16.03.2010 · Die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen sind in den vergangenen Wochen beständig gestiegen. Begeisterung löste das nicht aus. Zu viele Unwägbarkeiten trüben die Stimmung.
Von Norbert Kuls, New YorkNach einem schwankenden und unsicheren Start ins neue Jahr haben die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen in den vergangenen Wochen kontinuierlich zugelegt. Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 hat an neun der vergangenen elf Handelstage im Plus geschlossen.
Nach der schon gut ein Jahr anhaltenden Erholung von den Tiefständen des Vorjahres notieren die führenden Aktienbarometer der Wall Street derzeit auf dem höchsten Niveau seit 17 Monaten. Am Montag wurden die Aktien an der Wall Street allerdings mit leichten Abschlägen gehandelt.
Finanzwerte vorne weg
Angeführt wurde der Aufschwung von Finanzwerten, bei denen Investoren nach der Rückzahlung der staatlichen Hilfen von einer Stabilisierung ausgehen. Dazu vereinbarte der staatlich gestützte Versicherer AIG den Verkauf von zwei großen Sparten für zweistellige Milliarden-Dollar-Beträge.
Aber die Erholung ging über die Finanzwerte hinaus. Seit Anfang des Monats sind die Kurse aller zehn im S&P 500 abgebildeten Branchen gestiegen. Insgesamt liegt der Index seit Jahresbeginn um rund 3 Prozent im Plus. Der Dow Jones, in dem nur 30 Aktien abgebildet sind, hat seit Jahresanfang um rund 2 Prozent zugelegt.
Neben Finanztiteln führen konjunktursensible Branchen den Aufschwung an. Die Kurse von Grundstoffherstellern und zyklischen Konsumwerten wie Autohersteller oder Einzelhändler sind stärker gestiegen als die von nicht konjunkturabhängigen Konsumtiteln, etwa Haushaltswarenhersteller, oder Unternehmen aus der Gesundheitsbranche.
Häuser- und Arbeitsmarkt säen Misstrauen
Börsianer sind dennoch nicht begeistert. Die Rede ist vielmehr von einer müden Hausse. Händler misstrauen der Hoffnung auf weitere Kursgewinne. „Sie haben definitiv Angst zersägt zu werden, Geld einzusetzen und dann zuzusehen, wie der Dow ein paar tausend Punkte zurückgeht“, sagt Hank Smith, der bei der Fondsgesellschaft Haverford Investments die Anlagen verantwortet.
Gemessen an den großen Aktienbarometern waren die Kurse an der Wall Street in den vergangenen zwölf Monaten um 50 Prozent gestiegen. Analysten rechnen für das kommende Jahr nicht mehr mit derart starken Kursgewinnen. Dennoch prognostizieren die meisten Auguren ein beständiges Wachstum um 10 Prozent bis 20 Prozent.
Diese Kalkulation basiert auf dem Glauben, dass der Konjunkturaufschwung anhalten wird, obgleich wichtige Teilbereiche wie der Arbeitsmarkt und der Häusermarkt sich vergleichsweise schleppend erholen. Sowohl die Beschäftigung als auch die Preise für private Immobilien wirken sich stark auf das Verhalten der Verbraucher aus, die mehr als zwei Drittel zur gesamten amerikanischen Wirtschaftsleistung beitragen. Die Arbeitslosenquote, die auf den höchsten Stand seit 26 Jahren geklettert war, ist jüngst wieder leicht zurückgegangen.
Die Stimmung am Häusermarkt hat sich aber wieder etwas eingetrübt. Ökonomen befürchten, dass das avisierte Ende von staatlichen Stützungsmaßnahmen den Häusermarkt wieder belasten könnte. Der Kollaps des Häusermarktes stand im Zentrum der Krise. Eine nachhaltige Erholung dieses Marktes gilt als Voraussetzung für eine stabile Wirtschaftserholung.
Ungeklärte Fragen
„Ein überbewerteter Markt steht davor, die Augen geöffnet zu bekommen“, sagt David Rosenberg, der Chefökonom und Anlagestratege beim Wertpapierhaus Gluskin Sheff zu den Aussichten für die amerikanischen Börsen. Und selbst optimistische Analysten geben zu, dass es einige ungeklärte Fragen gibt.
Viele als Reaktion auf die jüngste Krise aufgelegte Konjunkturprogramme stehen vor dem Ende. Dazu ist unklar, wann die Notenbank Fed die Leitzinsen anheben wird, die sich derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau befinden. Der Offenmarktausschuss der Fed, der die Leitzinsen festlegt, wird am Dienstag zu einer Sitzung zusammenkommen. Obwohl eine Anhebung der Leitzinsen nicht wahrscheinlich ist, werden Börsianer stark auf Hinweise für künftige Zinsschritte achten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.395,46 | +1,14% |
| FAZ-INDEX | 1.392,02 | +1,11% |
| TecDAX | 761,54 | +0,74% |
| MDAX | 10.367,70 | +1,03% |
| SDAX | 4.843,95 | +0,58% |
| REX | 435,43 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.165,46 | +0,82% |
| F.A.Z. EURO | 69,97 | +0,81% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.657,08 | +0,89% |
| EUR/USD | 1,2563 | +0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 107,73 $ | +0,44% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
| Bund Future | 144,15 € | −0,11% |