik, die 15000 Dollar Miete in der Woche kosten.
„In den vergangenen vier bis acht Wochen sehen wir einen ziemlichen Aufwärtstrend bei extravaganten Ausgaben“, sagte David Arnold, Verlagsmanager beim Magazin Robb Report, das sich an eine superreiche Klientel richtet, dem „Wall Street Journal“. Nach staatlichen Hilfen und einer deutlichen Erholung der Finanzmärkte in diesem Jahr sind lukrative Bonuszahlungen in der Wertpapierbranche trotz der öffentlichen Aufregung so gut wie sicher. Hohe Bonuszahlungen gelten als Mitverursacher der Finanzkrise, weil Händler damit zum Eingehen zu hoher Risiken verleitet wurden. Im amerikanischen Kongress gibt es daher Initiativen, diesen Zusammenhang zu entschärfen. Aber auf den erwarteten Geldregen in diesem Jahr dürfte das keine Auswirkungen mehr haben.
Die renommierte Beratungsgesellschaft Johnson Associates geht davon aus, dass Händler im Bereich festverzinslicher Wertpapiere, Rohstoffe und Devisen einen gegenüber dem Vorjahr um bis zu 60 Prozent höheren Bonus kassieren werden. Die durchschnittliche Gesamtvergütung für einen erfahrenen Händler bezifferte die Gesellschaft auf rund 930.000 Dollar. Spitzenkräfte werden allerdings deutlich mehr verdienen.
2008 noch Kredite aufgenommen
Händler und Investmentbanker, die eine Zweitwohnung in der Reichenenklave Palm Beach besitzen, fliegen jetzt wieder öfter mit dem Privatjet nach Florida. Die Gesellschaft Flight Options, die diese Flüge arrangiert, berichtet von deutlich gestiegenen Umsätzen in der Region New York. Flight Options verkauft Flugzeit auf Privatflugzeugen. Die Kosten für ein 25-Stunden-Paket: mindestens 97.000 Dollar. „Die Leute geben wieder Geld aus, und sie beginnen wieder so wie früher zu reisen“, sagt Jay Heublein, Vertriebschef von Flight Options. Ende des vergangenen Jahres, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte, und der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers den Wall-Street-Bankern in den Knochen saß, waren derartige Ausgaben nicht mehr en vogue. Einige Banker fragten bei ihren Personalabteilungen sogar nach einem günstigen Kredit, um ihre monatlichen Ausgaben decken zu können. Diese Probleme scheinen vorbei zu sein. „Im September und Oktober begann sich die Lage aufzuhellen, und die Buchungen im November waren phantastisch“, sagt Tom Smyth, der Besitzer des Ferienhaus-Betreibers St. Barth Properties auf der Karibikinsel St. Barth. Eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Meerblick kostet dort mindestens 15.000 Dollar in der Woche.
Beim Juwelier London Jewelers auf Long Island stehen mehr als ein Dutzend Leute auf der Warteliste für Armbanduhren des Schweizer Herstellers Patek Philippe, die bis zu 200.000 Dollar kosten. Der Juwelier hat viele Ferien- und Wochenendgäste aus der Finanzbranche als Kunden.
Auch auf Kunstauktionen tummeln sich wieder mehr Banker. Die Top-Auktionshäuser Sotheby's und Christie's haben bei ihren halbjährlichen Auktionen im November 596 Millionen Dollar erlöst. Bei den Auktionen im Mai waren es nur 409 Millionen Dollar gewesen. Ein Bild des Künstlers Andy Warhol kam im November für knapp 44 Millionen Dollar unter den Hammer. Den Namen des Käufers will Sotheby's nicht nennen. Aber es ist zu vermuten, dass ein Banker zumindest Interesse an dem Bild gehabt hätte. Das Motiv wäre zumindest passend: Es sind 200 Ein-Dollar-Scheine - „200 One Dollar Bills“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |