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Vor der Bilanzsaison Zuversicht an der Wall Street

10.07.2010 ·  Pessimisten hatten in den vergangenen Wochen die Oberhand an der Wall Street. Nun beflügelt der Ausblick auf positive Berichte der amerikanischen Unternehmen deren Kurse. Dennoch erwarten Analysten ein geringeres Gewinnwachstum für das zweite Quartal.

Von Norbert Kuls, New York
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An der Wall Street dominiert seit ein paar Tagen wieder der Optimismus. Die Aktienkurse amerikanischer Unternehmen haben in dieser Woche von Hoffnungen auf positive Überraschungen bei der anstehenden Bilanzsaison für das zweite Quartal profitiert. Die Bank State Street hatte am Mittwoch gemeldet, dass ihre Quartalsgewinne deutlich über den Erwartungen liegen würden. Das beflügelte nicht nur die Kurse der Finanzwerte. Anleger investierten auch in zuvor stark unter Druck geratene Titel aus den Bereichen Industrie und Technologie. Der breit gefasste Aktienindex S&P 500, der seit April um fast 16 Prozent gefallen war, stieg an nur einem Tag um mehr als 3 Prozent - so stark wie seit Ende Mai nicht mehr. „Es gibt etwas Zuversicht, dass es während der Bilanzsaison mehr positive als negative Überraschungen geben wird“, sagte Marc Pado, Stratege beim Wertpapierhaus Cantor Fitzgerald.

Die Bilanzsaison der Wall Street wird am Montag nach Börsenschluss inoffiziell vom Aluminiumhersteller Alcoa eröffnet. Das vom Deutschen Klaus Kleinfeld geführte Unternehmen ist traditionell der erste im Aktienindex Dow Jones abgebildete Titel, der seine Ergebnisse vorlegt. In der kommenden Woche werden weitere Dow-Komponenten ihre Zahlen vorlegen und Hinweise darauf geben, ob die jüngsten Sorgen um eine Schwäche der amerikanischen Konjunktur und den schleppenden Arbeitsmarkt gerechtfertigt sind. Zu diesen Unternehmen gehören große Kreditinstitute wie JP Morgan Chase oder die Bank of America, der Halbleiterkonzern Intel und der Mischkonzern General Electric.

Unternehmen müssen jetzt wieder investieren, um zu wachsen

Analysten rechnen nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters für die im S&P 500 abgebildeten Unternehmen im zweiten Quartal derzeit mit einem Gewinnwachstum von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Für acht der zehn Segmente im Index erwarten wir eine Steigerung der Gewinne“, schreibt Analyst John Butters von Thomson Reuters. Das stärkste Wachstum erwarten die Auguren für Unternehmen aus den Bereichen Grundstoffe, Energie, Technologie sowie bei zyklischen, also konjunkturabhängigen Konsumwerten, zu denen unter anderem Autohersteller zählen.

Damit fällt das durchschnittliche Gewinnwachstum aber hinter das erste Quartal zurück, als die Unternehmensgewinne an der Wall Street um 58 Prozent gestiegen waren. Das erste Quartal des Vorjahres hatte allerdings noch stärker unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise gestanden als das zweite Quartal. „Die Vergleiche sind nicht annähernd so einfach wie im ersten Quartal“, sagt Aktienmarktstratege Paul Larson vom Analysehaus Morningstar. In den vorangegangenen Quartalen hatten Unternehmen auch noch stärker von Kostenkürzungen profitiert, meint Larson. Da Unternehmen jetzt wieder investieren müssen, um zu wachsen, könnte das die Gewinnmargen verkleinern.

Höhere Rohstoffkosten könnten Gewinnmargen unter Druck setzen

Das Logistikunternehmen FedEx hatte jüngst angekündigt, weitere Langstreckentransporter zu kaufen und neue Mitarbeiter einzustellen. „In frühen Gewinnmeldungen gab es bereits Hinweise auf diesen beginnenden Margendruck, als Unternehmen andeuteten, dass die Tage der Kostenkürzungen der Vergangenheit angehören“, meint auch Analyst Rizwan Hussain von der Bank Morgan Stanley. Um ihre Umsätze zu steigern, müssten Unternehmen neues Personal einstellen und investieren. Nach Einschätzung von Hussain können Unternehmen aber Schwierigkeiten haben, diese Kosten über steigende Preise an ihre Kunden weiterzugeben.

Die Gewinnmargen könnten auch durch höhere Kosten für Rohstoffe unter Druck geraten, die Unternehmen zur Weiterverarbeitung benötigen. Auch steigende Kosten für Krankenversicherung, höhere Steuern und die zunehmende Regulierung schwächen das Gewinnwachstum. Besonders Unternehmen aus der Technologiebranche und Konsumwerte, die von der Verfassung der amerikanischen Verbraucher abhängen, seien verletzbar, meint Hussain. Pessimisten, die ein enttäuschendes Quartal fürchten, hatten in den vergangenen Wochen jedenfalls die Oberhand an der Wall Street. „Es gibt viele stürmische Debatten, weshalb sich Investoren den Sommer freigenommen haben“, resümiert der unabhängige Anlagestratege Ed Yardeni.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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