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Vor der deutschen Berichtssaison Auto- und Chemiebranche könnten überraschen

22.07.2010 ·  Nach den amerikanischen werden nun auch die deutschen Unternehmen über ihre Quartalsergebnisse Bericht erstatten. Analysten erwarten für die Unternehmen des Dax im Durchschnitt 30 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr.

Von Alexander Armbruster
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Ab der kommenden Woche decken die wichtigsten deutschen Unternehmen auf, was sie im vergangenen Quartal und in der ersten Hälfte dieses Jahres insgesamt verdient haben. Am Dienstag veröffentlichen die Deutsche Bank, Daimler, SAP und die Deutsche Börse, die allesamt im deutschen Leitindex Dax gelistet sind, ihre Quartalsergebnisse.

Am Mittwoch folgt der Halbleiterhersteller Infineon, am Donnerstag der Chemiekonzern BASF, der Pharmakonzern Bayer, die Lufthansa, der Lastwagenbauer MAN, Volkswagen und Siemens. Anleger erwarten die Zahlen mit Spannung, weil sie daraus Rückschlüsse ziehen können auf die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt. Und weil nach wie vor die Unternehmensgewinne einer der wichtigsten Treiber für Aktienkurse sind. Je mehr ein Unternehmen verdient, desto mehr Geld kann es potentiell an seine Aktionäre ausschütten, und umso mehr sind diese wiederum bereit, für einen Anteilsschein zu zahlen.

„Entscheidend wird neben den tatsächlichen Ergebnissen vor allem der Ausblick sein, den die Unternehmen für den Rest dieses Jahres geben“, sagt Steffen Neumann, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Nach Berechnungen der LBBW werden die dreißig Dax-Konzerne im Durchschnitt einen um 33 Prozent höheren Gewinn ausweisen als im zweiten Quartal des vergangenen Jahres. Gute Ergebnisse erwartet Neumann aus der Automobilindustrie.

Die drei großen deutschen Autobauer Daimler, BMW und Volkswagen signalisierten bereits ein besseres Geschäft in diesem Jahr, nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Erholung verglichen mit dem Krisenjahr 2009, in dem die deutsche Wirtschaftsleistung um rund 5 Prozent geschrumpft war, und einem schwächer gewordenen Euro, der die Exporte stützte. Daimler gab vor rund zwei Wochen in einer Pflichtmitteilung bekannt, im zweiten Quartal 2,1 Milliarden Euro verdient zu haben vor Zinsen und Steuern, nachdem das Unternehmen im selben Zeitraum des vergangenen Jahres noch einen Verlust von rund 1 Milliarde Euro ausweisen musste. Die Gewinnverbesserung des Stuttgarter Autobauers ist nach Berechnungen der LBBW-Analysten die größte aller Dax-Unternehmen (siehe Grafik).

Ergebnisse der Banken dürften weniger spektakulär ausfallen

Neben der Autoindustrie traut Neumann der Chemiebranche zu, die Börsianer erfreulich zu überraschen. Sowohl BASF als auch das ehemals zu Bayer gehörende und im M-Dax notierte Chemieunternehmen Lanxess könnten die Geschäftsaussichten für das Gesamtjahr anpassen. Außerdem hält Neumann die gleichsam im M-Dax aufgeführten Luftfahrtunternehmen EADS und MTU Aero Engines für kurstreibende Überraschungen gut.

Eher wenig spektakulär dürften aus seiner Sicht die Ergebnisse der Banken ausfallen. Momentan spekulieren Börsenbeobachter vor allem darüber, wie die Deutsche Bank abgeschnitten haben wird. Wettbewerber des deutschen Branchenprimus, haben bisher unterschiedlich berichtet. Während die wichtigste Wall-Street-Bank Goldman Sachs Anleger mit ihrem Quartalsgewinn enttäuschte, legte Morgan Stanley sehr gute Zahlen vor. „Vom Markt positiv aufgenommen würden Hinweise darauf, dass das Ergebnis der Deutschen Bank weniger stark vom Investmentbanking abhängt“, urteilt Neumann. Die LBBW sagt für die Deutsche Bank ein um 28 Prozent besseres Quartalsergebnis voraus als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Unsicherheit der Anleger nach wie vor groß

Ob die Börsenkurse von den Quartalszahlen insgesamt profitieren werden, ist dabei nicht klar. „Die Zahlen werden gut ausfallen, dem Aktienmarkt aber nicht helfen“, sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. Dafür sei die Unsicherheit unter den Anlegern nach wie vor zu groß, insbesondere die momentan umgehende Angst vor einer abermaligen Rezession. Er sieht den Dax deswegen auch im dritten Quartal dieses Jahres in einer Bandbreite von 5700 bis 6400 Punkten schwanken.

Danach allerdings werde - so die Geschäftszahlen der Unternehmen für die Monate Juli bis September überzeugen - diese Angst überwunden mit der Folge, dass die Kurse deutlich steigen. Hürkamp sagt für den Dax einen Stand von 6900 Punkten voraus am Jahresende. Momentan steht der Index bei 6130 Punkten.

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Jahrgang 1982, Redakteur in der Wirtschaft.

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