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Veröffentlicht: 14.12.2012, 06:00 Uhr

Versorgungswerke Geldanlage in Häfen, Schienen und Stromnetze

Versorgungswerke, Pensionskassen oder Versicherer können mit sicheren Anleihen allein ihre Verpflichtungen nicht erfüllen. Deshalb rücken verstärkt Investitionen in Infrastruktur in den Blick.

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© dapd Investitionen in Infrastruktur wie das Stromnetz könnten bald ins Portfolio von Versorgungswerken kommen

Langfristanleger stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Vergleichsweise sichere Anleihen werfen Renditen ab, mit denen allein Versorgungswerke, Pensionskassen oder Versicherer nicht ihre Verpflichtungen erfüllen können. Deshalb rücken Investitionen in alternative Anlageklassen in den Blick: Häfen, Schienen-, Kabel- und Stromnetze, Solaranlagen, aber auch Gaspipelines oder -kavernen kommen als Beimischung in den Portfolios in Frage. Bei vielen Versicherern und Versorgungswerken haben Gedankenspiele in diese Richtung begonnen.

Philipp Krohn Folgen:

Die Evangelische Zusatzversorgungskasse ist diesen Schritt schon vor fünf Jahren gegangen, weil sie das Portfolio diversifizieren wollte. Ungewöhnlich ist: Statt sich über einen Infrastrukturdachfonds an diese bislang unbekannte Anlageart heranzutasten und sich dann sukzessive mehr Wissen anzueignen, sind Vorstandsmitglied Christian Fuhrmann und sein fünfköpfiges Kapitalanlageteam nach einem aufwendigen Prüfverfahren mit einem Direktinvestment gestartet. Ausländische Solarparks erschienen ihnen trotz staatlicher Förderung als zu riskant. „Das ist nicht unser Fokus, weil wir ein großes Änderungsrisiko sehen“, sagt Fuhrmann. Sobald Staaten ihre Förderrichtlinien änderten, seien die Auszahlungserwartungen über den Haufen geworfen. Zudem gebe es bei erneuerbaren Energien noch so viel technischen Fortschritt, dass ein Anleger auch damit rechnen müsse, dass Abbaukosten auf ihn zukämen.

Der hohe Anfangsaufwand habe sich gelohnt

Die Evangelische Zusatzversorgungskasse verwaltet 5,5 Milliarden Euro für ihre 520.000 Pflichtversicherten. Kapitalaufbau hat derzeit noch eine Priorität vor den Auszahlungen, da es deutlich mehr Anwärter als Pensionäre gibt. Im vergangenen Jahrzehnt hat der Anbieter der betrieblichen Altersvorsorge für Kirchen- und Diakoniemitarbeiter eine Verzinsung von durchschnittlich 5 Prozent erzielt. Vergleichsweise gering im Vergleich zu anderen Vorsorgeeinrichtungen ist mit 65 Prozent der Anteil an festverzinslichen Wertpapieren. Aktien und alternative Investments (vor allem Immobilien) machen jeweils 17 Prozent aus. Und mit 1,9 Prozent an den Kapitalanlagen spielen Infrastrukturinvestitionen eine größere Rolle als selbst bei großen Versicherern.

Fuhrmann investierte in nicht substituierbare Energieinfrastruktur. „Es bot sich eine attraktive Gelegenheit. Der hohe Prüfaufwand des Investments hat zu einer steilen Lernkurve geführt“, sagt er. Das Direktinvestment habe sein Team mit Aufgaben vertraut gemacht, die sonst Fondsmanagern obliegen. „In der Regel ist das ein Teil der Wertschöpfungskette, den man gar nicht mitbekommt.“ Doch der hohe Anfangsaufwand habe sich gelohnt, er erlaubte der Versorgungskasse, Kompetenz aufzubauen.

Interessierte Anleger brauchen eigene und fremde Expertise

Für weitere Investitionen in Infrastruktur hat das Team nun einen klaren Prozess ausgearbeitet. Zunächst definiert es, ob die Anlageklasse notwendig für die langfristigen Ziele ist. Wenn für Pensionszahlungen Liquidität gebraucht wird, wäre beispielsweise ein erwarteter Beginn der Mittelzuflüsse erst in der Zukunft nachteilig. Sie sind bei Investitionen in Infrastruktur oder auch Private Equity durch Vorlaufkosten üblich. Zudem prüfen die Kapitalanleger, ob durch die Investition ein Klumpenrisiko entsteht. Läuft die Investition über einen Fonds, prüfen sie daraufhin Erfolg und Renommee des Anbieters. Im nächsten Schritt untersuchen sie, ob die ausgewiesenen Renditen plausibel sind oder Erfolge der Vergangenheit womöglich nur an einem zufällig erfolgreichen Investment lagen. Bevor sie das Geld anlegen, schauen sie sich zuletzt die Fondsmitarbeiter, ihre Arbeitsumgebung und die dortigen Strukturen genauer an.

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„Infrastrukturinvestments sind sehr aufwendig, weil es sich um keine homogene Anlageklasse handelt“, sagt Fuhrmann. Als Anleger kaufe man sich die Erwartung auf höhere Renditen und kalkulierbare Mittelzuflüsse über eine höhere Illiquidität. Juristisch sind Konstruktionen mit Masterfonds, wie sie manche Einrichtungen wählen, in die verschiedene zwischengeschaltete Gesellschaften eingebracht werden, ebenfalls komplex. Direktinvestments im Ausland beispielsweise können zu steuerlichen Nachteilen führen, wozu Fachjuristen den Überbau eines Luxemburger Dachfonds empfehlen. Auch hierfür brauchen interessierte Anleger viel eigene und fremde Expertise. „Am Ende muss man sich fragen, ob sich der große Zeitaufwand lohnt, denn es wird weiterhin nur eine kleine Beimischung bleiben“, sagt Fuhrmann. Für sich und sein Team hat er die Frage schon beantwortet. Sie wollen den Anteil der Infrastruktur im Portfolio langfristig, aber weiterhin sehr vorsichtig ausbauen. Denn sie sind überzeugt, dass Diversifikation einen Zusatznutzen schafft, wenn man sich ausführlich mit den Risiken auseinandergesetzt hat.

Quelle: F.A.Z.

 

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