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Wall Street Aufwärtsdynamik gesucht

25.11.2009 ·  Die Hausse an der New Yorker Börse ist offensichtlich nicht beendet. Doch Analysten bemängeln, dass der Kursanstieg kraftlos bleibt.

Von Arnd Hildebrand
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Die Leitindizes für die amerikanischen Aktienmärkte erklimmen immer neue zyklische Hochs oder bewegen sich wenigstens in deren unmittelbarer Nähe. Dies verrät, dass die bis Anfang März zurückzuverfolgende Hausse noch nicht am Ende ist. Von der vielerorts erwarteten größeren Korrektur ist zumindest auf den ersten Blick nichts zu bemerken.

Dennoch fühlen sich viele technisch orientierte Analysten unbehaglich. Sie bemängeln die schwache aufwärtsgerichtete Dynamik und den Optimismus, der sich unter den Anlegern immer mehr ausbreitet. Einige Indikatoren lassen schon vermuten, dass die Stimmung in sorglose Euphorie umschlägt. Nicht wenige Techniker verweisen aber auch beharrlich auf die reichlich vorhandene Liquidität, die wenigstens für den Augenblick alle baisseträchtigen Indikatoren zur Dynamik und zu Stimmung neutralisierten.

Wohin mit dem Geld?

Nicht zuletzt übergeht kaum eine technische Lagebetrachtung die eindeutig positiven jahreszeitlichen Einflüsse, die aus historischer Sicht noch bis weit in den Januar des kommenden Jahres hineinreichen und für weitere Schubkraft sorgen könnten.

Jeffrey Saut, einer der auch technisch argumentierenden Strategen von Raymond James, zählt zu jenen Marktbeobachtern, die auf die vorhandene Liquidität abheben. Er vermutet, dass viele institutionelle Kapitalverwalter unter starkem Druck stehen, große Teile der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel noch bis zum Ende des Jahres in Aktien anzulegen.

Sie hätten die im März entstandene Hausse verpasst und sähen sich nun einerseits mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung ihrer Portefeuilles und andererseits mit einem zu hohen Anteil liquider Mittel konfrontiert. Damit riskierten sie nicht nur ihre erfolgsabhängigen Boni, sondern letztlich auch ihre Jobs, erklärt der Stratege. Folglich dürften die Institutionellen in den kommenden Wochen weiter kaufen und damit eine von fundamentalen Aspekten völlig unabhängige aufstrebende Dynamik erzeugen.

Saut sieht sehr wohl, dass aus einer solchen Situation heraus eine spekulative Blase entstehen kann. Er beobachtet jetzt den marktbreiten amerikanischen Aktienindex Standard & Poor's 500 (S&P 500) sehr genau und bekennt, es würde ihm sehr missfallen, wenn der Index unter die Marke von 1083 Punkten fallen sollte. Derzeit liegt er bei ungefähr 1100 Punkten. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass der japanische Aktienmarkt bereits am Zusammenbrechen sei.

Wo sind die Zugpferde?

Mary Ann Bartels, die Cheftechnikerin von Bank of America Merrill Lynch, ist seit längerem eine herausragende Vertreterin der These, dass der amerikanische Aktienmarkt vor einer ausgedehnten Korrektur steht. Der Rückschlag könnte die schweren Indizes ihrer Ansicht nach in der Spitze um 15 bis 20 Prozent drücken. Zur augenblicklichen technischen Lage stellt sie fest, dass der S&P 500 weiterhin die bis Oktober 2007 zurückzuverfolgende, derzeit im Bereich von 1100 Punkten liegende Abwärtstrendlinie testet, und dies in einer unter kurzfristigen Aspekten wieder einmal „überkauften“ Situation. Sie bemängelt, dass der gesamte Markt Zugpferde vermissen lässt, die ihn weiter nach oben tragen könnten.

Die Technikerin argwöhnt angesichts dieser Entwicklung, dass der Markt unter mittelfristigen Aspekten einen Gipfel bildet, dem ein Fall des S&P 500 auf mindestens 935 Punkte folgen könnte. Eine solche Korrektur würde den Bodenbildungsprozess fortsetzen, der die Basis für einen späteren Anstieg auf 1220 bis 1350 Punkte bereiten könnte. Konkret zeigt sich Bartels derzeit sehr besorgt über Anzeichen einer exzessiven Spekulationswelle an den Rohstoffmärkten.

Großspekulanten, die gewöhnlich mit Hedge-Fonds gleichgesetzt werden, hielten an den einschlägigen Termin- und Optionsbörsen Netto-Kaufpositionen in einem Umfang, wie er zuletzt im ersten Halbjahr 2008 zu beobachten gewesen sei. Dies lasse einen deutlichen Rückschlag der Rohstoffpreise erwarten. Die Technikerin deutet an, dass dieser Aspekt auch Bedeutung für die Aktienmärkte erlangen könnte.

War das der letzte Schnaufer?

Walter Murphy, ein stark beachteter bankenunabhängiger Techniker, vermutet, dass der jüngste Aufschwung an der Wall Street so etwas wie einen „letzten Schnaufer“ darstellt. Jedenfalls könne er kaum als Beginn einer neuen, dauerhaften Aufwärtsbewegung gedeutet werden. Die nach oben gerichtete Tendenz der Indizes gibt seiner Ansicht nach keine zuverlässige Auskunft über die Gesundheit des gesamten Marktes. Saisonale Einflüsse könnten die Indizes zwar noch einige Tage auf luftigen Höhen halten, doch neigten sich sowohl die Kurse als auch der Zeitablauf eindeutig zuungunsten eines weiteren Anstiegs.

Murphy sieht beim S&P 500 Widerstand im Bereich zwischen 1121 und 1156 Punkten, falls die Marke von 1105 Punkten zweifelsfrei überschritten werden sollte. Die Indikatoren zur Dynamik des Marktes lassen ihn aber vermuten, dass ein Test der beschriebenen Widerstandszone nur ein vorübergehendes, erfolgloses Ereignis sein dürfte. Stützung vermutet der Techniker im Bereich von 1085 und 1087 Index-Punkten. Sollte sie verletzt werden, würde seiner Ansicht nach zunächst ein Fall in die Zone zwischen 1020 und 1029 Punkten folgen.

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