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Waffenhersteller Angst vor Obama treibt die Kurse

22.10.2009 ·  Seit der Präsidentenwahl steigt in Amerika die Nachfrage nach Waffen und Munition. Die Aktienkurse dieser Unternehmen haben sich in diesem Jahr aufgrund des Absatzes von Pistolen, Gewehren und der dazugehörenden Munition mehr als verdoppelt.

Von Norbert Kuls
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An der Wall Street stehen Aktien von großen amerikanischen Waffenherstellern wie der Smith & Wesson Holding Corp. oder Sturm, Ruger & Co. hoch im Kurs. Die Aktienkurse dieser Unternehmen haben sich in diesem Jahr aufgrund zweistelliger Wachstumsraten beim Absatz von Pistolen, Gewehren und der dazugehörenden Munition mehr als verdoppelt.

Die Zahl der von der amerikanischen Bundespolizei FBI durchgeführten Hintergrundüberprüfungen von potentiellen Waffenkäufern ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Diese Zahlen gelten als Indikator für den Absatztrend im Waffenmarkt. Die eigentlichen Wachstumsraten der Waffenbranche dürften noch höher liegen, weil ein überprüfter Kunde auch mehrere Waffen kaufen kann. Dazu werden Verkäufe bei Waffenschauen nicht mitgezählt, da dort keine Hintergrundprüfung nötig ist. In Amerika ist Waffenbesitz weitgehend erlaubt. Seit 1998 muss vor einer Transaktion aber vom FBI geprüft werden, dass Waffenkäufer keine Vorstrafen haben.

In der Wagenburg

Als Auslöser der seit gut einem Jahr steigenden Nachfrage gilt die Wahl von Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Private Waffenkäufer fürchten offenbar eine Einschränkung der liberalen Waffengesetze durch Obama und den von seinen demokratischen Parteifreunden dominierten Kongress. Bisher hat es jedoch keine konkreten Initiativen für eine stärkere Regulierung des Waffenbesitzes gegeben.

Waffennarren fürchten vor allem ein Verbot von halbautomatischen Sturmgewehren oder eine Verbrauchsteuer auf Munition. „Es gibt in der Regel einen Anstieg von Waffenkäufen in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten, aber die Angst vor Obama hat sie auf ein neues Niveau gehoben“, sagt Analyst Eric Wold von der Investmentbank Merriman Curhan Ford.

Die Wirtschaftskrise und die Angst vor einer damit einhergehenden Zunahme der Kriminalität gilt ebenfalls als Grund für die persönliche Aufrüstung vieler Amerikaner. „Es gibt in der Gesellschaft viele Sorgen wegen der Konjunktur, des unsicheren Arbeitsmarkts und der großen politischen Turbulenzen. Das schafft ein Klima, in dem sich die Leute verschanzen wollen - und ein Teil dieses Drangs ist das Hamstern von Munition“, sagt Paul Gauffin, Besitzer des Waffenladens State Line Gun Shop in Mason im Bundesstaat New Hampshire. Gauffin berichtet von einer Verknappung besonders bei Pistolen und Munition für militärartige Waffen. In einigen Filialen des Einzelhändlers Wal-Mart wurde bereits die Menge der Munition begrenzt, die Kunden kaufen dürfen.

Sonderschichten

Remington Arms, der vor Sturm Ruger und Smith & Wesson älteste und größte Hersteller der Branche, kann wie die Konkurrenten nicht mit der Nachfrage Schritt halten. „Wir mussten eine vierte Schicht einführen und arbeiten jetzt rund um die Uhr. Es ist ein Phänomen, das ich in meinen 30 Jahren in der Branche noch nicht gesehen habe“, sagt Unternehmenssprecher Al Russo.

Remington Arms ist auch einer von sieben Waffen- und Munitionsherstellern, die die Beteiligungsgesellschaft Cerberus Capital in den vergangenen Jahren gekauft und unter dem Namen Freedom Group konsolidiert hat. Cerberus will die für die Branche positive Geschäftslage und das freundliche Börsenumfeld nutzen und die Freedom Group in Kürze an die New Yorker Börse bringen (F.A.Z. vom 21. Oktober). Die Freedom Group ist auf dem Weg, einen Jahresumsatz von 900 Millionen Dollar zu erwirtschaften, hieß es.

Als Vorstandschef wurde in diesem Jahr Ted Torbeck berufen. Torbeck kommt vom Mischkonzern General Electric, der als eine Art Schmiede für Manager gilt. Das Unternehmen, in dessen patriotisch klingendem Namen die Forderung nach freiem Waffenbesitz mitschwingt, will auch von der steigenden Nachfrage seitens der amerikanischen Streitkräfte profitieren, die im Irak und in Afghanistan Kriege führen.

Die Verfechter härterer Waffengesetze halten es für Ironie, dass die Waffenbranche trotz ihrer Kritik stark von der Wahl Obamas profitiert hat. „Obama ist das Beste, was ihnen seit Jahren passiert ist. Die Angstmache vor der Wahl ging zwar nicht auf, aber sie war gut für das Geschäft“, sagt Paul Helmke, Präsident der Interessenvereinigung Brady Campaign to Prevent Gun Violence. Obamas Vorschläge zur Reform der Waffengesetze seien moderat gewesen, und es gebe derzeit ohnehin keine Vorstöße der Regierung. „Wir sind frustriert, weil Obama und der Kongress noch nicht mal über das Waffenthema reden wollen“, sagt Helmke.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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