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Übernahme von Whole Foods : Amazon sorgt für Kurskapriolen

Ihm schenken die Börsianer gerne ihr Vertrauen: Amazon-Chef Jeff Bezos Bild: AFP

Der Onlinehändler verkauft bald Bio-Lebensmittel in Geschäften und liefert Kleidung nach Hause. Die Aktien von Supermarkt- und Bekleidungskonzernen reagieren mit starken Ausschlägen.

          Der große amerikanische Online-Einzelhändler Amazon wird immer einflussreicher. Initiativen des Konzerns bewegen nicht nur die Kurse großer Einzeltitel wie den Sportartikelhersteller und Dow-Jones-Wert Nike, sondern auch ganze Börsensegmente wie Kaufhäuser oder Bekleidungshersteller. Es geht um Börsenwerte in mehrstelliger Milliarden-Dollar-Höhe.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In der vergangenen Woche gingen die Aktien amerikanischer Supermarkt-Betreiber wie Wal-Mart, Target oder Kroger in die Knie, weil Amazon am vergangenen Freitag die Übernahme der Bio-Marktkette Whole Foods Market für fast 14 Milliarden Dollar angekündigt hatte. Am Dienstag fielen auch die Aktienkurse großer Kaufhausketten wie Nordstrom oder J. C. Penney und von Bekleidungseinzelhändlern wie Gap deutlich. Der Grund: Amazon hatte einen neuen Lieferdienst mit dem Name „Prime Wardrobe“ angekündigt. Kunden können sich bald bis zu 15 Kleidungsstücke nach Hause liefern lassen, sie sieben Tage lang anprobieren und die nicht passenden Artikel unentgeltlich wieder zurückschicken. Gezahlt wird erst am Ende der Anprobefrist. Für die Kleidung, die die Kunden behalten wollen, gibt es auch noch einen Rabatt.

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          Nikes Aktienkurs profitiert

          Der jüngste Schock für Aktionäre von Amazon-Konkurrenten kam am Mittwoch. Eine Analystin der Investmentbank Goldman Sachs hatte berichtet, Nike stehe möglicherweise kurz davor, erstmalig Sportschuhe und andere Markenware direkt über Amazon zu verkaufen. Die Spekulation wurde danach von mehreren Wirtschaftspublikationen bestätigt. Die Aktienkurse börsennotierter Sportartikel-Einzelhändler wie Foot Locker und Dick’s Sporting Goods stürzten umgehend ab, und Warenhausketten wie J. C. Penney erweiterten die Kursverluste des Vortags. Der Aktienkurs von Nike kletterte dagegen um gut 2 Prozent, eine starke Kursbewegung für den Giganten.

          „Ein solcher Schritt würde Nike direkten Zugang zu einem großen und stark wachsenden Vertriebskanal geben und gleichzeitig die Marke bei Käufern der Millennial-Generation besser präsentieren“, schrieb Goldman-Analystin Lindsay Drucker Mann. Diese Generation der heute etwa zwischen 20 und 35 Jahre alten Konsumenten ist mit dem Internet aufgewachsen und gilt als entsprechend technikaffin.

          Anleger vertrauen blind

          Der Aktienkurs von Amazon hat unterdessen seit vergangenem Freitag um knapp 4 Prozent zugelegt. Damit ist der Börsenwert von Amazon um rund 20 Milliarden Dollar angeschwollen – deutlich stärker als der für Whole Foods gebotene Kaufpreis. Anleger vertrauen Jeff Bezos, dem Vorstandsvorsitzenden von Amazon, offenbar blind. Eine schlüssige Begründung, was Amazon mit Whole Foods vorhat, blieben die Unternehmen bislang schuldig.

          Bild: F.A.Z.

          Der Aktienkurs von Whole Foods notiert mit zuletzt etwas mehr als 43 Dollar über der Amazon-Offerte von 42 Dollar. Dies suggeriert, dass Anleger mit einem Bieterkampf rechnen, was den Kurs von Whole Foods in die Höhe treiben würde. Analysten der Bank JPMorgan Chase haben am Donnerstag Spekulationen angeheizt, dass die größte amerikanische Warenhauskette Wal-Mart ein Angebot abgeben könnte.

          Konkurrenten in der Defensive

          Der Aktienkurs der größten amerikanischen Warenhauskette Wal-Mart Stores hat sich nach der Nachricht von der Übernahme von Whole Foods um rund 4 Prozent ermäßigt. Die Analysten halten Wal-Mart im Vergleich zu Konkurrenten wie Costco, Target oder Kroger in einer besseren Lage, Amazon zuvorzukommen.

          „Wir glauben an die Möglichkeit, dass Wal-Markt ein Angebot abgibt“, schrieben die Analysten. Das Motiv wäre allerdings eher eine „Defensivstrategie“. Analystin Karen Short von der Bank Barclays glaubt ebenfalls, dass ein anderer Käufer auftreten wird, um Whole Foods nicht an Amazon fallenzulassen. Sie hält für möglich, dass die Bio-Kette schließlich für bis zu 57 Dollar je Aktie verkauft wird.

          Börsianer wetten auf Amazon

          An der Wall Street wurde die geplante Milliardenakquisition von Whole Foods vor allem als Angriff Amazons auf Wal-Mart interpretiert, dem auch die deutschen Ketten Aldi und Lidl Konkurrenz machen wollen. Wal-Mart macht mehr als die Hälfte seines Jahresumsatzes mit Nahrungsmitteln und Haushaltswaren und ist damit auch der größte amerikanische Lebensmittelhändler. Bisher haben Unternehmen noch keinen profitablen Weg gefunden, frische Lebensmittel an Verbraucher zu liefern, die Obst und Gemüse immer noch lieber selbst aussuchen. Spitzenmanager von Wal-Mart halten ihre Warenhäuser daher für einen klaren Wettbewerbsvorteil.

          Wal-Mart hat zuletzt Milliarden von Dollar in den Ausbau seiner Online-Fähigkeiten investiert. Börsianer wetten allerdings darauf, dass Amazon die Oberhand behalten wird. Starinvestor Warren Buffett verkaufte im vergangenen Jahr fast alle Aktien von Wal-Mart im Wert von knapp 3 Milliarden Dollar, die seine Gesellschaft Berkshire Hathaway seit mehr als zehn Jahren gehalten hatte. Amazon-Aktien hält Berkshire nicht. Aber Buffett, der Bezos nicht blind vertraute, räumt ein, damit eine gute Gelegenheit verpasst zu haben. „Ich habe die Kraft des Geschäftsmodells nicht verstanden“, sagte Buffett.

          Quelle: F.A.Z.

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