05.11.2008 · Traditionell baut die Wall Street lieber auf einen Republikaner im Weißen Haus. Dabei legten die Aktienkurse bislang unter demokratischen Präsidenten stärker zu. Von Obamas Wahlsieg werden die Branchen Konsum, Infrastruktur und erneuerbare Energien profitieren, glauben Analysten.
Von Christian von HillerDie Euphorie, die Barack Obamas Wahl zum amerikanischen Präsidenten in den Vereinigten Staaten auslöst, könnte auch die Wall Street erreichen. Die möglichen Gewinner unter den amerikanischen Aktien ziehen sich durch zahlreiche Branchen:
Die Wahl des Demokraten sei gut für die amerikanischen Auto-Aktien, meinen Robbert van Batenburg und Wilson Mui von Louis Capital Research. Ford, Chrysler und General Motors litten in der Vergangenheit besonders stark unter der drohenden Rezession in den Vereinigten Staaten wie auch unter einer verfehlten Modellpolitik. Sie hatten nach Meinung vieler Analysten zu lange auf Autos mit großem Hubraum und hohem Spritverbrauch gesetzt, während japanische Hersteller, allen voran Toyota, früh auf kleinere Wagen setzten, die in einer Wirtschaftskrise bessere Absatzchancen haben.
Ein Demokrat bekommt der Wall Street besser
Generell haben Konsumaktien unter Obama bessere Chancen als unter seinem republikanischen Wahlkampfgegner John McCain. Denn der erste schwarze Präsident im Weißen Haus will mit 115 Milliarden Dollar den amerikanischen Konsum ankurbeln. Das soll besonders Familien mit niedrigem Einkommen zugute kommen.
Mani Govil, Fondsmanager bei RS Investments und verantwortlich für den 700 Millionen Dollar schweren RS Large-Cap Alpha Fund, setzt auf klassische Konsumtitel wie die der Fast-Food-Kette McDonald's. Seiner Meinung nach werde das Unternehmen von fallenden Rohstoffpreisen, robustem Umsatz auf vergleichbarer Ladenfläche und einer Expansion der von Franchise-Nehmern geführten Restaurants profitieren. „Außerhalb der Vereinigten Staaten werden von McDonald's selbst betriebene Läden an lokale Unternehmer verkauft, die für gewöhnlich Vermarktungsvorteile besitzen, da sie stärker in die lokalen Märkte eingebunden sind“, sagt Govil.
Infrastrukturunternehmen dürften profitieren
Dies sollte nicht nur konsumnahen Aktien zugute kommen, sondern auch Werten, die mittelbar von einer höheren privaten Nachfrage profitieren. Die beiden Aktienexperten von Louis Capital Research trauen trotz der Immobilienkrise Kurschancen auch den Aktien von Unternehmen zu, die auf den Bau von preisgünstigen Häusern spezialisiert sind.
Zu den Gewinnern des staatlichen Ausgabenprogramms, das Obama plant, dürften auch die Aktien von Infrastrukturunternehmen zählen. Ohnehin gelten Straßen, das Telefonnetz und generell die Versorgung mit Strom, Wasser und Gas zu jenen Branchen in den Vereinigten Staaten, in denen sich in den vergangenen Jahren ein großer Investitionsstau gebildet hat.
Von höheren Investitionen in Straßenbau und Bauwirtschaft könnte auch der Hersteller von Baumaschinen Caterpillar profitieren. Der Konzern stellt jedoch auch Motoren her, die in Lkws und Lokomotiven sowie bei der Marine und der Energiewirtschaft eingesetzt werden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,1 und einer Dividendenrendite von aktuell 3,8 Prozent ist das Unternehmen aus Illinois günstig an der Börse bewertet.
Auch John Deere und Abfallentsorger kommen in den Fokus
William Nobrega von der Investmentberatungsgesellschaft Conrad Group, geht davon aus, dass sich Industriegüterhersteller wie Caterpillar und Deere & Co infolge von starken Auslandsumsätzen und aufgrund von bevorstehenden Infrastrukturinvestitionen in den Vereinigten Staaten, die sich allein im Jahr 2009 auf bis zu 150 Milliarden Dollar belaufen könnten, gut behaupten dürften. Auch Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien wie Johnson Controls und Umweltdienstleister wie Waste Management seien Nobrega zufolge gute Kaufgelegenheiten.
Der Name des Favoriten von Fondsmanager Govil entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Nach dem Sieg des Kandidaten der Demokraten empfiehlt er ausgerechnet ein Unternehmen namens Republic Services (Die Aktien von Republic Services profitieren vom Sieg des Demokraten Obama). Es ist der drittgrößte Abfallentsorger auf dem amerikanischen Markt und will gerade mit Allied Waste, dem zweitgrößten, fusionieren. Govils Einschätzung nach hat Republic Services das beste Management der großen Drei in diesem Geschäft.
Entsorger seien konjunkturresistenter als normale zyklische Unternehmen, nicht von einer robusten Konjunktur abhängig und aufgrund der in den zurückliegenden 20 Jahren erfolgten Branchenkonsolidierung mit einer gewissen Preissetzungsmacht ausgestattet. Govil zufolge werde Republic Services zudem von niedrigeren Kraftstoffpreisen und von Kostensenkungen als Folge der jüngsten Übernahme von Allied Waste Industries profitieren.
Erneuerbare Energien auch im Aufwind
McCain galt wie der amtierende Präsident George W. Bush als Mann der amerikanischen Öl- und Energiewirtschaft. So hätte bei seinem Wahlsieg die Aktien von Unternehmen aus dem Nuklearbereich, aber auch Ölkonzerne und Dienstleister für die Ölförderung zu den Gewinnern gezählt.
Nach Obamas Sieg werden die Anleger nun den amerikanischen Kurszettel nach Unternehmen absuchen, die auf erneuerbare Energien spezialisiert sind: Hersteller von Windkraftanlagen oder Solarzellen, aber auch Produzenten von Äthanol gelten nun als die Favoriten.
Insgesamt hellen sich nun jedoch die Perspektiven am New Yorker Aktienmarkt auf. In der Vergangenheit habe die Wall Street selten die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten unterstützt, hebt Sam Stovall, Aktienanalyst von der Ratingagentur Standard & Poor`s hervor. „Das ist ein merkwürdiges Phänomen“, räumt er jedoch mit einem Blick auf die Nachkriegsgeschichte ein. „In 28 Jahren unter demokratischer Präsidentschaft verzeichnete der S&P 500 einen durchschnittlichen Anstieg von jährlich 10,7 Prozent, während in den 35 Jahren unter republikanischer Präsidentschaft ein durchschnittlicher Zuwachs von nur 7,6 Prozent pro Jahr erzielt wurde.“
Börsenkräche nur unter Republikanern
Zudem werde Bush wahrscheinlich sich der dritte Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg sein, der seine Amtszeit in einer Rezession beendet, führt Stovall aus. Die anderen beiden seien auch Republikaner gewesen: Dwight D. Eisenhower und Richard Nixon, dessen zweite Amtszeit Gerald Ford zu Ende führen musste. Auch die beiden Börsenkräche seit 1945 - mit einem Absturz des S&P 500 um mehr als 48 Prozent - habe die Wall Street unter einem republikanischen Hausherrn im Weißen Haus erlitten.
Viele Anleger hoffen auch darauf, dass es Obama gelingt, mehr Ruhe in die amerikanische Außenpolitik zu bringen und die Zahl wie auch die Heftigkeit der kriegerischen Konflikte zu vermindern. In diesem Fall würden Ressourcen im amerikanischen Staatshaushalt frei, die der Binnenkonjunktur des Landes zufließen könnten, so dass die zusätzlichen Ausgaben nicht zwangsläufig zu einer höheren Staatsverschuldung führen müssen.
Optimismus nach Obamas Sieg
„Die Bedeutung dieses mächtigen Zeichen eines Wandels sollte nicht unterschätzt werden“, urteilen die Analysten von Unicredit über den Wahlsieg Obamas. „Wandel, das Leitmotiv von Obamas Wahlkampagne, ist genau das, was die meisten für notwendig halten, besonders in bezug auf die sich verschlechternde Wirtschaftslage.“
Diesen Ausgang der Präsidentschaftswahl halten die Unicredit-Analysten für das richtige Signal: „Dieses Wahlergebnis ist positiv und vielversprechend in vielerlei Hinsicht.“ Es gebe den Amerikanern Vertrauen und Optimismus zurück. Und es verbessere die Chancen für eine stärkere internationale Zusammenarbeit, um die Wirtschafts- und Finanzkrise zu überwinden. Zudem habe Obama „außerordentlich hochqualifizierte Wirtschaftsberater“, auch dies sei ein Vertrauenssignal.
„Obamas Sieg hat das Potenzial, die bessere Stimmung an den Aktienmärkten in den kommenden Wochen - und hoffentlich bis zum Jahresende - zu unterstützen“, lautet das Fazit von Unicredit. Sollte sich diese Hoffnung bestätigen, wäre der Wahlausgang in den Vereinigten Staaten insgesamt ein positives Signal für die amerikanischen Aktienmärkte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |