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Wall Street Auf dem Weg zu neuen Rekordboni

15.10.2009 ·  Finanzkrise war gestern. Ein Jahr nach dem Zusammenbruch von Lehman erwarten amerikanische Banker wieder Spitzengehälter. Die schwelende Debatte über hohe Bonuszahlungen erhält auf diese Weise neuen Zündstoff.

Von Norbert Kuls
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Die schwelende Debatte über hohe Bonuszahlungen für Angestellte amerikanischer Banken und Wertpapierhäuser erhält neuen Zündstoff. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" können Banker an der Wall Street in diesem Jahr mit neuen Rekordboni rechnen. Die Schätzungen der Zeitung für die erwartete Vergütung bei 23 großen Banken, Hedge-Fonds und Vermögensverwaltern belaufen sich auf insgesamt rund 140 Milliarden Dollar.

Damit würden die Zahlen aus dem bisherigen Rekordjahr 2007 sogar um 10 Milliarden Dollar übertroffen. Für jeden einzelnen Mitarbeiter würde das eine durchschnittliche Entlohnung von 143 400 Dollar bedeuten. Im vergangenen Jahr hatten Wall-Street-Banken trotz der eskalierten Finanzkrise insgesamt 117 Milliarden Dollar gezahlt.

Bonusdebatte ist politisch brisant - Banker sind für Krise mitverantwortlich

Die Bonusdebatte ist politisch brisant, weil Investmentbanken wegen mangelnder Risikokontrolle die jüngste Finanzkrise mitverursacht haben. Der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers vor einem Jahr hatte den Höhepunkt der Krise markiert. Vergütungspraktiken trugen zur Schieflage bei, weil sie das Eingehen hoher Risiken etwa im Wertpapierhandel belohnt hatten. "Die Vergütung spielte eine Rolle in der Finanzkrise, und dennoch hat sich nichts geändert", kritisierte Robert Brown, Juraprofessor an der Universität von Denver.

Boni für Banker sind auch ein Reizthema, weil die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten wegen der von der Finanzkrise ausgelösten Rezession auf den höchsten Stand seit mehr als einem Vierteljahrzehnt geklettert ist. Angeschlagene Banken waren zudem von der Regierung mit mehrstelligen Milliarden-Dollar-Hilfen gestützt worden. Einige Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley hatten ihre Staatshilfen jüngst aber wieder zurückgezahlt. Dennoch hatte der New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo kürzlich Goldman Sachs und acht weitere Banken attackiert. Cuomo kritisierte, dass selbst bei der Bank Goldman Sachs, die das Jahr 2008 mit Gewinn abgeschlossen hatte, die Summe der Boni über der des Nettogewinns lag.

Eine konkrete Beschränkung der Bonuszahlungen seitens des amerikanischen Gesetzgebers ist trotz aller Kritik nicht vorgesehen. Initiativen im Kongress zielen eher darauf, dass Vergütungsmethoden nicht wieder das Eingehen exzessiver Risiken belohnen. Über die Vergütung von Spitzenverdienern bei den Banken Citigroup und Bank of America, die weiter Staatshilfe benötigen, entscheidet allerdings in Kürze ein vom Finanzminister beauftragter "Gehälter-Zar".

Die aktuelle Bonusprognose basiert auf den von Analysten erwarteten Erträgen für die 23 Banken und Wertpapierhäuser für das gesamte Jahr. Wall-Street-Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley zahlen ihren Angestellten in der Regel 50 Prozent der Erträge als Bonus. Bei Kreditinstituten wie J.P. Morgan Chase, der Citigroup oder der Bank of America liegt dieser Prozentsatz aber niedriger, bei rund 25 Prozent. Die Erträge der meisten Banken hatten sich in diesem Jahr vor allem wegen des Aufschwungs an den Börsen wieder erholt. In der Regel machen Boni an der Wall Street rund 90 Prozent der Gesamtvergütung der Angestellten aus.

Vergütung sorgt weiterhin für Kontroversen und Ärger

Da sich das Bonus-Reservoir bei den Banken an deren Erträgen orientiert, fallen die Prognosen für die Vergütung der einzelnen Mitarbeiter unterschiedlich hoch aus. Bei der Bank Goldman Sachs, die in den ersten beiden Quartalen Rekorderträge im Handelsgeschäft ausgewiesen hat, wird die durchschnittliche Vergütung für einen einzelnen Mitarbeiter auf knapp 750 000 Dollar geschätzt. Dabei handelt es sich allerdings nicht ausschließlich um Barbeträge. Gerade bei Goldman Sachs werden Manager zum Großteil in zunächst verkaufsbeschränkten Aktien entlohnt, um die Vergütung an die langfristige Entwicklung des Unternehmens zu koppeln. Bei der immer noch strauchelnden Citigroup wird dagegen mit einem Durchschnittsverdienst von nur 70 000 Dollar je Mitarbeiter gerechnet.

Wegen hoher Erträge und der erwarteten Boni hatte in den vergangenen Monaten besonders das Image von Goldman Sachs in der amerikanischen Öffentlichkeit gelitten. "Vergütung sorgt weiterhin für Kontroversen und Ärger", stellte der Vorstandschef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, kürzlich fest. Nach Informationen der "New York Times" erwägt Goldman Sachs daher eine wohltätige Spende von möglicherweise mehr als 1 Milliarde Dollar, um der Kritik entgegenzuwirken.

Goldman und andere Institute begründen eine hohe Vergütung mit der Notwendigkeit, talentierte Mitarbeiter anzuwerben und zu halten. In der Tat hat es nach Einmischung der Regierung und der wachsenden Kritik an den Boni einen schleichenden Wechsel von Mitarbeitern traditioneller Wall-Street-Banken zu kleineren Investmentbanken und ausländischen Instituten gegeben, die frei von Restriktionen sind. Einige Fachleute stellen das Konkurrenz-Argument von Goldman jedoch in Frage. "Man kann das nur schwer als defensive Maßnahme begründen, damit Mitarbeiter nicht abgeworben werden", kommentierte Lucian Bebchuk, Wirtschaftsprofessor an der Universität Harvard: "Die Möglichkeiten zum Wechsel für deren Leute sind 2009 und 2010 viel weniger attraktiv, als sie noch im Jahr 2007 waren."

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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