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Wall Street Attraktive Dividendentitel für schwierige Zeiten

05.10.2009 ·  Nach Meinung vieler verliert die Aktienrally der vergangenen sieben Monate allmählich an Fahrt. Aus diesem Grund kann das Aufspüren verlässlicher Dividendenwerte das Gebot der vergleichsweise defensiven Stunde sein, denken sie.

Von David Bogoslaw
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Jahrelang war die Investition in Unternehmen mit verlässlichen Dividendenerhöhungen eine beliebte Strategie von Aktienanlegern. In jüngster Zeit ist es allerdings schwieriger geworden, Unternehmen zu finden, die ihre Ausschüttungen weiterhin steigern.

Nach einer von Standard & Poor's am 1. Oktober veröffentlichten Erhebung erhöhten im dritten Quartal nur 191 von 7.000 Unternehmen ihre Dividendenzahlungen, was einem Rückgang von fast 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damit ist das vor kurzem beendete Quartal in puncto Dividendenerhöhungen das schlechteste aller Zeiten. Nach Angaben von S&P handelte es sich zugleich um das dritte Quartal mit den meisten Dividendenkürzungen seit 1982 (113 Unternehmen).

Nach Einschätzung von S&P könnte bei der Kürzung oder Streichung von Dividenden das Schlimmste bereits überstanden sein. Doch selbst wenn die Wirtschaft auf die Stimulierungsmaßnahmen der Regierung Obama anspreche, würden viele Unternehmen mit der Erhöhung oder der Wiederaufnahme von Dividendenzahlungen zögern, bis sich eine mehrere Quartale anhaltende Verbesserung ihrer Finanzergebnisse eingestellt hätte, so S&P.

Auch Don Taylor, Portfoliomanager des Franklin Rising Dividends Fund, ist der Ansicht, dass Dividendenkürzungen „größtenteils hinter uns liegen“. Er geht zudem davon aus, dass einige der Unternehmen, die ihre Ausschüttungen im zurückliegenden Jahr verringert hätten, darunter einige Banken, diese im Laufe der kommenden sechs Monate wieder erhöhen würden. Er wäre auch nicht überrascht, wenn der Pharmakonzern Pfizer, der Anfang des Jahres im Zuge der Finanzierung seiner Übernahme von Wyeth eine Halbierung der Dividende ankündigte, diese gegen Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres wieder anzuheben begänne.

Dividendenfonds enttäuschen

Taylor zufolge würde sich die überwiegende Mehrzahl von Banken nicht länger für die Aufnahme in seinen Fonds qualifizieren, da sie entweder Dividendenkürzungen vorgenommen hätten oder im Rahmen des Rettungsprogramms für problembehaftete Vermögenswerte (TARP) bis zur Rückzahlung der Staatsgelder keine Dividendenerhöhungen vornehmen dürften.

Die Renditen der meisten dividendenorientierten Fonds sind im bisherigen Jahresverlauf enttäuschend ausgefallen. Die unterdurchschnittliche Wertentwicklung ist darauf zurückzuführen, dass sie nicht in risikoreichere Titel ohne Dividendenzahlungen investieren, die seit Beginn der Marktrally vor knapp sieben Monaten in der Gunst des Marktes stehen.

Der von Taylor verwaltete Fonds konnte von Jahresanfang bis 30. September um 10,97 Prozent zulegen. Damit bleibt er mehr als 10 Prozentpunkte hinter der Kategorie Mischfonds mit Standardwerten und 8,3 Prozentpunkte hinter dem marktbreiten S&P-500 zurück. Der Franklin-Fonds litt darunter, dass er nicht in Aktien von Unternehmen wie Apple investiert ist, die keine Dividende zahlen, aber zu den großen Kursgewinnern zählen.

Taylor favorisiert Aktien von Unternehmen, die auf lange Sicht eine höhere Wahrscheinlichkeit von Dividendenerhöhungen aufweisen als jene, die gegenwärtig mit hohen Renditen glänzen. Als Beispiele hierfür nennt er die defensiveren Konsumgüterwerte Family Dollar Stores und Wal-Mart. Bei Einzelhändlern hat sich der Markt in jüngster Zeit vor allem auf Unternehmen konzentriert, die stärker von einer kräftigen Erholung nach der mehrere Quartalen anhaltenden Absatzschwäche profitieren würden, während jene Unternehmen, die ihre vergleichbaren Umsätze im Verlauf der Krise kontinuierlich steigern konnten, darunter Wal-Mart und Family Dollar Stores, bei der Marktrally abseits standen.

Defensive Sektoren an vorderster Front

„Wir schätzen diese Kontinuität und Berechenbarkeit, aber auch die Attraktivität dieser Unternehmen für den Verbraucher“, sagt Taylor. „Die Verbraucher sind genügsamer und vorsichtiger geworden. Sie achten auf günstige Preise. Dies ist kein zyklisches, sondern ein längerfristiges Phänomen, und Unternehmen, die diesem Verhalten entgegenkommen, werden auch künftig zu den Gewinnern zählen.“

Die meisten Unternehmen, die weiterhin Dividendenerhöhungen vornehmen, stammen aus defensiven Sektoren wie dem Gesundheitswesen oder dem Verbrauchsgütersektor, die in den Augen der Anleger weniger stark auf eine konjunkturelle Erholung reagieren als risikoreichere Aktien, die während des Abschwungs stärker gebeutelt wurden. Unter den Dividenden zahlenden Unternehmen hätten einzig börsennotierte Immobilienfonds (REITs) sowie Unternehmen im Bereich Erdgaspipelines und Gasspeicheranlagen mit dem Wachstum des Gesamtmarktes Schritt halten können, „zwei Gruppen mit hohen Dividendenausschüttungen, die nicht immer Teil der traditionellen Dividendenstrategie sind“, schrieb Morningstar-Aktienstratege Josh Peters in der Oktoberausgabe seines monatlich erscheinenden Newsletters „Dividend Investor“. Momentan sei jedoch keine gute Zeit, um der Marktdynamik nachzujagen, so Peters.

„Ich würde nicht auf ein bestimmtes Konjunkturszenario wetten, sondern einfach weiterhin an Aktien festhalten, die stetiges Wachstum und fortlaufende Erträge bieten“, sagt Peters. „Dies kann mitunter frustrierend sein, eröffnet jedoch die Chance auf relative Werte. Man kann nun Papiere auswählen, die vor einigen Jahren noch zu teuer waren. Man kann relativ zum Markt viele hochwertige und ertragreiche Aktien erstehen und eine defensivere Position gegenüber einer wie auch immer gearteten Konjunkturentwicklung einnehmen.“

Er hält nicht viel von Unternehmen, die zu viel Geld für Übernahmen ausgeben, beispielsweise Pfizer oder Kraft Foods, was möglicherweise die Fähigkeit zu Dividendenerhöhungen in kommenden Jahren einschränkt. Er besitzt zwar nach wie vor Aktien von Kraft Foods, in seinen Augen sei es jedoch kein Zufall, dass sich das Unternehmen nach Ankündigung seiner geplanten Übernahme von Cadbury im September dazu entschied, die Dividende nicht zu erhöhen.

Abbott Laboratories und ADP sind einen Blick wert

Dagegen sei die Übernahme der Pharmasparte des belgischen Chemie- und Pharmakonzerns Solvay durch Abbott Laboratories aus finanzieller Sicht eine weise Entscheidung, da Abbott die aus seiner ausländischen Betriebstätigkeit generierten Mittel in Geschäftsaktivitäten investiere, die höhere Erträge abwerfe als dies mit einer Anlage dieser Mittel am Markt möglich wäre, sagt Taylor.

Nach Angaben von Abbott würde sich der Gewinn je Aktie durch diese Übernahme im Jahr 2010 um 10 Cent erhöhen und sich 2011 verdoppeln. Zudem würde Abbott mit der Pharmasparte von Solvay seine Präsenz in bestimmten Produktkategorien und Endmärkten ausbauen, sagt er.

Taylor geht jedoch davon aus, dass der breite Markt bei seiner Aufwärtsbewegung eine Pause einlegen könnte, um abzuwarten, ob das Gewinnwachstum von Unternehmen geringerer Qualität, deren Aktien die bisherige Rally angeführt hätten, ihren seit März erzielten Kurssteigerungen gerecht werde. Dies könnte Investoren dazu veranlassen, höherwertigen Aktien mit kontinuierlichen Dividendenerhöhungen größere Beachtung zu schenken, prophezeit er.

Ein als defensiv geltendes, Dividenden zahlendes Unternehmen, das sogar stärker von einer konjunkturellen Erholung profitieren kann als die bisherigen Gewinner der Rally, ist Automatic Data Processing, ein führender Dienstleister im Bereich Lohn- und Gehaltsabrechnung. Das Unternehmen könne durch Nutzung bestehender Kundenbeziehungen für den Absatz ergänzender Leistungsangebote wie das Personalmanagement zusätzliches Wachstum generieren, sagt Christian Andreach, Geschäftsführer von Manning & Napier, einer unabhängigen Anlageberatungsgesellschaft, die Aktien von ADP in einigen ihrer Portfolios hält. Der Titel weist eine Dividendenrendite von 3,4 Prozent auf und wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnisses auf Basis der für 2010 geschätzten Gewinne von 16,6 gehandelt.

Johnson & Johnson und IBM günstig bewertet

Der Kurs der ADP-Aktie hat seit 9. März um 18,4 Prozent zugelegt. Weiteren Zugewinnen stünden nun jedoch zwei zentrale makroökonomische Triebkräfte im Wege: Zum einen der pessimistische Ausblick für den Arbeitsmarkt, zum anderen das niedrige Zinsniveau, das die Zinserträge der Unternehmen bei Anlage der Zahlungseingänge von Kunden bis zum Zeitpunkt der Lohn- und Gehaltszahlung schmälere, so Andreach.
Von einer Verbesserung der Beschäftigungslage dürfte ADP folglich ebenso profitieren wie von einer Leitzinsanhebung durch die Fed, mit der in der zweiten Jahreshälfte 2010 gerechnet werde, sagt er.

Anleger, die davon ausgingen, dass die Aktienrally vorerst beendet sei und höherwertigeren Papieren mehr trauten als den meisten Gewinnern der diesjährigen Rally, würden nun unter den Standardwerten auf Dividendentitel mit günstigeren Bewertungen blicken, etwa auf Johnson & Johnson mit einer Dividendenrendite von 3,5 Prozent oder sogar auf IBM mit einer Rendite von fast zwei Prozent, sagt Charles Carlson, Chefredakteur des Newsletters „DRIP Investor“.

Alternde Bevölkerung

Dividendentitel dürften außerdem von längerfristigen demographischen Trends profitieren. Eine alternde Bevölkerung benötigt höhere Erträge, und die Renditen dieser Aktien sind in der Regel höher als jene von Geldmarktfonds oder Staatsanleihen, und sie sind zumindest gegenwärtig steuerlich besser gestellt als die Erträge von Staatstiteln.

Christian Andreach zufolge würden auch Konsumgüterkonzerne wie General Mills und Kellogg von diesem demographischen Trend profitieren, da der Verzehr von Frühstücksflocken unter älteren Menschen üblicherweise höher sei und es sich hierbei um eine margenstarke Produktkategorie handele. Beide Titel haben sich seit ihrer Hereinnahme im April mit einem Zuwachs von 16 oder. 25 Prozent relativ gut entwickelt. Die Abwanderung klammer Verbraucher von Marken zu Handelsmarken habe diese Unternehmen im Segment Frühstücksflocken weit weniger getroffen als erwartet, fügt er an.

Die Bewertungen auf dem Aktienmarkt seien insgesamt so stark gestiegen, dass die durchschnittliche Dividendenrendite der im S&P-500 vertretenen Unternehmen nur noch zwei Prozent betrage, verglichen mit einer Rendite von 3-6 Prozent vor 15 Jahren, sagt Peters von Morningstar. „Das sollte allen Anleger zu denken geben“, sagt er. „Meine Art, damit umzugehen, ohne Aktien den Rücken zu kehren, ist genau darauf zu achten, was ich hereinnehme.“

Wenn man bei der Auswahl umsichtig vorgeht, kann sich die Investition in Dividendentitel sicherlich nach wie vor auszahlen, sie ist allerdings nicht mehr eine so sichere Sache, wie sie es einst war.

David Bogoslaw ist Reporter für den Business Week Investing Channel.

Quelle: BusinessWeek Online
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