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Veröffentlicht: 16.05.2017, 11:20 Uhr

Aktienmarkt Hollands Börse lässt Scheitern der Koalitionsgespräche kalt

Wer wird in Den Haag regieren? An der Börse in Amsterdam scheint die Ungewissheit niemand zu irritieren. Die Anleger schauen lieber auf die guten Quartalszahlen und Neulinge auf dem Parkett.

von , Brüssel
© AFP Sondiert noch: Edith Schippers

Zwei Monate nach den niederländischen Parlamentswahlen ist die Bildung einer neuen Koalition noch nicht in Sicht. Zwei Monate nach der Parlamentswahl haben die vier großen Parteien - rechtsliberale VVD, linksliberale D66, die christdemokratische CDA und die grüne Partei Groenlinks - am Montagabend die Verhandlungen abgebrochen. Sie hätten sich nicht über die Migrationspolitik einigen können, teilte die Leiterin der Gespräche, die rechtsliberale Gesundheitsministerin.Edith Schippers, mit. Doch zur Bildung einer stabilen Regierungskoalition braucht Wahlsieger Mark Rutte von der VVD mindestens drei Parteien.

Michael Stabenow Folgen:

Die Anleger an der Amsterdamer Börse zeigen sich davon wenig beeindruckt, auch am Dienstag nicht. Der AEX-Index eilte zuletzt auf seit einem Jahrzehnt nicht mehr erreichte Höhen und verzeichnet binnen Jahresfrist einen Anstieg um mehr als 23 Prozent. Dazu trug bei, dass ein Großteil der im AEX notierten Großunternehmen, nicht zuletzt die britisch-niederländischen Branchenriesen Royal Dutch Shell und Unilever (Konsumgüter), stark international ausgerichtet ist. Beide Unternehmen warteten jetzt, wie auch der Philips-Konzern, mit guten Quartalszahlen auf.

Infografik / AEX © F.A.Z. Vergrößern

Viel Aufmerksamkeit finden dieser Tage die mehr oder weniger konkreten Überlegungen zu einer Übernahme von Unilever sowie – insbesondere – des Chemie- und Farbenherstellers Akzo Nobel. Die Spitze des im Umbruch steckenden Konzerns lehnte in der vergangenen Woche ein drittes, auf knapp 27 Milliarden Euro erhöhtes Kaufgebot des amerikanischen Konkurrenten PPG Industries ab. Noch lässt sich nicht absehen, wie das Kräftemessen ausgehen wird.

Für Gesprächsstoff sorgt auch die gelungene Rückkehr des traditionsreichen Unternehmens Volker Wessels an die Börse. Die Gründerfamilie hatte die zweitgrößte niederländische Baugesellschaft, die zuletzt bei einem Jahresumsatz von rund 5,5 Milliarden Euro gut 16.000 Mitarbeiter zählte, 2003 für rund 700 Millionen Euro von der Börse geholt. Anders als die Hauptkonkurrenten BAM und Heijmans hat sich das überwiegend auf dem heimischen Markt tätige und auf kleinere Bauvorhaben spezialisierte Unternehmen zuletzt überaus gut entwickelt.

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Günstige Wachstumsperspektiven, aber auch das Bestreben der Eigentümerfamilie, eine größere Streuung der Besitzverhältnisse zu erreichen, waren offenbar die Hauptantriebsfeder für die Rückkehr an die Börse. Mit knapp 1,9 Milliarden Euro spülte der Verkauf der Aktien – bei einem Einstandskurz von jeweils 23 Euro – am vergangenen Freitag rund 100 Millionen Euro mehr als erhofft in die Kassen. Die Gründerfamilie, die zunächst eine Mehrheit der Anteile behalten wird, will sich längerfristig mit einer Minderheitsbeteiligung begnügen.

„Natürlich wird es irgendwo zu Enttäuschungen kommen.“

Angesicht des Höhenflugs des AEX fragte die Wirtschaftszeitung „Het Financieele Dagblad“ (FD) am vergangenen Wochenende: „Werden niederländische Aktien nicht zu teuer?“ Drei vom FD befragte Finanzmarktexperten kamen zu unterschiedlichen Schlüssen. „Absolut“, erklärte Jim Tehupuring, Gründer des Portals ProBeleggen.nl. „Als Anleger muss man vorsichtig sein. Die hohen Bewertungen können zwar angehen, aber nur wenn sie mit kräftigen Gewinnzunahmen einhergehen. Die Frage ist, ob das wirklich realistisch ist“, gab Tehupuring zu bedenken.

Der für BNP Paribas tätige Anlagestratege Joost van Leenders wies auf das günstige, durch den Wahlsieg des gemäßigten französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron zusätzlich positiv beeinflusste wirtschaftliche Umfeld in Europa hin. Kurzfristig dürften die Kurse daher noch etwas steigen. Allerdings sagte van Leenders auch: „Natürlich wird es irgendwo zu Enttäuschungen kommen. Für die nächsten zwölf Monate sind wir bei europäischen Aktien leicht negativ.“

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Zuversichtlicher als Tehupuring und van Leenders äußerte sich Willem Burgers, Fondsverwalter bei Add Value Fund. Unter Hinweis auf Unternehmen wie den Stahlriesen Arcelor-Mittal oder das Pharmaunternehmen Galapagos erinnerte er daran, dass viele der am Damrak notierten Unternehmen international ausgerichtet seien und dennoch die AEX-Kursentwicklung maßgeblich beeinflussten. Traditionell zähle Amsterdam zu den günstigeren Börsenplätzen.

Das jüngste Interesse an der Übernahme alteingesessener Unternehmen wie Unilever oder Akzo Nobel wertet Burger als Zeichen für die Bereitschaft, deutlich höhere Preise zu zahlen. Insgesamt hätten niederländische Unternehmen zuletzt gute Zahlen vorgelegt. Auch bei kleineren Gesellschaften sieht Burgers noch Luft nach oben. „Der erfolgreiche Börsengang des Bauunternehmens Volker Wessels ist der beste Beweis für die Bereitschaft von Anlegern, in niederländische Aktien auf dem jetzigen Niveau zu investieren“, sagte Burgers.

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