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Vorwurf illegaler Geschäftsmethoden : Hedgefonds wettet gegen Herbalife

Nicht nur aus gesundheitlicher Perspektive ist Herbalife umstritten. Bild: IMAGO

Der prominente Hedgefonds-Manager William Ackman wirft dem Diät-Unternehmen Herbalife illegale Geschäftsmethoden vor. Der Aktienkurs fährt Achterbahn.

          Prominente Hedgefonds an der Wall Street üben mit öffentlichen Wetten auf fallende Kurse erfolgreich Druck auf Aktiengesellschaften aus. Die jüngste Kontroverse dreht sich um das Diät-Unternehmen Herbalife, auf das sich William Ackman, der Gründer der Hedgefonds-Gesellschaft Pershing Square Capital, eingeschossen hat. Ackman warf dem Unternehmen kurz vor Weihnachten in einer dreistündigen Präsentation auf einer Investorenkonferenz vor, ein illegales Schneeballsystem zu betreiben.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Herbalife verkauft seine Produkte, Getränke und Riegel zur Gewichtskontrolle, Energiedrinks und Nahrungszusätze im Direktvertrieb - ähnlich wie der Kosmetikhersteller Avon. Ackman glaubt, dass die Vertriebsmitarbeiter von Herbalife mehr Geld damit verdienen, immer neue selbständige Berater anzuheuern und ihnen die Produkte zu verkaufen, als mit dem eigentlichen Absatz der Waren an Endverbraucher.

          Herbalife bestreitet Schneeballsystem zu betreiben

          Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1980 hätten rund 1,9 Millionen Vertriebsleute mit dem Verkauf der Produkte kein Geld verdient. Sie hätten im Durchschnitt allerdings 2000 Dollar in Produktvorräte und Ausbildung investiert. Als Schneeballsysteme werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötigen. Gewinne für Teilnehmer entstehen dadurch, dass neue Teilnehmer in den Systemen mitwirken und Geld investieren.

          William Ackman
          William Ackman : Bild: REUTERS

          Ackmans Präsentation sorgte umgehend für Panik unter den Aktionären von Herbalife. Der Aktienkurs sackte in den Tagen danach um fast 40 Prozent ab, erholte sich dann allerdings wieder etwas. Herbalife wies die Vorwürfe scharf zurück und kündigte für den 10. Januar eine Analystenkonferenz an. „Die Präsentation war ein böswilliger Angriff auf unser Geschäftsmodell, der weitgehend auf veralteten, verzerrten und falschen Informationen beruhte“, teilte Herbalife nach Ackmans Referat mit. Das Unternehmen halte höchste Standards für Ethik und Qualität ein und verlasse sich zudem auf unabhängige Fachleute, um sicherzustellen, dass Gesetze und Vorschriften eingehalten werden. „Wir sind kein illegales Schneeballsystem.“

          Hedgefonds-Manager wie Ackman beeinflussen die Kurse

          Der Vorstandschef von Herbalife, Michael Johnson, warf Ackman in einem Fernsehinterview vor, den Aktienkurs manipulieren zu wollen. Ackman, dessen genaue Position in Herbalife-Aktien nicht bekannt ist, hat angekündigt, jeglichen persönlichen Gewinn aus der Anlage wohltätigen Zwecken zu spenden. Auf der Investorenkonferenz sprach Ackman von einer „enormen Wette“ auf fallende Kurse von Herbalife. Ackman nutzt dafür sogenannte Leerverkäufe. Er leiht sich Aktien gegen eine Gebühr und verkauft sie in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Kurs wieder zurückzukaufen. Der Gewinn des Leerverkäufers ist die Differenz zwischen diesen beiden Kursen.

          Ackman und andere prominente Hedgefonds-Manager wie David Einhorn (Greenlight Capital) oder John Paulson (Paulson & Co.) haben genug Einfluss, den Kurs von Unternehmen allein mit der Veröffentlichung einer großen Position zu bewegen. Einhorn war an der Wall Street 2008 mit Leerverkäufen von Aktien der Investmentbank Lehman Brothers bekannt geworden, die dann im September in Folge der damaligen Finanzkrise Konkurs angemeldet hatte. Einhorn führt seit 2007 auch eine Kampagne gegen die St. Joe Company, eine Immobiliengesellschaft in Florida, der der Hedgefonds-Manager eine übertriebene Bewertung von Vermögenswerten vorwirft. Einhorns Attacken haben den Aktienkurs von St. Joe wiederholt geschwächt. Auch der Kaffeeröster Green Mountain ist ins Visier von Einhorn geraten. Die Vorwürfe: Intransparenz und fragwürdige Bilanzierung. Einhorn hatte mit kritischen Fragen bei einer Telefonkonferenz im vergangenen Mai auch schon den Kurs von Herbalife eigenhändig auf Talfahrt geschickt. Es ist allerdings nicht bekannt, welche Positionen sein Fonds bei Herbalife hält.

          Hedgefonds-Manager sind geteilter Meinung über Herbalife

          Leerverkäufer spielen trotz der häufigen Kritik von betroffenen Unternehmen eine wichtige Rolle im Aktienmarkt, weil sie zur korrekten Preisfindung beitragen. In Fällen wie Lehman Brothers hatte sich die kritische Analyse von Einhorn trotz der damals ebenfalls heftigen Kritik der Investmentbank zudem als korrekt herausgestellt. Der Investor Carson Block, Gründer des Wertpapierhauses Muddy Waters hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen an der Wall Street gemacht, weil er Bilanzbetrug bei chinesischen Unternehmen aufdeckte, die an amerikanischen und kanadischen Börsen notiert waren. Block begleitete seine Vorwürfe ebenfalls mit Leerverkäufen.

          Das prominenteste Beispiel war 2011 der chinesische Holzproduzent Sino-Forest, dessen Kurssturz dem Hedgefonds-Manager John Paulson schmerzliche Verluste zufügte. Paulson war während der Finanzkrise mit einer erfolgreichen Wette auf fallende Häuserpreise reich und berühmt geworfen, hatte in den Jahren danach aber nicht immer eine glückliche Hand. Muddy Waters hat sich im vergangenen November auf die Rohstoffgesellschaft Olam International in Singapur eingeschossen, an der der Staatsfonds Temasek eine große Minderheitsbeteiligung hält. Muddy Waters glaubt, dass Olam vor der Insolvenz steht, was die Gesellschaft allerdings scharf zurückweist.

          Im Fall von Herbalife scheint die Gemeinde der Hedgefonds-Manager zuletzt aber unterschiedlicher Meinung zu sein. Robert Chapman, der Gründer von Chapman Capital, hat angesichts der gefallenen Kurse bereits Aktien von Herbalife gekauft. Er habe eine „Monsterwette“ auf steigende Kurse abgeschlossen, teilte Chapman mit. Angesichts der Kontroverse hat ein Analyst die Bewertung der Herbalife-Aktien ausgesetzt. Der Handel habe nur noch mit dem Druck der Leerverkäufer und nichts mit den fundamentalen Unternehmensdaten zu tun, schrieb er.

          Quelle: F.A.Z.

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