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Vivendi Aktie könnte langsam aus dem Tiefschlaf erwachen

01.09.2010 ·  Schon seit Jahren dümpelt die Aktiennotiz von Vivendi nur vor sich hin. Doch eine angehobene Prognose nährt nun bei den Anlegern des französischen Medien- und Telekommunikationskonzerns die Hoffnung auf mehr Kurselan.

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Zur Wochenmitte zeigt die Notiz des breit aufgestellten Unternehmens (zu den Produkten gehören unter anderem Fest- und Mobilfunknetze, Satelliten- und Kabelübertragung, Internet-Sites mit einem vielseitigem Angebot, Internet-Zugänge und Dienstleistungen sowie Musik & Filmverzeichnisse. Auch die Produktion (Universal Studios) und die Sendung von Filmen, Fernsehsequenzen und Musik über eigene Sendestationen (Canal Plus) ist ein Teil des Geschäfts) jedenfalls schon einmal mehr Dynamik. Nach erfreulichen Unternehmensnachrichten legt der Titel an der Pariser Börse bis zum Nachmittag um 4,95 Prozent auf 19,10 Euro zu. Dieser Kursschwung ist auch nötig, war der Wert doch Anfang Juli kurzzeitig auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2003 abgerutscht.

Die über Jahre hinweg schwache Kursentwicklung lässt sich gleich an mehreren Belastungsfaktoren festmachen. Zum einen wird von Börsianern immer wieder die fehlende eindeutige Branchenausrichtung kritisiert. Die Aktivitäten in den Bereichen Film-, Fernseh-, Telekommunikations- und der Musikbranche seien weder Fisch noch Fleisch und der Konzern lasse sich so nur schwer einordnen. Zum anderen hängt eine in Amerika anhängige Sammelklage wie ein Damoklesschwert über dem Konzern. Im Februar hatte ein amerikanisches Gericht Vivendi für schuldig befunden, falsche Angaben über die Finanzstärke des Unternehmens in den Jahren 2001 und 2002 gemacht zu haben. Und so lange wie nicht klar ist, wie hoch die möglichen Schadensersatzzahlungen ausfallen werden, weist Vivendi einen erheblichen Makel auf.

Zahlreiche Kritikpunkte belasteten den Kurs in der Vergangenheit

Darüber hinaus dürfte der Holding auch noch bis heute der im Geschäftsjahr 2002 vorgelegte Rekordverlust von mehr als 23 Mrd. Euro nachhängen. Denn das war der höchste Verlust, den ein französisches Unternehmen bis dahin zu verkraften hatte. Neben diesen drei negativen Einflussfaktoren waren einige Marktteilnehmer auch nicht glücklich mit der jüngsten Akquisitionspolitik. Der im Vorjahr für rund drei Milliarden Euro getätigte Kauf der brasilianischen Telekom-Gesellschaft GVT wurde jedenfalls nicht selten wegen dem hohen Wettbewerb in diesem Sektor in Brasilien kritisiert. Wer hier Recht hat, kann nur die Zukunft zeigen.

Im ersten Halbjahr 2010 ist es jedenfalls nicht nur bei GVT sondern auch im Konzernverbund insgesamt gut gelaufen bei dem größten europäischen Telekom- und Unterhaltungskonzern. Von Januar bis Juni verdiente das Unternehmen operativ 3,24 Milliarden Euro, das sind 11,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um 6,1 Prozent auf 13,98 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten jeweils nicht mit derart starken Zuwächsen gerechnet.

Höhere Jahresprognose sorgt für Kurssprung

Auf Basis der Halbjahreszahlen sah sich der Vorstand zudem ermutigt, seine Prognose für das Gesamtjahr anzuheben. Der Konzern rechnet nun mit einem Anstieg des operativen Gewinns. Auch unter dem Strich werde mehr übrig bleiben als 2009. „Vivendi ist im ersten Halbjahr 2010 wieder auf Wachstumskurs“, sagte Firmenchef Jean-Bernard Levy. Bisher war lediglich von einem leichten Plus beim operativen Ergebnis die Rede. Vivendi will für 2010 außerdem wieder eine Dividende von 1,40 Euro je Aktie zahlen.

Wird dieses Versprechen eingehalten, würde die Aktie des EuroStoxx 50 Vertreters eine ansehnliche Dividendenrendite von 7,3 Prozent abwerfen. Das ist aus Anlegersicht ebenso reizvoll wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das sich schon auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen nur auf moderate 8,4 belief. Das deutet alles auf eine günstige Bewertung hin und in diese Richtung weist auch der Buchwert je Aktie, der von Independent Research für 2010 auf 22,86 Euro beziffert und damit auf ein über dem aktuellen Kurs liegendes Niveau beziffert wird.

Abgerundet würde das Bild nun noch, wenn es gelingen sollte, den Ende 2007 aufgenommenen Abwärtstrend zu beenden. Denn dann würde sich auch das Chartbild merklich aufhellen. Und nach der jüngsten Kurserholung und dem Kurssprung am Berichtstag fehlt dazu jetzt auch nicht mehr viel.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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