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Wall Street Das Brummen des Bären wird lauter

09.01.2008 ·  Die Börsen wackeln unübersehbar. Nach Einschätzung der S&P-Markttechniker bleibt der amerikanischen Zentralbank Fed nur noch wenig Zeit, um einen großen Einbruch auf den Aktienmärkten zu verhindern.

Von Mark Arbeter
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Soviel also zu der von uns erwarteten saisonalen Stärke. Im vergangenen November sank der S&P-500 um 4,4 Prozent, und auch der Dezember brachte mit einem weiteren Rückgang von 0,86 Prozent keine Trendwende, von dem miesen Start ins neue Jahr ganz zu schweigen.

Wenn der Markt seine üblichen saisonalen Muster schuldig bleibt, muss nach unserer Ansicht wirklich etwas faul sein. In den kommenden drei bis sechs Monaten werden wir gegenüber dem Markt daher skeptischer eingestellt sein und von der Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass sich die bislang beobachtete zehnprozentige Korrektur zu einem Rückgang zwischen 15 und 20 Prozent auswächst.

Keine Wunder von der amerikanischen Zentralbank zu erwarten

Ein möglicher Lichtblick in unserer düsteren Prognose ist die amerikanische Notenbank, von der wir allerdings keine Wunder erwarten. In unseren Augen ist die Fed mit ihrer geldpolitischen Lockerung seit Mitte 2006 im Verzug, was zu einer Ausweitung des Spreads zwischen der Rendite zweijähriger Schatzanweisungen und dem als Leitzins geltenden Tagesgeldsatz geführt hat. Bis Mitte des Jahres 2007 lag der Spread im Bereich von 50 Basispunkten. Seitdem ist die Rendite zweijähriger Staatspapiere jedoch von rund 4,75 auf 2,8 Prozent gefallen, während der Tagesgeldsatz nur von 5,25 auf 4,25 Prozent gesenkt wurde. Der gegenwärtige Spread befindet sich mit fast 150 Basispunkten auf historisch hohem Niveau und ist damit nicht mehr weit von seinem Stand gegen Ende 2000 entfernt, als die Fed ebenfalls dem Markt hinterherhinkte.

Nach unserer Überzeugung bleibt der Fed nur noch wenig Zeit, um einen großen Einbruch auf den Aktienmärkten zu verhindern, und sofern wir keine Zinssenkungen um 50 Basispunkte oder zusätzliche Zinsschritte zwischen den regulären Sitzungen des Offenmarktausschusses sehen, könnte im Jahr 2008 nach unserer Ansicht vorerst der Bär das Zepter schwingen.

Was den kurzfristigen Ausblick des S&P-500 betrifft, so ist der Aktienindex aus einem symmetrischen Dreieck ausgebrochen, das er während der zurückliegenden Monate geformt hatte. Wir werten dies als bärisches Zeichen, das auf einen bevorstehenden weiteren kritischen Test des von den Schlusstiefs im August und November 2007 markierten Bereichs um 1.407 Punkte hindeutet. Durchbricht der Index diesen Bereich, wäre dies ein maßgeblicher technischer Einbruch des Marktes, der nach unserer Einschätzung den Weg für einen weiteren Rückgang um fünf bis zehn Prozent freimachen würde.

Vor dem Ausloten des Bereichs um 1.407 Zähler muss der S&P-500 zunächst die von den Tiefs seit Juli 2006 herrührende Trendlinienunterstützung bei 1.425 Punkten reißen. Der exponentiell gleitende 80-Wochen-Durchschnitt bei 1.431 Zählern dürfte bereits heute seinen Widerstand aufgeben. Dies wäre der erste Wochenschluss unterhalb des exponentiell gleitenden 80-Wochen-Durchschnitts seit einem sehr kleinen Einbruch im August 2004. Dieser Durchschnitt war dem S&P-500 während des Haussemarktes eine verlässliche Stütze. Ein größerer Einbruch wäre ein weiterer schwerer Schlag für den Bullen.

Sollte der S&P-500 die Marke von 1.407 Punkten nach unten durchbrechen, dann wird der Index ein großes Doppeltop mit einer Breite von 158 Punkten vollendet haben. Manche bezeichnen das gegenwärtige Chartmuster auch als Diamantformation. Name hin oder her - die Formation ist und bleibt groß und hässlich. Zieht man die Breite der Formation vom Durchbruchspunkt ab, so erhält man ein potentielles Szenario einer Abwärtsbewegung auf 1.249 Zähler, was fast genau einem zwanzigprozentigen Rückgang vom Allzeithoch am 9. Oktober 2007 bei 1.565 Punkten entspricht. Zugleich befinden wir uns damit in der Nähe eines Retracements von 38,2 Prozent des gesamten Haussemarktes, das den Bereich von 1.264 anvisieren würde.

Ein Ausbruch unter die jüngsten Schlusstiefs würde höchstwahrscheinlich zu negativen Signalen in unseren längerfristigen Charts und Indikatoren führen, was weiteres Abwärtspotential und den möglichen Beginn eines Baissemarktes impliziert. Der exponentiell gleitende 17-Wochen-Durchschnitt befindet sich unmittelbar vor einem Durchbruch unter den exponentiell gleitenden 43-Wochen-Durchschnitt des S&P-500. Dies wäre der erste bärische Kreuzungspunkt dieser gleitenden Durchschnitte seit November 2000. Seinerzeit hielt dieser Kreuzungspunkt Investoren über weite Strecken erfolgreich aus dem Baissemarkt fern. Im Juni 2003 kehrte sich das Signal durch Bildung eines bullischen Kreuzungspunktes um und hielt Anleger über weite Strecken der laufenden Hausse im Markt.

Ausbruch unter die jüngsten Schlusstiefs hätte eine negative Signalfunktion

Zusätzlich zu diesem Kursbild beobachten wir den 43-Wochen-RSI (Relative-Stärke-Index). Bei RSI-Werten über 50 befindet sich der Markt im Haussemodus, während Werte unter 50 eine Baissetendenz des Marktes andeuten. Mit dem aktuellen Wert von 51 befindet sich der RSI kurz davor, größere Probleme für den Aktienmarkt zu signalisieren. Das letzte Signal des 43-Wochen-RSI wurde im Juni 2003 ausgesandt und war bullisch.

Weitere von uns bevorzugte Durchschnitte zur Ermittlung des Primärtrends sind die exponentiell gleitenden 10- und 20-Monats-Durchschnitte. Der S&P-500 befindet sich gegenwärtig unterhalb des 10-Monats-Durchschnitts. Sollte dies bis Ende Januar anhalten, wäre das der erste Monatsschluss unterhalb des 10-Monats-Durchschnitts seit dem Einbruch im November 2000. Darüber hinaus sinkt der 10-Monats-Durchschnitt erstmals seit Ende 2000. Der 20-Monats-Durchschnitt, der dem S&P-500 während des gesamten Haussemarktes als verlässliche Unterstützung auf Monatsebene diente, befindet sich bei 1.427 Punkten; ein Monatsschluss unterhalb dieses Durchschnitts wäre der erste seit Ende 2000.

Als weitere Kennzahl kommt der 13-Monats-RSI ins Spiel, der mit einem Wert von 55 zwar noch im Haussebereich liegt, seit Mai 2007 jedoch eine Reihe niedrigerer Hochs und niedrigerer Tiefs ausgebildet hat.
Grund zur Besorgnis bietet auch die anhaltende Verschlechterung interner Marktdaten. Die täglich fortgeschriebene Linie aus der Differenz zwischen Kursverlierern und Kursgewinnern der NYSE im Vergleich zum Vortag erreichte im Juni 2007 ihren Höhepunkt. Sie konnte seither nicht mit der Kursentwicklung Schritt halten und steht kurz davor, die im August und November 2007 notierten Tiefs zu durchbrechen. Sorgen bereitet auch das Volumen, das ebenfalls hinter der Kursentwicklung zurückbleibt. Während die Kurse des S&P-500 im Oktober neue Höchststände markierten, gelang es dem Verhältnis zwischen dem Volumen fallender Aktien und dem Volumen steigender Aktien an der NYSE nicht, auf neue Hochs vorzustoßen. In robusten Märkten sollten beide genannten Verhältniszahlen zumindest die Kursentwicklung nachbilden, bisweilen führen sie die Kurse sogar zu neuen Höchstständen. Die Linie aus der Differenz zwischen dem Volumen fallender und steigender Aktien steht ebenfalls unmittelbar vor einem Durchbruch unter die August- und Novembertiefs des vergangenen Jahres.

Die Entwicklungen dieser internen Marktdaten wirken sich zuweilen erst mit einiger Verzögerung aus. So erreichte die Linie aus der Differenz zwischen Kursverlierern und Kursgewinnern an der NYSE ihren Gipfel im April 1998 und damit lange vor dem Markthöhepunkt im Jahr 2000, während die Linie aus der Differenz zwischen dem Volumen fallender und steigender Aktien an der Nasdaq ihren Zenit parallel zur Kursentwicklung erreichte.

Mark Arbeter Markttechniker bei S&P Equity Research Services

Quelle: Standard & Poor's Equity Research
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