12.11.2009 · Amerikanische Börsianer beurteilen den jüngsten Kursanstieg zunehmend skeptisch. Aber niemand will den Kursaufschwung verpassen. Deswegen kaufen auch die Skeptiker weiter Aktien. Bildet sich gerade eine „Echo-Blase“ aus?
Die Börsianer an der Wall Street spielen mit dem Feuer. Einerseits wächst im New Yorker Finanzzentrum die Skepsis, ob der kräftige Kursaufschwung der großen Marktbarometer noch lange andauern kann. Andererseits wollen die Anleger weitere Kursgewinne nicht verpassen und investieren weiter in Aktien.
Der Dow Jones-Index ist in den vergangenen fünf Handelstagen um 6 Prozent gestiegen und liegt seit Jahresanfang mit 17 Prozent im Plus. Der breite S&P 500 ist in den zurückliegenden fünf Sitzungen um 5 Prozent gestiegen und hat seit Jahresbeginn um knapp 22 Prozent zugelegt. Am Donnerstag eröffneten die Aktienmärkte mit leichten Kursverlusten.
Viele Fondsmanager fühlen sich unwohl mit ihren Positionen
Der unabhängige Aktienfachmann Ed Yardeni berichtet, dass sich viele Fondsmanager und Verwalter von Pensionsfonds derzeit bei ihren Aktienanlagen unwohl fühlen. Er bezeichnet sie als "voll investierte Pessimisten". Im Jargon der Wall Street sprechen die Händler von einer Marktlage, in dem alle Börsianer auf einen "größeren Dummkopf" hoffen. Anleger spekulieren also darauf, ihre Aktienbestände noch vor einem Rückschlag an einen größeren Narren verkaufen zu können. "Es gibt immer noch eine Menge Angst, dass sich das Ding schnell wenden könnte", sagt Yardeni, der die Sorge teilt. Aber große institutionelle Anleger könnten es sich eben nicht leisten, die Hausse zu verpassen.
Ein Grund für die Hausse, die auch die Kurse nichtamerikanischer Börsen sowie die Preise von Rohstoffen und Risikoanleihen treibt, ist das Geld, das Regierungen und Zentralbanken als Gegenmittel zur Finanzkrise in die Wirtschaft gepumpt haben. Der Anlass für die jüngsten Kursgewinne an der Wall Street war die Versicherung der amerikanischen Notenbank Fed, die Leitzinsen auf absehbare Zeit niedrig zu halten. Das macht Aktien gegenüber Anleihen attraktiver. Als weiteres Argument für eine möglicherweise andauernde Hausse gelten auch die hohen Barbestände, die Anleger weiter in Geldmarktfonds geparkt halten. Die Bestände sind nach Angaben des Branchenverbandes ICI seit Beginn der Aktienhausse im März dieses Jahres zwar zurückgegangen.
Das ist ein Zeichen, dass Anleger in risikoreichere Anlagen wie Aktien umschichteten. Aber die aktuellen Bestände liegen mit 3,3 Billionen Dollar immer noch höher als im Januar 2008 - als die eskalierende Finanzkrise zunehmend für Unsicherheit an den Aktienmärkten zu sorgen begann. Ökonomen sprechen bei starken Kurserholungen, die auf eine geplatzte spekulative Blase folgen, von einer "Echo-Blase" als häufige Reaktion auf staatliche Stützungsmaßnahmen.
Bildet sich gerade eine „Echo-Blase“ aus?
"Eine Echo-Blase ist in der Regel kleiner als das Original und geht schneller vorbei als die erste Blase"; sagt Edward Chancellor, Autor eines Geschichtsbuchs über Finanzspekulation. Nach Ansicht von Mohamed El-Erian, dem Chef der Rentenfondsgesellschaft Pimco ignorieren die Anleger zudem, dass die globalen Märkte nach der Finanzkrise des vergangenen Jahres noch nicht wieder völlig gesundet sind.
"Zu viele Investoren gehen mit der Finanzkrise um, als ob es eine Fleischwunde gewesen sei", sagte El-Erian der Zeitschrift "Newsweek". Dabei sei nicht die Peripherie, sondern das Zentrum, das amerikanische Finanzsystem, erschüttert worden. Jetzt lägen die Finanzmärkte auf einem Niveau, das ein Wachstum der amerikanischen Wirtschaft um mehr als 3 Prozent im Jahr unterstellt. Dieses Szenario basiere aber auf kurzfristigen und umkehrbaren Faktoren wie dem riesigen Konjunkturpaket und nicht auf einem gesunden Anstieg der Beschäftigung und von Investitionen. Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten ist mit zuletzt 10,2 Prozent auf das höchste Niveau seit einem Vierteljahrhundert gestiegen. Die Aktienkurse reagieren dennoch nicht mit Abschlägen, weil das nach Ansicht der Optimisten den Druck auf die Notenbank erhöht, die Zinsen niedrig zu halten.
Auch El-Erian bemerkt eine gleichsam schizophrene Haltung der Profianleger, die zwar die Lage der globalen Konjunktur pessimistisch beurteilen, aber dennoch risikoreiche Wetten auf den Aufschwung eingehen. Angesichts dieser Marktlage will kein Börsianer ein Ende der Hausse prognostizieren. "Wenn man diese von Liquidität getriebenen Haussen hat, kann man nicht sagen, wann damit Schluss sein wird", sagt Chip Hanlon, Chef des Vermögensverwalters Delta Global Advisors.
Schönes und treffendes Bild: die Echo-Blase.
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 12.11.2009, 21:04 Uhr
Blasenkrankheit
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 12.11.2009, 22:55 Uhr
Noch eine Metapher mehr
Hans-J. Sauer (Wertpapierportfolio)
- 13.11.2009, 00:39 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |