13.05.2009 · Ist die Rally an Wall Street vorbei? Ja, meinen einige bekannte technische Analysten. Doch selbst diese wollen sich nicht allzu sehr festlegen.
Von Ben LevisohnIst die Rally vorbei? Ja, meint Greg Troccoli, zumindest vorläufig. Schon bevor der S&P-500 am 11. Mai um 2,2 Prozent zurückfiel, hatte Troccoli Aktien abgestoßen. Warum das überhaupt interessiert? Weil Troccoli, Leiter der technischen Analyse beim Informationsdienstleister für alternative Investments Opalesque, während des gesamten Marktanstiegs den richtigen Riecher hatte.
Am 6. März gab er seine Kaufabsicht bekannt; zwei Handelstage danach erreichte der S&P-500 seine Talsohle und drehte nach oben. Später riet er Anlegern, in den Markt einzusteigen, sobald der S&P-500 über 874 Punkten schlösse. Wer seinem Rat folgte und am darauffolgenden Tag gleich nach Börseneröffnung Aktien kaufte, konnte einen Kursgewinn von über drei Prozent einstreichen, als der S&P-500 auf 907 Zähler anzog.
Viele technische Analysten sind ausgestiegen
Doch am 8. Mai, als der Markt 38 Prozent über seinem Märztief lag, verkaufte er. Und er ist nicht allein. Auch andere technische Analysten, die wie Troccoli den Boden richtig prognostizierten, sehen 950 Punkte als mögliches Ausstiegsniveau. Zu diesen Analysten zählen Blaze Tankersley von Bay Crest Partners und Mark Arbeter von Standard & Poor's.
Das Verkaufsargument wiegt schwer. Im Januar erreichte der S&P-500 bei 934,70 Punkten sein Hoch, bevor er talwärts raste und das Märztief ausbildete. Erst wenn der Markt über diesem Niveau schließen sollte, wäre Troccoli von weiterem Aufwärtspotential überzeugt.
Auch Arbeter sieht Widerstände in diesem Bereich, zu denen auch der gleitende 200-Tage-Durchschnitt zählt, der bei 952 Punkten ins Spiel kommt. „In einem wichtigen Bodenbildungsprozess scheitert ein erster Anstieg auf den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt häufig sehr nahe der Durchschnittslinie, woraufhin es letztlich zu einem Rücksetzer oder einer Korrektur kommt“, so Arbeter.
Der Sprung der toten Katze
Doch nicht alle technischen Analysten sind pessimistisch gestimmt. Ed Yardeni von Yardeni Research sieht in seinem Newsletter vom 11. Mai zwar einen Rücksetzer von 10 Prozent als die wahrscheinlich an, sieht jedoch ausreichend Dynamik für die Überwindung der Widerstände. „Ich halte eine Fortsetzung der Rally des S&P-500 für möglich, vielleicht bis hinauf auf 1000 Punkte [...]. Dies wäre ein satter Anstieg von 69,9 Prozent gegenüber dem Schlusstief am 9. März“, schreibt Yardeni.
James Stack von Investech Research sieht ebenfalls Spielraum nach oben. Skeptiker nennen dieses Phänomen „Dead Cat Bounce“ (Der Sprung der toten Katze) - diejenigen Aktien, die am stärksten abstürzten, springen durch die Wucht des Aufpralls am weitesten nach oben. Zwar zählten Papiere des Finanzsektors seit Beginn der Rally zu den größten Gewinnern, doch auch fast alle anderen Sektoren konnten an dieser Aufwärtsbewegung partizipieren.
Selbst als der breite Markt in Gestalt des S&P-500 und des Dow Jones Industrial Average am 11. Mai deutlich in die Knie ging, verlor der Nasdaq nur rund einen halben Prozentpunkt. „Es ist diese Art der Performance anderer Sektoren, die uns zu der Überzeugung gelangen lässt, dass es sich hierbei um mehr als eine Korrektur in einem Bärenmarkt handelt“, sagt Stack. Er sieht bis Jahresende weiteres Aufwärtspotenzial von 10 bis 15 Prozent.
Vielleicht doch nach wie vor überverkauft?
Selbst Troccoli hat den Markt noch nicht aufgegeben. Mit Blick auf den gleitenden 21-Monats-Durchschnitt falle ihm ein deutlicher Unterschied gegenüber früheren Rezessionen auf. So hätten sich der Markt und der gleitende Durchschnitt etwa in den Jahren 2000 bis 2002 im Gleichschritt bewegt. In der aktuellen Baisse sei dagegen eine ausgeprägte Abweichung zu beobachten, wobei der Markt sehr viel stärker nachgegeben habe als der gleitende Durchschnitt.
Und selbst nach der Rally lägen die beiden fast 300 Punkte auseinander, was darauf hindeute, dass der Markt langfristig nach wie vor überverkauft sein könnte. Troccoli wartet ab, ob der S&P-500 über 939 Punkte schließt. Sollte dies eintreten, dann „kann der Markt auf 1000 oder 1050 Punkte steigen“, sagt er. „1100 Zähler? Das dürfte des Guten zuviel sein“.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |