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Wall Street Der Aufschwung verliert an Kraft

08.04.2009 ·  Die Tests der zyklischen Tiefs, die Anfang März verzeichnet wurden, werden immer wahrscheinlicher. Denn die Auftriebskräfte haben dem zunehmendem Verkaufsdruck nichts mehr entgegenzusetzen, der Markt ist kurzfristig überkauft.

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Der Aufschwung, der seit etwa vier Wochen an der Wall Street zu beobachten ist, scheint sich dem Ende zuzuneigen. Die Auftriebskräfte haben sich nach den Aussagen einschlägiger technischer Indikatoren weitgehend verbraucht, sodass sie zunehmendem Verkaufsdruck kaum noch etwas entgegenzusetzen haben. Damit könnten die „schweren“ Indizes als Nächstes zu einem Test der Anfang März verzeichneten zyklischen Tiefs antreten. Dies ist der Tenor zahlreicher technischer Kommentare.

Das aus technischer Sicht spürbar eingetrübte Bild erhält einen zusätzlichen, besonderen Akzent von den jetzt in wachsender Zahl erscheinenden Unternehmensergebnissen für das erste Quartal und vor allem von den Ausblicken der Unternehmen auf den weiteren Verlauf des Jahres. Es wird zwar weithin behauptet, der amerikanische Aktienmarkt berücksichtige enttäuschende Zahlen bereits weitgehend in den herrschenden Kursen, doch auch solche Enttäuschungen können von negativen Überraschungen noch übertroffen werden.

Börsianer engagieren sich noch nicht ganz

Jeffrey Saut, ein auch technisch argumentierender Stratege von Raymond James, zieht aus seinen jahrzehntelangen Erfahrungen den Schluss, dass eine kräftige Bewegung wie der jüngste Aufschwung in der Regel 17 bis 25 Börsentage dauert, bevor sie sich erschöpft hat. Unterbrechungen oder Korrekturen von bis zu drei Tagen seien normal, merkt er an. Die Serie könne sich auch über 30 Tage erstrecken, aber das geschehe eher selten. Extrem selten seien hingegen Bewegungen, die mehr als 30 Tage dauerten. Der Montag dieser Woche sei der 21. Tag in der aufstrebenden Reihe gewesen.

Saut erklärt das entdeckte Zeitmaß für kräftigere Auf- und Abschwünge damit, dass wohl so viele Tage vergehen müssten, um die Börsianer umzustimmen und sie dazu zu bewegen, sich entsprechend der Tendenz voll zu engagieren. Sobald dies geschehen sei, kippe diese Tendenz wieder. Der Stratege unterlegt seine Aussage mit der Beobachtung, dass Kunden, die sich noch vor vier Wochen vor Aktienkäufen gescheut hätten, jetzt in Massen anriefen und regelrecht um Kaufempfehlungen bettelten. Saut hält dies für ein bedenkliches Zeichen und betrachtet die Lage an der Wall Street nun mit großer Vorsicht. Sollte nach einer kurzen Korrektur nicht rasch ein neuer Aufschwung folgen, wäre dies seiner Ansicht nach ein bedeutendes Warnsignal für die Optimisten.

Markt ist überkauft

Mary Ann Bartels, die Cheftechnikerin von Bank of America Securities-Merrill Lynch (BAS-ML), bezeichnet den Markt als unter kurzfristigen Aspekten „überkauft“. Dass es ihm zuletzt dennoch gelungen sei, mit Erfolg gegen den vorhandenen Widerstand anzukämpfen, spreche für eine positive „überkaufte“ Situation. Die mittelfristigen technischen Trendindikatoren böten sich nach wie vor robust dar, sodass die breitgestreuten Indizes durchaus weiter steigen könnten. Mit Blick auf die Stimmungsindikatoren stellt Bartels fest, die Börsianer zeigten sich noch immer recht pessimistisch.

Da es sich hier um Kontraindikatoren handele, sei dies ein weiterer positiver Punkt. Beim Standard & Poor's 500 Index (S&P 500) sieht sie Widerstand zunächst zwischen 840 und 880 Punkten und dann noch einmal zwischen 915 und 965 Zählern. Auf einen ersten Widerstand könne der Dow-Jones-Index für Industriewerte zwischen 7845 und 8000 Punkten und danach zwischen 8300 und 8405 Zählern treffen. Beim Nasdaq-Composite-Index erkennt sie eine erste Hürde zwischen 1600 und 1665 Punkten und eine zweite zwischen 1750 und 1775 Zählern.

Aufschwung rein technisch bedingt

Albert Edwards, ein Stratege von Société Générale, bleibt bei seinem schon vor langer Zeit für den S&P 500 gesteckten Ziel von 500 Punkten. Er hält den Anfang März entstandenen Aufschwung für rein technisch bedingt. Seine Ursache sei in der damals „überverkauften“ Situation zu sehen. Zwischenerholungen im Rahmen einer Baisse wie der laufenden könnten vorübergehende Terraingewinne von 20 Prozent und mehr bescheren, bevor die Kurse wieder auf Talfahrt gingen und neue Tiefs erreichten. Bei jeder Zwischenerholung tauchten Kommentatoren auf, die erklärten, die Aktien seien nun so billig, dass der Boden erreicht sei. Dies sei der Lauf der Dinge.

Für bemerkenswert hält Edwards, dass die gleichen technischen Indikatoren, die den jüngsten Aufschwung frühzeitig angekündigt hätten, jetzt signalisierten, dass diese Bewegung an ihrem Ende angelangt sein dürfte. Ausdrücklich erwähnt er den Anteil der im S&P 500 enthaltenen Titel, die über ihrem gleitenden Durchschnitt von 50 Tagen notieren.

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