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Wall Street 7 Billionen Dollar sind verpufft

02.01.2009 ·  Der Dow-Jones-Index ist im vergangenen Jahr so stark eingebrochen wie seit den dreißiger Jahren nicht mehr. Und ewig währt die Zuversicht - die ersten Analysten glauben, dass es im neuen Jahr viel besser als im vergangenen wird. Ein Rückblick in Bildern.

Von Norbert Kuls, New York
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Der Silvestertag 2008 war ein versöhnlicher Abschluss eines brutalen Jahres an der Wall Street. Die Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse sangen wie jedes Jahr den alten Schlager „Wait Till the Sun Shines, Nellie“ - ein Lied über das hoffnungsvolle Warten eines Pärchens auf das Verschwinden der Regenwolken. Diese Tradition auf dem Parkett geht auf die Zeit der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren zurück. Die Händler wollten sich nach dem großen Börsenkrach von 1929 aufmuntern.

In diesem Jahr war die Hoffnung auf Sonnenschein besonders nötig. Der Dow-Jones-Index der 30 großen Industriewerte verbuchte trotz einer leichten Erholung am letzten Handelstag einen Jahresverlust von 34 Prozent. Das war der höchste Kursverlust des populären Marktbarometers seit 1931.

Auch die anderen großen Aktienindizes haben in diesem Jahr stark nachgegeben. Der breiter gefasste S&P 500 sackte im Jahresvergleich um 38,5 Prozent ab. Der technologielastige Index der elektronischen Börse Nasdaq hatte mit einem Verlust von 41 Prozent das schlechteste Jahr seiner Geschichte. Insgesamt wurde in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten ein Börsenwert von 6,9 Billionen Dollar vernichtet.

Historischer Kurssturz

„Man wird noch eine lange Zeit über dieses Jahr schreiben“, sagte Duncan Niederauer, der Vorstandschef des New Yorker Börsenbetreibers Nyse Euronext, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Es war, in einem Wort, ermüdend.“ Ein Blick auf die größten Verlierer und Gewinner des Jahres verdeutlicht die Ursachen für den Kurseinbruch. Die Baisse war die Folge einer von Ausfällen am amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelösten Kredit- und Finanzkrise, die schließlich in einer Rezession der Realwirtschaft mündete. Der größte Verlierer im S&P 500 mit einem Kursverlust von 97 Prozent ist daher ein Finanzwert, der größte amerikanische Versicherer American International Group (AIG).

AIG konnte nur mit einem staatlichen Hilfspaket von 150 Milliarden Dollar vor dem Kollaps bewahrt werden. AIG wäre auch der größte Verlierer im Dow Jones gewesen. Allerdings wurde die Aktie wegen der Turbulenzen gegen die des Nahrungsmittelherstellers Kraft Foods ausgetauscht. So wurde der Autohersteller General Motors (GM) mit einem Kursverlust von 87 Prozent zum Schlusslicht des Dow. GM hatte gemeinsam mit den Konkurrenten Ford Motor und Chrysler jüngst staatliche Hilfen von 34 Milliarden Dollar gefordert, um eine drohende Insolvenz abzuwenden.

Die Regierung hat zunächst Übergangshilfen bereitgestellt, um die besonders angeschlagenen GM und Chrysler bis Ende März über Wasser zu halten. Die Autohersteller gerieten zuletzt wegen der Kreditkrise und dem rapiden Konjunkturabschwung unter Druck. Verbraucher hielten sich mit der Anschaffung neuer Autos zurück und hatten zudem Schwierigkeiten, den Kauf mit Krediten zu finanzieren.

Wal Mart und Family Dollar Stores sind die Gewinner

Die beste Aktie im S&P 500, Family Dollar Stores (+36 Prozent), und der Spitzenwert im Dow, Wal-Mart Stores (+18 Prozent), profitierten jedoch vom Konjunkturabschwung. Beides sind Discount-Einzelhändler, die für Amerikaner mit leerer gewordenen Kassen ein beliebtes Einkaufsziel sind. Die zweitbeste Aktie im Dow Jones, McDonald's, gilt als Schnellrestaurant mit günstigen Preisen ebenfalls als rezessionsresistent. Die Nummer zwei im S&P 500, UST, profitierte vor allem von der vorgesehenen Übernahme durch den Zigarettenhersteller Altria. Die Produkte von UST, Kautabak und Wein, bieten Verbrauchern aber womöglich auch gewisse Fluchtmöglichkeiten aus der Rezession.

Die großen Verlierer des Jahres sind zweifellos Finanzwerte. Unter den zehn schwächsten Titeln im S&P 500 stammen sechs aus der Finanzbranche, darunter die Großbank Wachovia und die Regionalbank National City, die beide unter starken Engagements im Hypothekengeschäft litten. Beide Institute werden derzeit von Konkurrenten übernommen.

Unter den fünf schwächsten Titeln im Dow Jones finden sich ebenfalls drei Finanzwerte, der Kreditkartengigant American Express sowie die Großbanken Bank of America und Citigroup. Dort sorgt die Konjunkturschwäche für steigende Ausfälle bei Verbraucherkrediten. Der Aluminiumhersteller Alcoa, dessen Absatz unter dem globalen Wirtschaftsabschwung und dem Rückgang der Rohstoffpreise leidet, rundet das negative Bild ab.

Der Kurszettel hat sich ausgedünnt

Einige Finanzinstitute sind schon jetzt vom Kurszettel verschwunden, darunter der größte Verlierer des Jahres, die einst viertgrößte amerikanische Investmentbank Lehman Brothers. Lehman brach Mitte September zusammen, nachdem die Regierung nicht zur Rettung bereit war. Mitte März war bereits die bis dato fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns kurz vor dem Zusammenbruch mit Unterstützung der Notenbank Fed an die Großbank J.P. Morgan Chase verkauft worden.

J.P. Morgan sicherte sich später auch die Vermögenswerte der großen Sparkasse Washington Mutual, die als eines von insgesamt 25 meist kleineren Kreditinstituten in diesem Jahr zusammenbrach. Die größten Schockwellen gingen allerdings von Lehman Brothers aus, da die Investmentbank international stark vernetzt war. Das sorgte für eine erneute Vertrauenskrise unter Banken, die sich nicht sicher sein konnten, ob anderen Handelspartnern möglicherweise ein ähnliches Schicksal drohte.

Und ewig währt die Zuversicht

Die Krise sorgte für einen massiven Eingriff des Staates in das Finanzsystem. Das amerikanische Finanzministerium hat bisher 350 Milliarden Dollar in die Stützung vor allem der Finanzbranche investiert. Weitere 350 Milliarden Dollar sind vorgesehen. Der S&P 500 hat sich vor diesem Hintergrund seit dem Tiefpunkt im November wieder um 20 Prozent erholt.

Viele Fondsmanager an der Wall Street prognostizieren für das kommende Jahr daher eine weitere Erholung der Kurse an den amerikanischen Aktienmärkten. Ökonomen glauben, dass die Stützungsmaßnahmen der Fed, die jüngst die Leitzinsen auf ein Rekordtief gesenkt hatte, sowie des Finanzministeriums und des Kongresses gegen Ende des kommenden Jahres für den Anfang einer Konjunkturbelebung sorgen könnte. Darauf basiert die Hoffnung der Börsianer auf den Sonnenschein. „Die Entwicklung des Aktienmarkts wird von der Tiefe der Rezession abhängen“, sagte Noman Ali, Fondsmanager bei der kanadischen Gesellschaft MFC Global Investment Management.

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